Steve Morse von Deep Purple in Fellbach Alles außer „Smoke on the Water“

Von Phillip Weingand 

Bodenständig trotz Weltruhm: Deep-Purple-Gitarrist Steve Morse. Foto: Gottfried Stoppel
Bodenständig trotz Weltruhm: Deep-Purple-Gitarrist Steve Morse. Foto: Gottfried Stoppel

So ziemlich jeder Musiker hat sich schon an dem legendären Riff von Deep Purple versucht. Deren Gitarrist Steve Morse war für einen Workshop in Fellbach – nicht nur Musiker können von ihm lernen.

Fellbach - G, Ais, C. G, Ais, Cis, C – so beginnt es, das wohl berühmteste Gitarrenriff der Rockgeschichte. „Smoke on the Water“ von Deep Purple. Gespielt mit Verzerrung, am besten in breitbeiniger Pose mit lässigem Gesichtsausdruck vor einem gigantischen Verstärkerturm. Fast jeder Gitarrenschüler hat sich an dem Stück schon versucht.

Am Mittwoch hatten Musiker in Fellbach die Chance, das Jahrhundert-Riff zusammen mit Steve Morse zu spielen, einem der ganz großen in der Rockwelt. Seit 1994 spielt er bei Deep Purple Gitarre, bei einem Workshop für das Instrumentenfachgeschäft Soundland in Fellbach ließ er am Mittwoch Fans an seinem Wissen teilhaben.

Nicht nur Musiker können von dem Deep-Purple-Gitarristen lernen

Die sechs Teilnehmer hatten ihre jeweils gut zehn Minuten mit dem Virtuosen gewonnen – für den kurzen Gitarrenunterricht hatten sich freilich viel mehr beworben. Gut, dass das „Soundwerk“ des Soundland auch für die Zuschauer noch Platz bot – und manche sogar eine Gitarre mitbringen konnten. Wenn nicht zum Spielen, zumindest, um sie von Morse signieren zu lassen.

Der Workshop richtete sich eigentlich an Musiker, doch die Rocklegende ließ einige Sprüche mit philosophischer Tiefe vom Stapel. Etwa, als sich einer der Teilnehmer trotz seiner Telecaster-Gitarre als Nicht-Country-Musiker offenbarte und Morse augenzwinkernd meinte: „Warte – willst du etwa sagen, dass ich mein Leben nicht auf Vorurteilen gründen kann?“ Oder als die Musikikone, die vom „Guitar Player Magazine“ einst fünfmal hintereinander zum besten Gitarristen der Welt gekürt wurde, über Bescheidenheit sprach: „Wer immer glaubt, er sei der größte Rockstar, lernt nie etwas dazu.“

Ein Schüler macht Steve Morse fast sprachlos

Morse war sich nicht zu schade, auch selbst ins Staunen zu geraten. Nachdem einer der Teilnehmer, der Gitarrenlehrer Andi Zanker, auf seiner Gitarre ein Solofeuerwerk abgebrannt hatte, fehlten Morse fast die Worte. „Es gibt kaum etwas, was ich dir noch zeigen könnte“, sagte er. Fragen hatte sein virtuoser Schüler trotzdem.

Den Teilnehmern dürfte es durchaus Mut gekostet haben, auf die Bühne zu kommen: Oben ein weltbekannter Rockstar, unten rund hundert Menschen, von denen einige sich über einen der sechs Teilnehmerplätze mindestens genauso gefreut hätten. Neid und Missgunst blieben trotzdem draußen: Jeder der Teilnehmer bekam Applaus. Manche höflichen, andere begeisterten.

Eine Hochschuldozentin begeistert das Publikum

Für eine Überraschung sorgte etwa die 53-jährige Ursula Eicker, die aus der männlich dominierten, gerne im schwarzen T-Shirt gekleideten Masse hervorstach. Kaum hatte die Hochschullehrerin aus Stuttgart sich mit ihrer prächtigen Les-Paul-Gitarre zu der Rockikone auf die Bühne gestellt, sprühte funkiger Blues durch das Soundwerk und die Zuhörer waren baff. Hinterher war Eicker mehr als zufrieden: „Steve Morse ist sehr schnell auf jeden einzelnen Teilnehmer eingegangen und hat zu keinem gemeint, das war jetzt aber schlecht. Da ist man als Schüler doch gerne bereit, Kritik anzunehmen.“

Denn Tipps hatte der erfahrene Musiker viele – je nach Stil und Level des jeweiligen Eleven. Einem jungen Mann, der vor allem Rhythmusgitarre spielt, zeigte er frische Akkordvarianten, um sein Spiel abwechslungsreicher zu gestalten, der Blueserin Eicker gab er Ratschläge in Sachen Gitarrentechnik und Musiktheorie.

„Smoke on the Water“ spielten übrigens weder die Gitarrenschüler noch die Rockikone an – zumindest beim Workshop. Beim anschließenden Deep-Purple-Konzert in der Stuttgarter Schleyerhalle war das Jahrhundert-Gitarrenriff natürlich zu hören.

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