Das Architekturbüro SL Rasch aus Oberaichen (Leinfelden-Echterdingen) arbeitet vorwiegend im arabischen Raum. Der Geschäftsführer Mustafa Rasch, ein schwäbelnder Moslem, spricht über die Arbeit in zwei Welten.
Oberaichen - Es hat wirklich etwas von 1001 Nacht. Rund um die Prophetenmoschee in Medina, in der die Grabstätte Mohammeds untergebracht ist und die damit eine der heiligsten Stätten im Islam ist, stehen 250 Schirme. Überdimensionale Konstruktionen, die bei Bedarf zigtausenden Pilgern in der Hitze Saudi-Arabiens Schatten spenden, die aber gleichzeitig auch wie ein märchenhaftes Blütenmeer wirken. Tatsächlich steckt hinter den gigantischen Objekten mit dem orientalischen Dekor echt schwäbische Ingenieurskunst. Entworfen hat den aparten Sonnenschutz das Büro SL Rasch mit Sitz in Oberaichen.
Spezialisiert hat sich die Firma auf zwei Bereiche: zum einen auf Leichtbauarchitektur, etwa Zeltkonstruktionen, zum anderen auf Projekte in der arabischen Welt. „Im Stuttgarter Raum ist das ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt der Geschäftsführer Mustafa Rasch.
Sein Vater hatte einen renommierten Lehrmeister
Der 38-jährige Firmenchef verkörpert perfekt, wofür das renommierte Büro steht: Multikulti und schwäbisches Tüftlertum. Den dunklen Teint hat er von seiner Mutter geerbt, einer Engländerin mit indischen Wurzeln, das Talent vom Vater, der sich 2014 aus der Firma zurückgezogen hat. Bodo Rasch war ein Schüler Frei Ottos, einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Auch die Religion hat der gläubige Moslem vom Vater. Der ist in den 1970ern während eines Aufenthalts in Saudi-Arabien zum Islam konvertiert und hat den Vornamen Mahmoud angenommen. Und das unverkennbare Schwäbeln, das kann Mustafa Rasch auf die Kindheit im Wispelwald oder die Schulzeit in Musberg schieben.
Im von Efeu umrankten Fachwerkgebäude stößt man in den weitläufigen Büroräumen immer wieder auf orientalische Ornamente, Gold und verschnörkelte Schriftzeichen. Prominent platziert ist ein Modell eines arabisch anmutenden Big Bens. Das Original, den 600 Meter hohen Royal Clock Tower, schmücken die größte Uhr der Welt und eine bewohnte goldene Mondsichel – eines der spektakulärsten Projekte des international besetzten Büros. Das erhält Aufträge aus der ganzen Welt, aus Pakistan, Malaysia oder Ägypten. Doch nicht nur im Ausland ist SL Rasch – SL steht für „Special and Lightweight Structures“ – tätig. Aktuell arbeitet das Team an der neuen Moschee in Feuerbach. Die Baugenehmigung erwartet Mustafa Rasch im September.
Plötzlich wurden Projekte auf Eis gelegt
Als schwäbischer Moslem ist er in beiden Welten zu Hause, und das ist wohl sein Erfolgsrezept. „Die Kultur ist anders. Persönliche Beziehungen sind sehr viel wichtiger“, sagt er über den arabischen Raum. Jedoch sei das politische Gefüge sehr sensibel. Nach dem Regierungswechsel 2015 in Saudi-Arabien etwa seien zig Projekte von SL Rasch von einem Tag auf den anderen auf Eis gelegt worden. „Langsam läuft es wieder an. Wenn es dort Veränderungen in der Struktur gibt, zieht das Wellen bis nach unten.“ Die Menschen hierzulande wiederum seien empfindsam, wenn es um Fremdes gehe. „Wichtig ist, dass man aufmacht und Transparenz verkörpert. Wenn ich etwas kenne, verliere ich die Angst“, sagt er in Bezug auf das Vorgehen in Feuerbach. Nach anfänglichen Protesten hat sich dort die Lage mittlerweile beruhigt, betont er. Kommunikation sei das A und O. „Schwaben sind keine Muslime. Für die ist das erst mal unbekannt.“ Mustafa Rasch versteht sich auch als Vermittler, denn die drei Weltreligionen hätten ja denselben Ursprung.
Gegenwind ist Mustafa Rasch, Sohn eines Mannes, der sich im heimischen Garten in Oberaichen eine Moschee in den Garten bauen ließ – „das hat er mit Fleiß so gemacht, dass man den Hilal, den Mond sieht“ – gewöhnt. Auch beruflich steht für ihn die Herausforderung im Mittelpunkt, wie er sagt. „Für uns wird es spannend, wenn es Probleme zu lösen gilt.“ Ein klassisches Reihenhaus, das könne er indes nicht bauen. „Damit haben wir keine Erfahrung, das ist nicht unseres.“