Der Blick aus dem Rathaus auf den Stuttgarter Marktplatz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der wichtige Platz vor dem Stuttgarter Rathaus ist wieder in der Debatte. Wie der Marktplatz einmal war, welche Ideen in den vergangenen Jahren aufkamen und wie der Platz werden könnte, all das klafft weit auseinander.

Stuttgart - Diese Ideensuche geht offenbar nie zu Ende: Der Stuttgarter Marktplatzhat in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, immer wieder die Geister beschäftigt: die Stadtverwaltung, weil sie nach dem richtigen Pflaster für den verschönerungsbedürftigen Platz suche. Die Öffentlichkeit, weil sie sich auch Gedanken machte, wie man dort Passanten verweilen lassen könnte, wenn gerade keine Veranstaltung ist. Die Stadt ließ Planer gezielt nach Lösungen suchen. Andere Fachleute brachten einfach so Vorschläge bei, weil sie helfen wollten.

Zielrichtung Aufwertung: Im Jahr 2004 knipste der Architekt und Lichtdesigner Dietrich Brennenstuhl auf dem Marktplatz Lichter an, die wie Stehlampen auf der Terrasse eines Riesen wirkten. Lampenschirme in großmütterlicher Zylinder-Form, fast drei Meter hoch, aus Betonsockeln ragend. Als ob sie nicht sowieso wie Nachttischleuchten aussehen würden, baumelt auch noch ein eiserner Schnurzug darunter. Wer daran zieht, ändert das Licht der Lampen - interaktiv sozusagen. Von Weiß zu sanftem Grün, sattem Gelb oder sinnlichem Rot. Dahinter steckt die Stuttgarter Nimbus Design GmbH um Geschäftsführer und Architekt Dietrich Brennenstuhl. Die Aktion war aber temporär. Im April war es losgegangen. Bis 19. Oktober sollten die Riesennachttischlampen bleiben – dann erlaubte die Stadt die Verlängerung bis Ende November. Doch dann ging die Lichter wieder aus.

Viele Jahre ruhen die Umbaubemühungen

Der Gemeinderat stellte Geld für einen Ideenwettbewerb bereit. Aus Kapazitätsgründen sei man bisher einfach nicht zur Auslobung gekommen, hieß es dann aber im November 2004. Die Neugestaltung der Königstraße und andere größere Projekte hatten den Marktplatz offensichtlich ins Hintertreffen geraten lassen. Im Herbst 2005 versuchte die Stadtverwaltung den Wettbewerb in Gang zu bringen. Dessen Ergebnis wurde in dieser Form aber auch nicht umgesetzt. Die Entwürfe blieben in der Schublade.

Jahre später suchte die Stadtverwaltung dann mehr oder weniger auf eigene Faust nach dem richtigen Weg. Im Juli 2019 ließ sie sich von den Stadträten ein Konzept genehmigen. Die Umsetzung kostet voraussichtlich rund 11,6 Millionen Euro. Das Konzept für die Neugestaltung stammt vom den Stuttgarter Landschaftsgestaltern Gauder und Gehring und sieht unter anderem ein Wasserspiel mit Fontänen auf Höhe des Nespresso-Shops an der Nordseite des Marktplatzes vor. Außerdem soll der historische und denkmalgeschützte Marktplatzbrunnen auf der Ostseite des Platzes vor dem Kaufhaus Breuninger höher gesetzt werden.

Zielrichtung Sonnen- und Hitzeschutz: Diese Diskussion kam vor wenigen Wochen in Gang, weil unsere Zeitung berichtet hatte, dass die Stadtklimatologen im Rathaus einmal berechnet haben dass mit Bäumen an der heißesten Stelle die gefühlten Temperaturen an heißen Sommertagen um rund zehn Grad gesenkt werden könnten. Allerdings ist noch nicht ganz klar, ob der Untergrund Baumpflanzungen zulässt. Eine andere Möglichkeit sind schattenspendende Schirme. Die Firma SL Rasch in Oberaichen entwirft leichte Bauwerke wie Zelt- oder Schirmkonstruktionen und hat sich auch aufs Bauen in der arabischen Welt spezialisiert. Ein Ort war der Platz vor der Prophetenmoschee in Medina, heiliger Ort der Muslime. Dort spenden 250 riesige Schirme den Massen von Pilgern Schatten. In solchen Fällen kommt oft einschlägige Ornamentik zum Einsatz. Zelt- und Schirmgewebe kann aber auch neutral weiß gehalten sein – und unterschiedlich beleuchtet. Beispiel Fort Worth (Texas): Dort werden auf dem 2013 eröffneten Sundance-Platz vier Schirme eingesetzt. Tagsüber sind es weiße Schutzschirme, abends macht ein Farbenspiel sie zu Skulpturen.

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