Stuttgarter OSP-Chef Thomas Grimminger: Zermürbt vom ständigen Kampf um Geld und Stellen. Foto: Tom Bloch

Seit neun Jahren leitet Thomas Grimminger den Olympiastützpunkt Stuttgart – sportliche Heimat für 320 Hochleistungssportler. Wie unsere Zeitung exklusiv erfuhr, verlässt er das Zentrum überraschend. Mit heftiger Kritik an der Reform im deutschen Spitzensport.

Stuttgart - Fast ist es vergessen: 2009 übernahm Thomas Grimminger den Chefposten am Stuttgarter Olympiastützpunkt vom früheren Weltklasseturner Sylvio Kroll, der die Brocken schon nach eineinhalb Jahren entnervt hingeworfen hatte. Der ehemalige Spitzenschwimmer Grimminger modernisierte das Dienstleistungszentrum für Spitzensportler und baute es weiter aus. Jetzt bestätigte der 51-Jährige unserer Zeitung, dass er die Spitzensportschmiede zum Jahresende verlässt. In Stuttgart werden 320 Sportler aus 15 Spoortarten, überwiegend Radsportler, Turner, Leichtathleten, Volleyballer, Judokämpfer und Schützen unterstützt. Grimminger wechselt in die freie Wirtschaft zum einem Sportgerätehersteller. Mit Wehmut im Herzen, aber auch mit Groll auf diejenigen, die den Topsport in Deutschland verantworten. „Die Ziele der Leistungssportreform sind nicht klar definiert“, kritisiert Thomas Grimminger und nimmt kein Blatt vor den Mund: „Es gibt andere Unternehmen, die mehr Wert auf meine Arbeit legen.“

Keine Stellen, zu wenig Geld

Was das Fass zum Überlaufen brachte: Das Bundesinnenministerium (BMI) als Geldgeber hatte zuletzt die Finanzierung zwei weiterer Stellen für sportwissenschaftliche Mitarbeiter abgelehnt. Kommentarlos. Obwohl der Deutschen Olympische Sportbund (DOSB) die Notwendigkeit der Posten bestätigt hatte. „Wenn man die Verantwortlichen darauf anspricht,“ ärgert sich der OSP-Chef, „zucken sie nur mit den Schultern.“ Dann flatterte ihm der Zuwendungsbescheid des BMI für Beschaffungen am Olympiastützpunkt in Haus – genehmigt wurden ihm 3333 Euro für 2018. Geld für kaputte Glühbirnen, kaputte Computerbildschirme, defekte Bürostühle und dergleichen. „Das reicht gerade mal bis April“, sagt Grimminger.

Jetzt zog er die Konsequenzen und nahm das Angebot als Key-Account-Manager eines Sportgerätherstellers an. „Ich war mir nicht mehr sicher, wie lange die Aufgabe am OSP mich noch trägt.“ Mit anderen Worten: Er fürchtet um die künftige Bedeutung des OSP Stuttgart. Bis Anfang Dezember sitzt er noch in seinem Büro hinter der Mercedes-Benz-Arena. Dann ist Schluss. „Ich habe es satt, ständig hin- und hergeschoben zu werden“, sagt Grimminger.

Gehalt zwischen 3500 und 5000 Euro brutto

Für den Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) als Dienstherrn kam die Kündigung offenbar überraschend. „Ein OSP-Leiter verdient zwischen 3500 und 5000 Euro brutto, er muss über sportfachliche Kompetenzen, Organisationstalent und Managerqualitäten verfügen. Wir werden uns in Ruhe um die Nachfolge kümmern“, sagt LSV-Präsidentin Elvira Menzer-Haasis, „aber die Aufgabe ist anspruchsvoll. Ich glaube nicht, dass wir die Stelle schon zum 1. Januar 2019 neu besetzen können.“

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