Volle Gänge im Einkaufszentrum Milaneo, in den Außenbezirken sieht es anders aus. Foto: Lg/Verena Ecker

Der Handelsboom in der City geht zu Lasten der Bezirke – das kommt nicht überraschend, kommentiert StN-Titelautor Sven Hahn.

Stuttgart - Wo es Gewinner gibt, da findet man in aller Regel auch Verlierer. Doch ausgerechnet beim Einzelhandel in der Landeshauptstadt soll das anders sein? Fakt ist: In der Stuttgarter Innenstadt wurde in wenigen Jahren eine enorme Menge zusätzlicher Verkaufsfläche geschaffen – Makler und Immobilienexperten sprechen sogar von einer bundesweit einzigartigen Entwicklung. Und die Macher der neuen Einkaufspaläste in der Innenstadt berichten in aller Regel von guten Umsätzen und Besucherrekorden. Schenkt man ihnen Glauben, liegt die Vermutung nahe, dass diese Kaufkraft an anderer Stelle fehlen muss. Die aktuelle Untersuchung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg hat eines klar gezeigt: Es gibt Verlierer des Handelsbooms in der Stadt. Und zu diesen Verlierern gehören die Außenbezirke.

Bemerkenswert an der Untersuchung der Dualen Hochschule ist, dass sie im Auftrag der Stadt erarbeitet wurde. Denn die Genehmigungen für den Bau jedes einzelnen Einkaufszentrums und für jede einzelne Flächenerweiterung im Handel wurde ebenso – mit Zustimmung des Gemeinderats – von der Stadt erteilt. Es drängt sich also der Eindruck auf, dass man vonseiten der Verwaltung versucht, eine Situation zu retten, die man selbst mit verschuldet hat. Denn niemand hat Verwaltung und Lokalpolitik gezwungen, dem Ausbau der Verkaufsfläche in der Innenstadt um 20 Prozent in kürzester Zeit zuzustimmen. In Zeiten, in denen Online-Händler immer neue Rekordumsätze vermelden, stellt sich ohnehin die Frage, wie zukunftsträchtig immer weitere Einkaufszentren sind. Dass sie zudem noch dem Handel in den Bezirken das Wasser abgraben, schadet am Ende der Lebensqualität vor Ort.

sven.hahn@stuttgarter-nachrichten.de

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