Rehana Banu Fakir hat die Prüfung zur Altenpflegefachkraft erfolgreich gemeistert. Foto: Frank Eppler

Das Projekt „Stark im Beruf“ unterstützt nach Deutschland gekommene Frauen auf dem Weg durch eine Ausbildung und hilft bei der Suche nach einer passenden Arbeitsstelle.

Pflege - Rehana Banu Fakir ist stolz: Die 40-jährige Mutter hat die Prüfung zur Altenpflegefachkraft geschafft. Selbstverständlich – und einfach – war es für die Migrantin aus Bangladesch nicht. Geholfen hat ihr dabei das Projekt „Stark im Beruf“, das in der Region Stuttgart von Oya Poyraz von der Türkischen Gemeinde Baden-Württemberg betreut wird.

Erst Studium, dann Umzug in ein fremdes Land

Wer weiß, was Rehana Banu Fakir heute tun würde, wäre sie nicht auf dieses Bundesprojekt gestoßen. „Ich wollte eigentlich immer mehr machen, als nur die Kinder großziehen und ein wenig arbeiten“, erzählt die Frau. Pflege, gar Krankenpflege, das hatte sie schon in ihrem Heimatland interessiert. Doch vieles stand ihr im Weg. So studierte die Muslimin aus strengem Haus Geschichte und sollte Lehrerin werden – dann heiratete sie schließlich ihren Mann, der bereits seit 1980 wegen politischer Verfolgung in Deutschland lebte. 2002 zog sie in dieses ihr fremde Land, half ihrem Mann Abdur Rob Fakir, seinen kleinen Kiosk in Backnang zu betreiben.„Ich wusste nichts von Deutschland, ich wusste nicht einmal, dass es so etwas wie eine Ausbildung hier gibt“, erzählt die Frau mit der freundlichen Ausstrahlung. „Aber ich wollte schon immer etwas mit Menschen machen.“ Eine Kundin brachte sie darauf, doch mal in einem Altenheim zu arbeiten. Das Feuer in Rehana Banu Fakir war entfacht. Nur mit der Kultur tat sich die Frau schwer. Auch mit den Kolleginnen klappte es nicht immer so, wie sich das Fakir vorstellte.

Doch dann traf sie Oya Poyraz. Gemeinsam mit ihrem Mann besuchte Fakir vor vier Jahren die Jobmesse in Winnenden und landete am Stand der Türkischen Gemeinde. „Sie war von Anfang an sehr interessiert, sie ist eine kluge, studierte Frau“, erinnert sich Poyraz an die erste Begegnung. Poyraz nahm Fakir unter ihre Fittiche und ließ sie erst einmal einen Deutsch-Intensivkurs machen. Gleichzeitig suchte sie ihr eine Berufsschule und ein passendes Pflegeheim für die duale Ausbildung.

Drei Jahre lang drückte nun Rehana Banu Fakir die Schulbank der Ludwig-Schlaich-Akademie. „Das war sehr schwer“, erinnert sich Fakir. Und Poyraz nickt. Immer wieder rief die Projektleiterin bei der Schule an, vermittelte, erklärte, organisierte Nachhilfe. Sie beruhigte Fakir und bestärkte sie, dass sie die Prüfung schaffen werde. Poyraz sollte damit recht behalten. Rehana Banu Fakir ist seit diesem Herbst fertig mit der Schule. Da sie sich wegen ihrer beiden Kinder für eine Teilzeitausbildung entschieden hat, muss sie jetzt noch bis zum Frühjahr an ihrer Ausbildungsstelle im Alexanderstift in Unterweissach arbeiten. „Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht“, sagt Fakir.

Unterstützung für Mütter mit Migrationshintergrund

„Dieser Erfolg, den wir hier sehen, ist nicht selbstverständlich“, betont Poyraz. Als Migrantin weiß sie, wovon sie spricht, und kann sich in die Migrantinnen gut hineinversetzen, denen sie hilft. Denn alles ist anders im neuen Land: die Sprache, die Kultur, die Landschaft, die Menschen. Und es ist nicht einfach, eine eigene Familie zu haben und Kinder zu betreuen in einer fremden Umgebung. Deswegen unterstützt Oya Poyraz seit acht Jahren Mütter und Frauen mit Mi­grationshintergrund, die wieder in einen Beruf einsteigen oder einen guten Job finden wollen.

Das Projekt „Stark im Beruf“, das vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie von der EU und aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird, läuft nun seit drei Jahren. In dieser Zeit hat Oya Poyraz 120 Frauen aus 26 Ländern erreicht – davon kommen 18 aus dem Rems-Murr-Kreis. Manche haben eine Ausbildung gemacht oder haben eine sozialversicherungspflichtige Arbeit gefunden, andere hat Poyraz in Computer- oder in Deutschkurse vermittelt. Stolz ist Oya Poyraz auf sie alle: „Es gibt eigentlich viele Maßnahmen, aber viele Migrantinnen wissen davon gar nichts oder trauen sich nicht, sich an die entsprechenden Stellen zu wenden.“ Ihr Migrantenverein schlägt da eine Brücke als Vermittler.

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