Dem Sportdirektor Fabian Wohlgemuth wird beim VfB Stuttgart gute Arbeit bescheinigt. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Suche nach einem Sportvorstand beim VfB wird konkreter. Einiges spricht dabei für den Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Doch es gibt auch andere Kandidaten.

Das Anforderungsprofil steht schon eine Weile. Der künftige Sportvorstand des VfB Stuttgart soll das Bindeglied zwischen dem Profibereich und dem Nachwuchs bilden. Die Führungsfigur, die nicht nur die Bundesligafußballer im Blick hat, sondern ebenso die eigene Talentschmiede. Sie muss sich ebenso sicher auf dem großen Transfermarkt bewegen wie Ausbildungskonzepte für die Jugend beurteilen können. Zudem das Ganze organisieren, kontrollieren und letztlich verantworten.

 

Die Suche läuft. Auch deswegen, weil es den schwäbischen Fußballstolz verletzt, dass sich in den vergangenen Jahren kein Eigengewächs mehr in der Vorzeigemannschaft mit dem Brustring etabliert hat. Okay, es gab einige Versuche im Kader. Und es gibt immer noch Lilian Egloff. 21 Jahre alt, fußballerisch hochbegabt, von Verletzungen gebeutelt und um seinen Durchbruch kämpfend. Ansonsten verpflichtet der VfB mittlerweile viele Talente aus Europa.

Wie zu Sven Mislintats Zeiten

Das soll sich wieder ändern. Zumindest nach der Vorstellung von Rainer Adrion. Er ist nicht nur Vizepräsident, sondern sitzt im Aufsichtsrat der VfB AG. Unter der Federführung des früheren Trainers läuft die Fahndung nach dem Superstrategen, da dies zu den Aufgaben des Kontrollgremiums gehört. Er soll mit Joti Chatzialexiou über die Herausforderungen in Stuttgart geredet haben.

Der Sportliche Leiter der Nationalmannschaften beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) war beim VfB schon einmal als Sportvorstand im Gespräch. Damals hieß der Sportdirektor Sven Mislintat. Und eine beauftragte Beratungsagentur stufte Chatzialexiou als Topkandidaten für den Posten ein, obwohl er über keine Erfahrung im Ligabetrieb verfügt. Der 47-Jährige ist seit 2003 beim Verband tätig. Es entbrannte vor knapp zwei Jahren schließlich ein Machtkampf, und es blieb bei der bestehenden Konstellation – Vorstandsvorsitzender und Sportvorstand in Personalunion.

Erst war es Thomas Hitzlsperger. Seit fast eineinhalb Jahren ist es Alexander Wehrle. Er hat dem Aufsichtsrat zuletzt die Empfehlung ausgesprochen, die Doppelfunktion aufzulösen. Zu viel gibt es zu tun, und da sich Stuttgart als Autoregion versteht, wird an der Mercedesstraße gerne der Vergleich mit dieser Branche gezogen: Es brauche eine Art Produktionschef, der nicht nur den aktuellen Tabellenstand in der Bundesliga managt, sondern gleichrangig das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des VfB.

Dauerthemen rund um den Wasen. Mit ihnen beschäftigt sich seit fast zehn Monaten auch Fabian Wohlgemuth – und der Sportdirektor muss sich zurzeit vorkommen wie sein Vorgänger. Um ihn herum wird taktiert und paktiert im Clubhaus mit dem roten Dach. Wie Mislinat könnte es der 44-jährige Berliner als ein Zeichen des Misstrauens gegen sich verstehen, jemanden über ihn zu stellen, der den Personalapparat nur weiter aufbläht, jedoch kaum ergänzende Kompetenzen einbringt.

Prominente Namen sind im Spiel

Mislintat regte einst an, den kritischen Fußballversteher Matthias Sammer für die übergeordnete Position zu gewinnen. Auch über den Ex-Bundestrainer Joachim Löw und den DFB-Direktor Oliver Bierhoff wurde schon nachgedacht. Neben Prominenz würden sie Sachkenntnis mitbringen – und Wohlgemuth hätte sicher kein Problem mit einem von ihnen, da das operative Geschäft weiter bei ihm läge.

Doch diese Kategorie erscheint beim VfB unrealistisch. Nach Informationen unserer Redaktion zählt dagegen ein alter Bekannter zu den Kandidaten: Horst Heldt, der Meistermanager von 2007. Wie Chatzialexiou genießt Heldt bei den Fans jedoch nicht den höchsten Stellenwert. Was bei dem einen daran liegt, dass er für die Fehlentwicklungen bei den DFB-Teams mit verantwortlich zeichnet, und bei dem anderen daran, dass er aufgrund seiner Einkaufspolitik beim VfB skeptisch gesehen wird und auf seinen anderen Managerstationen (Schalke, Hannover, Köln) stets gehen musste.

Doch nicht nur die Anhänger fragen sich, warum die Stuttgarter mit einer externen Lösung liebäugeln, wenn die interne sich anbietet. Wohlgemuth wird von allen Seiten gute Arbeit und Teamfähigkeit bescheinigt. Er hat mit dem Chefcoach Sebastian Hoeneß ein System ins Laufen gebracht. Er verfügt über Erfahrungen als Geschäftsführer, da er diese Funktion beim SC Paderborn und Holstein Kiel ausfüllte. Zudem ist ihm der Jugendbereich nicht fremd, weil er in Wolfsburg lange als Nachwuchschef arbeitete.

Klar, wird Wohlgemuth befördert, benötigt der VfB einen neuen Sportdirektor. Das wäre die zweite Leerstelle auf dieser Ebene im Organigramm, da der NLZ-Leiter Thomas Krücken zu Manchester City geht. Auch hier wird ein Nachfolger gesucht – im Grunde eine weitere Aufgabe für den Sportvorstand.