Noch fliegt das Granulat auf Kunstrasenplätzen. Foto: picture alliance / dpa

Die Regierungsfraktionen von Grünen und CDU in Stuttgart wollen die Landesförderung für Kunstrasenplätze, auf denen Granulat eingesetzt wird, beenden. Mikroplastik soll nicht in die Umwelt gelangen.

Stuttgart - Die grün-schwarze Koalition will die Förderung von gesundheits- und umweltgefährdendem Granulat auf Sportplätzen einstellen. Die Regierungsfraktionen von Grünen und CDU beschlossen im Umweltausschuss des Landtags am Donnerstag, dass es künftig keine Zuschüsse mehr vom Land für die winzigen Plastikteilchen auf Kunstrasenplätzen geben soll. Über den Regen gelangten die Teilchen in die Umwelt, sagte der grüne Umweltexperte Jürgen Walter. Später lande „das Plastik auf unseren Tischen, in unserem Trinkwasser und unseren Körpern“. Man müsse an die Gesundheit der Bevölkerung denken, „darum haben wir uns gemeinsam für ein Ende der Plastikförderung ausgesprochen“, so Walter.

Sportplätze sollen keine Mülldeponie sein

Sport lasse sich auch mit umweltschonenden Materialien und Böden verbinden, ergänzte der CDU-Umweltexperte Paul Nemeth. Alternativen könnten Quarzsand oder Kork sein. Walter sagte, dass das Granulat häufig aus alten Autoreifen hergestellt würde. „Mit dem Förderstopp beenden wir eine falsche Form von Recycling: Unsere Sportplätze sind keine Mülldeponie für Autoreifen.“ Das Land habe mit der Sportstättenbauförderung auch eine Verantwortung, so Nemeth. Staatliche Gelder sollten in umweltschonende Alternativen investiert werden.

Hintergrund ist der Plan der EU-Kommission, den Einsatz von Mikroplastik zu reduzieren. Hierzu hatte sie die Europäische Chemikalienagentur beauftragt, Lösungen zu entwickeln. Im März sprach sich die EU-Behörde dafür aus, auf winzige Plastikteilchen – und somit auch auf Kunstrasen-Granulat – weitgehend zu verzichten. Ein Verbot soll ab 2022 gelten.

Die Liberalen wollen Übergangsfristen

Wenn Kommunen ihre Kunstrasenplätze in der Regel für 15 Jahre errichteten, mache es auch aus wirtschaftlichen Gründen „keinen Sinn, weiter auf Granulat zu bauen“, sagte der Abgeordnete Walter. Sein Kollege Nemeth betonte: „Bestehende Plätze werden zwar nicht abgerissen oder zurückgebaut, neue Anlagen und Sanierungen werden bei der Förderung aber nur noch berücksichtigt, wenn auf Granulat verzichtet wird.“

Die Landesministerin für Kultur und Sport, Susanne Eisenmann (CDU), sagte, sie unterstütze die Pläne der EU, den Einsatz von Mikroplastik zu reduzieren. „Deshalb werde ich mich für umweltfreundliche Alternativen für unsere Sportplätze im Land einsetzen. Ich bin darüber auch schon im Gespräch mit dem Landessportverband, um gemeinsame Schritte zu beraten“, sagte Eisenmann.

Klaus Hoher von der FDP sprach sich für eine „realistische und machbare“ Umsetzung des nahenden Verbots von Granulat aus. „Es muss für Kunstrasenplätze Übergangsfristen geben, damit eine Umstellung auf ein mikroplastikfreies Granulat oder ein Umbau gestemmt werden kann.“ Geprüft werden müsse auch, ob die Nachrüstung der Plätze mit Filtern an den Drainagen gefördert werden könne.

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