Auf diesem eher unscheinbaren Grundstück auf dem Pragsattel könnte schon bald ein Hochhaus von Porsche gebaut werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nach Frankfurt am Main und Miami in den USA soll Stuttgart der dritte Standort eines Porsche Hochhauses werden. Der Turm könnte nicht das letzte Hochhaus auf dem Pragsattel bleiben.

Stuttgart - Bis zu 85 Meter soll das neue Hochhaus in den Himmel ragen. Die Pläne dafür stammen vom Sportwagenbauer Porsche. Das geht aus exklusiven Recherchen unserer Zeitung hervor. Der neue Turm soll auf einem firmeneigenen Grundstück direkt auf dem Pragsattel entstehen – an der Ecke Heilbronner Straße und Siemensstraße.

Frank Scholtys, der Leiter der Unternehmenskommunikation bei Porsche, erklärt auf Anfrage: „Porsche beabsichtigt, das Grundstück am Pragsattel selbst zu nutzen, und prüft aktuell verschiedene Optionen zur baulichen Entwicklung des Standorts.“ Und weiter: „Bisher ist dazu noch keine finale Entscheidung getroffen.“ Im Zentrum der Überlegungen stehe unter anderem eine Weiterentwicklung des Vertriebs in Stuttgart. „In diesem Zusammenhang denken wir auch über eine erweiterte Nutzung des Areals mit beispielsweise einem Hotel nach“, so Scholtys weiter. Eine Nutzung als klassisches Wohnhochhaus erscheint demnach eher unwahrscheinlich.

Doch obwohl das Bauprojekt den Firmennamen tragen wird – im Rathaus ist intern vom Porsche Design Tower Stuttgart die Rede –, wird der Sportwagenbauer das Gebäude nicht selbst erstellen. Als Bauherrn hat Porsche aber mutmaßlich eine Firma gewinnen können, die mit derartigen Projekten in der direkten Nachbarschaft des Bauplatzes bereits Erfahrungen gesammelt hat. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich dabei um die Bülow AG, die bereits das Hochhaus der W&W-Gruppe auf dem Pragsattel erstellt hat. Das Bauunternehmen will sich auf Anfrage allerdings noch nicht zu dem neuen Bauvorhaben äußern.

Das Grundstück, auf dem der neue Turm entstehen soll, ist seit einiger Zeit Eigentum des Sportwagenbauers. Die Entwicklung der Automeile erlaubt es Porsche nun, das Areal selbst zu entwickeln. Viele Jahre war das Grundstück, welches direkt auf dem Pragsattel gegenüber von Theaterhaus und Mercedes-Bank liegt, an Audi vermietet. Das Unternehmen hatte dort seine ­Gebrauchtwagen verkauft. Doch Audi hat – ähnlich wie Mercedes oder VW – an der Stuttgarter Automeile massiv investiert und neue Autohäuser gebaut. Audis Gebrauchtwagen ­werden nun in einem Neubau auf ­Höhe der Kfz-Zulassungsstelle verkauft.

Stadt will architektonischen Wettbewerb für das Hochhaus

Porsche hat seine Pläne für den Pragsattel im Stuttgarter Rathaus offenbar bereits hinter verschlossenen Türen präsentiert. „Uns ist bekannt, dass Porsche auf seinem Grundstück ein neues Hochhaus bauen möchte“, erklärt der Pressesprecher der Landeshauptstadt, Sven Matis. Der Verwaltung liege derzeit aber noch kein konkreter Bauantrag vor. Weiter erklärt Matis: „Die Stadt möchte eine gute Entwicklung am Eingang zum Talkessel.“ Daher habe man einen architektonischen Wettbewerb für das markante Bauvorhaben angeregt.

Für Porsche wäre das Hochhaus in Stuttgart nicht der erste Ausflug in die Welt der Immobilien. Ende vergangenen Jahres wurde der Bauantrag für ein Hochhaus mit Namen Porsche Design Tower Frankfurt bei der Verwaltung in Frankfurt am Main eingereicht. „Nach der erfolgreichen Eröffnung des Porsche Design Tower Miami legen wir mit der Einreichung dieses Bauantrags den Grundstein für unser ­erstes Tower-Projekt im ­Heimatmarkt Deutschland“, sagte Jan Becker, der Chef der Porsche ­Design Group, damals. Das Hochhaus in Frankfurt soll rund 80 Meter hoch werden. Geplant sind dort mehr als 200 Wohneinheiten und eine Gesamtwohnfläche von rund 16 000 Quadratmetern. Auch der Bauherr dieses Projekts ist in Stuttgart keine unbekannte Größe. Es handelt sich um die P+B-Unternehmensgruppe, welche zu Jahresbeginn die ehemalige Bahndirektion gegenüber dem Hauptbahnhof erworben hat.

Das nun geplante Hochhaus auf der Prag wäre eines der höchsten Gebäude in Stuttgart – nur Bauwerke wie der Fernsehturm überragen die möglichen 85 Meter deutlich. Der Pragsattel ist zudem einer der wenigen Standorte in der Landeshauptstadt, an dem Hochhäuser entstehen können. Derzeit sieht das Baurecht dort die Möglichkeit von vier Türmen vor. Das Wohnhochhaus mit Namen Skyline, welches die Bülow AG inzwischen an die Wüstenrot-&-Württembergische-Gruppe verkauft hat, hat eine Höhe von rund 75 Metern. Die weiteren Hochhäuser auf den übrigen Baufeldern dürften 71,5 ­ beziehungsweise 61 Meter nicht überragen.

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