Der Blütenstaub weht durch die Luft – für viele Pollenallergiker eine lästige Zeit. Foto: picture alliance/dpa/Arno Burgi

Das milde Wetter bringt eine erhöhte Pollenbelastung mit sich. Vor allem die Erle macht Allergikern derzeit zu schaffen, während die Hauptblütezeit der Hasel im Südwesten schon wieder vorbei ist. Das hat auch mit der besonderen Wetterlage zu Jahresbeginn zu tun.

Stuttgart - Massenhaft Sonne und Temperaturen bis an die 20 Grad: In weiten Teilen Baden-Württembergs herrscht derzeit frühlingshaftes Wetter, das auch die Natur sprießen und blühen lässt. Für Pollenallergiker beginnen damit jedoch unangenehme Zeiten: Sie müssen sich auf eine erhöhte Belastung durch den freigesetzten Blütenstaub einstellen. „In den nächsten Tagen wird es richtig losgehen“, prognostiziert die Pollenexpertin Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung in Freiburg.

 

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Das trockene und warme Wetter biete geradezu ideale Voraussetzungen für eine starke Verbreitung der Pollen, die bei vielen Menschen allergische Reaktionen auslösen: Laut Deutschem Wetterdienst sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen, Tendenz steigend. Vor allem Hasel und Erle würden in den kommenden Tagen eine hohe Pollenbelastung verursachen, heißt es in einer Prognose des Deutschen Polleninformationsdienstes. Man rechne mit einem sprunghaften Anstieg „vom Kriechgang in den Turbo“.

Geringe Konzentration der Haselpollen im Südwesten

Im Südwesten allerdings dürfte sich die Konzentration an Haselpollen in Grenzen halten. Endler führt das auf die Grenzwetterlage in Deutschland Anfang Februar zurück: Sie brachte eine Kältewelle im Norden, zugleich aber verhältnismäßig milde Temperaturen im Süden. „In dieser Zeit hat die Hasel im Süden vielfach bereits geblüht.“ Die anschließende Frostluft habe vielen Haselkätzchen dann aber den Garaus gemacht. „Deshalb dürfte die Vollblüte der Gemeinen Hasel im Südwesten schon durch sein“, sagt Endler. Für die verbleibende Haselpollen-Saison erwartet sie einen abgeschwächten Verlauf, die Konzentration sei schon jetzt nur noch schwach bis mäßig.

Anders sieht es bei der Erle aus, die sich gerade mitten in der Blütezeit befindet. Die Dichte an Erlenpollen ist allgemein verhältnismäßig hoch, da sich der Blütenstaub von den hohen Bäumen aus großflächiger in der Luft verteilt als im Fall eines kleineren Haselbuschs. Erlen wachsen vorwiegend im feuchten Flachland entlang von Flussläufen, in höheren Lagen ist der Baumbestand und damit auch die Pollenkonzentration dagegen geringer.

Wann blühen welche Allergenträger?

Wie stark die allergische Reaktion auf Erlenpollen ausfällt, lässt sich laut Endler nicht allgemeingültig sagen: „Jeder Körper reagiert anders, das ist sehr individuell.“ Zu den gängigsten Symptomen zählen Fließschnupfen sowie gerötete oder tränende Augen. Generell bestehe aber ein Zusammenhang zwischen der Stärke der Symptome und der Pollenbelastung in der Luft. Das Maximum sei tagsüber zu erwarten, abends hingegen gehe der Wert meist etwas zurück.

Mit der Blüte der Erle ist die Pollensaison hierzulande noch lange nicht vorbei: Ab April treten Birke und Esche in ihre Hauptblütezeit, im Mai und Juni dann die Gräser. Generell habe sich die Blütezeit in den vergangenen Jahren deutlich nach vorne vorschoben, betont Endler: „Viele Allergenträger blühen inzwischen zwei bis drei Wochen früher als noch vor zehn Jahren.“ Das sei im Wesentlichen wohl auf den Klimawandel und die damit verbundenen höheren Temperaturen auch während der kalten Jahreszeit zurückzuführen.

Die Experten des Deutschen Polleninformationsdienstes rechnen damit, dass sich wegen des zunehmend milden Klimas manche Pflanzenarten in Deutschland verstärkt ausbreiten und damit auch die Bandbreite an Pollen steigt. Vor allem in den Tieflagen von West- und Süddeutschland könnten die höheren Temperaturen der Eibe zum Durchbruch verhelfen. Grund zur Sorge besteht für Allergiker deshalb allerdings nicht: Bislang sind Eibenpollen nicht als starke Allergieverursacher bekannt.

Tipps für Allergiker

Allerdings gibt es einige Tipps, die Allergiker beachten sollten: Zur Reduzierung der Pollenbelastung in der Nacht empfiehlt es sich, vor dem Schlafengehen zu duschen oder die Haare zu waschen. So kann verhindert werden, dass die Pollen auf dem Kopfkissen oder der Bettdecke landen. Die Kleidung sollte vor dem Schlafzimmer abgelegt werden, damit die tagsüber eingesammelten Pollen keine schlaflosen Nächte verursachen. Ihre Wäsche sollten Allergiker bei Sonnenschein besser nicht draußen zum Trocknen aufhängen, um mit der Kleidung keinen Blütenstaub in die eigenen vier Wände zu holen.

Der ideale Zeitpunkt zum Lüften ist laut der Pollenexpertin Christina Endler etwa eine halbe Stunde nach einem Regenguss – dann ist die Luft in der Regel am pollenärmsten. Wenn es mal für längere Zeit überhaupt nicht regnet, sollten die Fenster bei Windstille geöffnet werden: Dann werden weniger Pollen durch die Luft gewirbelt und ins Haus getragen. Zu einer geringere Konzentration können auch Pollenschutzgitter beitragen, die an den Fenstern befestigt werden: Sie verhindern, dass während des Lüftens Blütenstaub in die Wohnung eintritt.