Die seit 2014 geschlossene Erddeponie soll erweitert werden. Foto: Malte Klein

Der Kreis Böblingen will die Erddeponie Steinenbronn/Waldenbuch reaktivieren und erweitern. Den Gemeinderäten von Steinenbronn bereitet dieser Plan Kopfzerbrechen. Weshalb, das haben sie bei ihrer Sitzung dargelegt.

Steinenbronn - Am metallenen Tor der Erddeponie zwischen Steinenbronn und Waldenbuch verrät noch ein Schild die früheren Öffnungszeiten. Von 7.30 bis 12 Uhr und von 13 bis 16.30 Uhr konnten Lastwagenfahrer Erdaushub in der Deponie anliefern. Doch das ist Geschichte. Ein weiteres Schild belegt nämlich, dass die Erddeponie am 5. Mai 2014 geschlossen werden musste. Ihre Kapazität war erschöpft. Seitdem fahren keine schweren Lastwagen voller Erde und Schutt mehr durch Steinenbronn und dann über die Umgehungsstraße zur Erddeponie des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Böblingen (AWB).

Der Kreis hat 95 Prozent der zwölf Hektar gekauft

Die Steinenbronner Gemeinderäte möchten, dass das so bleibt. Der AWB-Leiter Wolfgang Bagin hält die Chancen jedoch für groß, dass die Anlage um zwölf Hektar Fläche erweitert werden kann.

In der Gemeinderatssitzung am Dienstag kam es zu einer längeren Diskussion über das Thema. Bürgermeister Johann Singer berichtete, dass er sich beim AWB-Chef Bagin nach dem Stand der Grundstücksverhandlungen erkundigt hatte. Das Ergebnis: „Der Kreis hat bisher 95 Prozent der geplanten zwölf Hektar Erweiterungsfläche gekauft. Bei den verbleibenden fünf Prozent treten die Verhandlungen aber seit Jahren auf der Stelle.“

Otto Elsäßer (Freie Wähler), der Zweite Stellvertreter des Bürgermeisters, vermutete, dass der Kreis das Projekt vorantreibt, weil dieser für die Flächen in Vorleistung gegangen ist. „Der Kreis will Geld sehen.“

Die Gemeinderäte sorgen sich, dass nach einer Deponie-Erweiterung viele Lastwagen durch den Ort rollen, die aus dem ganzen Kreis Erde bringen und über den viel befahrenen Löwenkreisel fahren.

Gitta Obst, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, kommentierte dieses Szenario so: „Der wird dann ein Nadelöhr. Dann mal gute Nacht.“

Sorgen über Sorgen im Gemeinderat

Wolfgang Miller (CDU), der Erste Stellvertreter des Steinenbronner Bürgermeisters, sprach die aktuelle Suche nach einer weiteren Erddeponie im Kreis an. „Nach den Kriterien wäre die Deponie zwischen Steinenbronn und Waldenbuch nicht geeignet, weil die verkehrliche Anbindung nicht gut ist und diese am extremen Rand des Kreisgebiets liegt“, sagte er und ergänzte: „Es entspricht nicht dem, was eine gute Deponie ausmacht.“ Daher habe er gedacht, dass der Standort bei Steinenbronn nicht in Frage komme. Er sei aber wohl vor langer Zeit beschlossen worden. Und noch eine andere Frage zum Verkehr trieb Obst um: „Ich habe gehört, dass die Waldenbucher die Ertüchtigung der Straße von Schönaich nach Waldenbuch aus dem Regionalverkehrsplan nehmen wollen. Dann fahren alle Lastwagen über Steinenbronn“, prophezeite sie. „Das wird grotesk.“

Der Waldenbucher Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr widersprach der Darstellung von Obst: „Von dieser Aussage der Gemeinderätin kann keine Rede sein.“ Die Stadt habe kürzlich in einem Brief an den Verband Region Stuttgart dazu Stellung genommen. „Der Zustand der jetzigen Streckenführung der L 1185 zwischen Waldenbuch und Schönaich ist in diesem Bereich nicht landesstraßentypisch und in äußerst marodem Zustand. Daher fordert die Stadt Waldenbuch nochmals dringend die Instandsetzung und Modernisierung dieses Teilstücks.“ Der Steinenbronner Bürgermeister Singer sagte, dass die Verwaltung das weitere Vorgehen besprechen werde.

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