Das Bild der Königstraße wird sich in naher Zukunft deutlich verändern. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Drei prominente Gebäude an Stuttgarts großer Einkaufsmeile stehen unmittelbar vor dem Abriss oder der Kernsanierung – entsprechend aufwendige Baustellen werden die Folge sein.

Stuttgart - Die Innenstadt steht vor deutlichen Veränderungen. Wer gehofft hat, dass mit der Eröffnung von Primark im ehemaligen Karstadt-Gebäude die Zeit der großen Baustellen auf der Königstraße vorüber sei, hat sich geirrt. Nach Informationen unserer Zeitung steht bei mindestens drei prominenten Gebäuden an Stuttgarts großer Einkaufsstraße innerhalb von zwölf bis 18 Monaten ein Abriss oder zumindest eine grundlegende Sanierung an. Und selbst danach scheint die Innenstadt nicht zur Ruhe zu kommen. Denn die Zukunft zweier weiterer großer Blöcke wird derzeit von den Eigentümern diskutiert – mit offenem Ausgang.

Wie unsere Zeitung exklusiv berichtete, wird die umstrittene Modekette Primark am 5. Dezember an der Königstraße eröffnen. Die Umbauarbeiten des ehemaligen Karstadt-Gebäudes an der Ecke Schul- und Königstraße haben Jahre gedauert. Vertreter der Innenstadt und Händler hatten in dieser Zeit einen Rückgang der Kundenfrequenz und die Lärmbelastung beklagt. Doch auch wenn diese Baustelle zu Ende geht, wird auf der Königstraße weiter gebaut. Wie in ­Kreisen der Immobilienwirtschaft berichtet wird, stehen neue Baustellen bevor. So soll das Gebäude mit der Hausnummer 35 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Eine entsprechende Anfrage liegt der Verwaltung bereits vor. Die aktuellen Mieter sind unter anderem das Modeunternehmen Orsay, die Telekom sowie die Schlossparfümerie. Der Eigentümer Allianz erklärt auf Anfrage, man wolle sich „nicht zu Marktgerüchten äußern“.

Abriss oder Sanierung direkt am Schlossplatz

Zudem stehen zwei Immobilien, die mutmaßlich der Aachener Grundvermögen Kapitalanlage GmbH gehören, vor massiven Veränderungen. Dabei handelt es sich um die Hausnummern 38 – Mieter sind unter anderem der Werkzeughersteller Würth und die Restaurant-Kette Maredo – und 41, wo der Juwelier Wempe zu finden ist. Wie berichtet wird der Juwelier an die Kirchstraße ziehen. Auch hier äußert sich der Eigentümer nicht. Erfahrene Makler halten sowohl einen Abriss als auch eine grundlegende ­Sanierung der beiden Gebäude für möglich. Die Arbeiten an allen drei Objekten sollen im kommenden Jahr beginnen. Trotz ­Baustellen, Lärms und Drecks wird diese ­Entwicklung positiv aufgenommen. „Ja, ­darunter kann der Einzelhandel leiden. Ich gehe aber davon aus, dass dieses Investitionen eine Chance für die Innenstadt sind“, sagt Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. „Das Ergebnis wird der Königstraße am Ende guttun“, fügt sie hinzu. Stuttgarts Citymanagerin Bettina Fuchs äußert sich ähnlich: „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust.“ Es werde zu Beeinträchtigungen kommen, sagt sie. Auf der anderen Seite seien die Investitionen in Immobilien an der Königstraße als Bekenntnis zum Standort zu werten.

Stinag diskutiert die Zukunft des Hofbräu-Ecks

Wenn diese Bauvorhaben abgeschlossen sind, wird es in der Innenstadt kaum ruhiger werden – ganz im Gegenteil. Die Zukunft zweier weiterer markanter Gebäudekomplexe ist offen. Der Riegel Königstraße 1 ist Eigentum der Immobilienabteilung der BW-Bank. Dort laufen die Pläne zu Sanierung oder Abriss nach Informationen unserer Zeitung unter dem Arbeitstitel „Marstall-Projekt“. Die Marstallstraße biegt weiter Richtung Schlossplatz nach der Hausnummer 3 von der Königstraße in Richtung Oberer Schlossgarten ab. Auf Anfrage erklärt die Sprecherin des Eigentümers, dass bezüglich dieser Gebäude noch keine Entscheidung gefallen sei. Erste Gespräche mit der Stadtverwaltung über die Zukunft des Häuserblocks hat es gegeben. Schon vor Jahren wurden Pläne zum Bau eines Einkaufszentrums an selber Stelle, welches nochmals deutlich größer als das Milaneo werden sollte, von der Stadtverwaltung gestoppt. Erfahrene Makler schätzen, dass die Bauarbeiten am unteren Ende der Königstraße bereits in drei Jahren beginnen könnten.

Und auch am oberen Ende der Einkaufsmeile wird über den Abriss eines großen Gebäudes diskutiert. Das sogenannte Hofbräu-Eck, der Rundbau mit der Hausnummer 45 ist Eigentum der Stuttgart Invest AG, kurz Stinag. Nach Informationen aus Handelkreisen denkt der Eigentümer aktuell darüber nach, ob das Gebäude grundsaniert oder abgerissen werden soll. Eine Entscheidung wird womöglich noch in diesem Jahr, spätestens im Frühjahr 2018, getroffen. Für Experten steht jedenfalls fest: Es wird etwas mit dem Gebäude passieren. Auch hier will sich der Eigentümer auf Anfrage nicht zum Thema äußern.