Voll fokussiert auf den Wettkampf bei Olympia 2021 – Malaika Mihambo schafft das durch mentales Training, konkret durch Meditation, Atemtechnik und Visualisierung. Foto: dpa/Michael Kappeler

Malaika Mihambo hat sich in einem Weitsprung-Krimi in Tokio die olympische Goldmedaille gesichert. Sportpsychologe Sebastian Brücker verrät ihr Erfolgsgeheimnis.

Tokio - Was war das heute für ein Weitsprung-Nervenkrimi bei den Olympischen Spielen in Tokio: Die deutsche Leichtathletin Malaika Mihambo hat es mal wieder spannend gemacht, aber mit dem letzten Sprung doch noch die Goldmedaille gewonnen. Wie schafft es die Olympiasiegerin die Nerven in solchen Drucksituationen zu behalten? Im Interview verrät der Sportpsychologe Sebastian Brücker das Erfolgsgeheimnis. Er hat Athleten viele Jahre am Olympiastützpunkt in Saarbrücken mental auf Olympische Spiele vorbereitet.

 

Herr Brückner, Malaika Mihambo hat Gold im Weitsprung gewonnen – und das im letzten Sprung. Wie schafft sie es, in einer solchen Drucksituation die Nerven zu behalten?

Sie hat schon in der Vergangenheit erst hinten raus ihre stärksten Sprünge gezeigt. Dieses Wissen hat ihr sicher Zuversicht und Vertrauen gegeben. Sie wusste, dass ihr Körper sieben Meter springen kann.

Als sie 2019 Weltmeisterin wurde, zog sie sich im Wettkampf zurück, setzte sich in eine Ecke und meditierte. Was bringt das konkret?

Meditation hilft, im Hier und Jetzt zu sein, die Gedanken und den Körper zu fühlen. Man nimmt den Druck zwar wahr, aber bewertet die Gedanken nicht zu sehr. Bei mentalem Training erzeugen die Athleten innere Bilder, sie führen die Bewegungsabläufe nicht physisch, sondern mental vor Augen durch. Ich könnte mir vorstellen, dass Malaika Mihambo das heute auch gemacht hat.

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Die Weitspringerin hat gesagt, sie müsse nicht nach Tokio reisen und Gold gewinnen und könne sich trotzdem wohlfühlen. Ist das die richtige Herangehensweise?

Aus meiner Arbeit mit Athleten weiß ich, dass es langfristig nicht gesund und förderlich ist, wenn sich die Sportler nur auf ihre Athletenrolle reduzieren, beziehungsweise reduziert werden. Auch für den konkreten Wettkampf wie jetzt bei Mihambo ist das nicht hilfreich. Manche haben dann die Gedanken: ‚Wenn ich nicht gewinne, was bin ich dann noch? Ein Versager?’. Die Lösung ist, andere Identitäten und Qualitäten herauszufiltern. Natürlich ist der Sport ein wichtiger Faktor im Leben, aber die Athleten haben auch andere Talente, die sie beispielsweise für die Zeit nach der sportlichen Karriere nutzen können. Das müssen sie sich bewusst machen.

Welche Rolle hat die schon vor dem letzten Sprung gesicherte Bronzemedaille gespielt?

Damit hat Mihambo schon ihr Minimalziel erreicht – und sie konnte im letzten Sprung nochmal das Risiko erhöhen, um den Jackpot zu gewinnen. Das Positive daran: Wenn es nicht klappt, hat sie immer noch was in der Hand.