Bisher nur ein leerer Quader: Was entsteht direkt neben dem Neubau der Bahnsteighalle, wenn einmal die oberirdischen Gleise nicht mehr benötigt werden. Foto: Stadt Stuttgart

Das an den künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof angrenzende Areal, auf dem jetzt noch Gleise liegen, ist der Stadt ein besonderes Anliegen. Nun ruft sie zum offenen Wettbewerb der Ideen auf. Ob und wann aus denen etwas wird, hängt davon ab, ob die Bahn jemals mit Stuttgart 21 fertig wird.

Die eher technokratische Bezeichnung steht im Kontrast zur Bedeutung und zu den Dimensionen: Knapp 120 Meter breit und 60 Meter tief ist das Grundstück in zentraler Innenstadtlage, auf dem ein Gebäudevolumen von bis zu 170 000 Kubikmeter möglich sein könnte. A 3 heißt das Areal in der Sprache der Planer und es liegt dort, wo heute Passagiere nach einem längeren Fußmarsch ihre Züge besteigen.

 

Besonderes Augenmerk

Seit 2001 gehört das Grundstück der Stadt wie auch die übrigen Bahnflächen in der Innenstadt, die – so das ursprüngliche Versprechen von S 21 – einmal für die Stadtentwicklung zur Verfügung stehen würden. Das Gebäude auf A 3, das nicht nur ein Gegengewicht zum gegenüberliegenden Bonatzbau bildet, soll eine „Visitenkarte“ werden, ein Auftakt, der Lust auf das dahinterliegende machen und die aus dem Tiefbahnhof kommenden Reisenden willkommen heißen soll.

Was dort entstehen kann, wie es aussieht, und welchen Umfang es einnimmt, steht allerdings noch nicht fest. Nun beschreitet die Stadt einen ungewöhnlichen Weg: Bei einem internationalen Ideenwettbewerb werden Vorschläge eingesammelt. Mitmachen kann jeder. Gut sechs Wochen lang, zwischen dem 15. Mai und dem 1. Juli, können Ideen online eingereicht werden. „Es gibt keine starren Vorgaben und keine Denkverbote“, sagt Fabian Schöttle, der im Rathaus für die Kommunikation rund um das Rosenstein-Projekt zuständig ist. Unter diesem Begriff fasst die Stadt die Nachnutzung der Gleisflächen zusammen.

Spielerisch zur Ideenfindung

Es geht vor allem um Vorschläge, welche Nutzungen in dem in seiner äußeren Form noch nicht festgelegten Gebäude Platz finden. „Was braucht Stuttgart an dieser zentralen Stelle?“, so Schöttle. In der Vorschlagsphase gibt die Stadt Hilfestellungen. Eine erste Veranstaltung ist am 15. Mai im Studio Amore im Gebäude des Hotels am Schlossgarten. Die Rosenstein-Macher appellieren auch an den Spieltrieb der Teilnehmer. In einer Box soll die Aufgabenstellung wie ein zu lösender Rätselfall aufbereitet werden. Zudem wirbt die Stadt auch in der Ferne. Die Kontakte in die Partnerstädte sollen ebenso genutzt werden wie große internationale Fachtagungen. So präsentiert sich die Stadt mit dem Vorhaben auf der Urban-Future-Conference Anfang Juni in Rotterdam.

Dickes Fragezeichen hinter dem Zeitplan

Am Ende beugt sich eine 30-köpfige Jury über die Vorschläge. Danach machen sich Büros daran, ein Nutzungskonzept zu entwickeln. Von Mitte 2025 an entsteht eine Machbarkeitsstudie, Angang 2026 könnte ein internationaler Realisierungswettbewerb beginnen, der klärt, wie die Hülle aussieht, die die zuvor entwickelten Nutzungsideen umgibt. Ein Baubeginn ist allerdings schwieriger zu prognostizieren, zumal sich immer mehr abzeichnet, dass die oberirdischen Gleise auch nach der Teilinbetriebnahme von Stuttgart 21 im Dezember 2025 weiter genutzt werden müssen.