Der Löwenkreisel in Steinenbronn ist der Dreh- und Angelpunkt des Durchfahrtsverkehrs. Foto: Archiv Vollmer

Der Verband Region Stuttgart plädiert für eine Umfahrung bei Schönaich. Die Meinungen vor Ort sind jedoch geteilt. Steinenbronn wäre darüber froh, während Waldenbuch und Schönaich kein Interesse an dem Projekt zeigen.

Schönbuch - Momentan wachsen im Osten von Schönaich zwischen der Kreisstraße 1057 und der Landesstraße 1185 noch Kiefern und Orchideen, und es wird Landwirtschaft betrieben. Möglicherweise könnten hier die Bagger anrollen und das baumgesäumte Gebiet mit einer neuen Straße der Länge nach teilen. Der Bau einer Verlängerung der K 1057 bis zur L 1185 wurde vor Kurzem in den Regionalverkehrsplan des Verbands Region Stuttgart aufgenommen.

Die Meinungen gehen auseinander

Bei den umliegenden Gemeinden gehen die Meinung dazu auseinander. Steinenbronn hätte die Straße gerne, doch die Nachbarorte Waldenbuch und Schönaich sind nicht interessiert. Ein baldiger Bau dieser Straße ist aber eh nicht zu erwarten.

1,4 Kilometer lang und zweispurig wäre die Straße, die laut Region Stuttgart 65 Prozent Entlastung für die Ortsdurchfahrten bringen könnte. Die Kosten für das Projekt werden momentan auf zwölf Millionen Euro geschätzt. Von der Umfahrung betroffen wäre nicht nur Schönaich, sondern auch die Nachbargemeinden Waldenbuch und Steinenbronn. Wer bisher beispielsweise von Waldenbuch Richtung Sindelfingen will, durchquert mit großer Wahrscheinlichkeit Steinenbronn und Schönaich. „Die neue Umfahrung würde die Ortskerne entlasten“, sagt Thomas Kiwitt, Planungsdirektor vom Verband Region Stuttgart.

Die neue Straße würde Steinenbronn entlasten

Dreh- und Angelpunkt des Durchfahrtsverkehrs in Steinenbronn ist der sogenannte Löwenkreisel, der im Zentrum der Gemeinde liegt. „In dem Gebiet befinden sich zwei Fußgängerüberwege, ein Schulweg und ein Pflegeheim“, sagt Wolfgang Bohn, der Hauptamtsleiter von Steinenbronn. Lärm, Abgase und die Gefährdung der Passanten seien die Probleme, so Bohn. Zum Schutz der Passanten sei hier bereits eine 30er-Zone eingerichtet worden. „Deshalb wäre die neue Straße absolut in unserem Sinne. Sie würde Steinenbronn entlasten.“

Die Straße würde sich fast komplett auf der Gemarkung von Schönaich befinden. Die Gemeinde steht der Notwendigkeit der Längsverbindung von Kreis- und Landstraße allerdings skeptisch gegenüber. „Bei uns ist das Verkehrsaufkommen nicht so gigantisch, dass wir Probleme haben. Deshalb haben wir kein starkes Interesse an der neuen Straße“, sagt Wolfram Sonntag, der Ortsbaumeister von Schönaich. Außerdem erfordere der Bau sehr große Aufwendungen, sagt er. „Die Straße würde ein flächendeckendes Naturdenkmal durchschneiden.“ Im Süden des betroffenen Gebietes befindet sich das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, kurz FFH-Gebiet, Glemswald. „Ob man hier überhaupt bauen darf, muss erst geprüft werden“, sagt auch der Projektplaner der Region, Thomas Kiwitt. Dennoch sei Schönaich grundsätzlich nicht gegen die Maßnahme. „Wir stellen uns nicht dagegen, werden das Projekt aber auch nicht aktiv vorantreiben“, sagt Bürgermeister Tobias Heizmann.

Waldenbuch will die neue Straße nicht

Die Stadt Waldenbuch sieht die Sache noch mal anders. Die Maßnahme wurde bereits ausführlich im Gemeinderat besprochen, wie Katharina Jacob mitteilt; sie leitet das Ordnungsamt in Waldenbuch. In der Besprechung stieß die angedachte Straße nicht auf Begeisterung. „Wir werden deshalb beantragen, die Maßnahme aus dem Regionalverkehrsplan herauszunehmen“, sagt Jacob. Die Stellungnahme dazu werde gerade vorbereitet. Waldenbuch sorge sich um ein höheres Verkehrsaufkommen, wenn die Umfahrung gebaut wird, so Jacob. Die Leute, die vorher über Steinenbronn fuhren, könnten künftig eine Fahrt durch Waldenbuch bevorzugen. „Mehr Verkehr heißt auch mehr Lärm und Abgase“, sagt sie.

Alle drei Ortschaften gehören zum Landkreis Böblingen. Ein baldiger Bau der Straße sei momentan nicht in Aussicht, so Dusan Minic, der Pressesprecher des Landratsamts Böblingen. „Uns sind keine Wünsche der Gemeinden bekannt, noch sehen wir im Moment Bedarf für eine Umgehungsstraße“, sagt Minic.

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