Ex-Fußballer Timo Hildebrand, Rapper Max Herre und Vereinsgründer Serkan Eren (von links) bei der Spendengala „Stuttgart helps“ im Cannstatter Kursaal. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Weit nach Mitternacht hat Max Herre im Cannstatter Kursaal bei der Gala „Stuttgart helps“ seine Hymne „1ste Liebe“ gesungen. Seine Heimatstadt liebt er noch viel mehr, wenn sie beim Verbessern der Welt mit Spaß voranschreitet.

Stuttgart - Wie schön, dass er wieder da ist! Nach fünfstündiger Spendengala für Kinder in Not, nach einem prallen Programm mit Versteigerungen, Reden, Interviews, Filmbeiträgen und einem fünfgängigen Menü reißt der Star des Abends alle von den Stühlen.

Gut gelaunt zieht es die festlich gekleideten Gäste um 0.40 Uhr vor zur Bühne des Cannstatter Kursaals. Die Arme gehen nach oben, alles strahlt. Wie cool Max Herre, 45, einer der großen Söhne der Stadt, seine „1ste Liebe“ anhimmelt, macht klar, dass sein inniges Verhältnis zur Geburtsstadt irgendwie noch größer geworden ist. Liegt es an dieser Nacht der Mitmenschlichkeit, die ihn sehr begeistert? „Wie schön, dass du wieder da bist“, singt der Chor des Publikums im Refrain des Hits nach oben zu ihm.

Auch die Kellner und Gaderobenfrauen arbeiten ohne Honorar

Ob die Sänger Max Herre, Philipp Poisel, Volkan, der Comedian Passun Azhand, die Moderatoren Alexandra Gondorf und Chris Fleischhauer, der 81-jährige Auktionator Gert Nagel auf der Bühne, ob unten im Saal die Kellner, die Losverkäuferinnen, die Garderobenfrauen, der Ginstr-Spender Alexander „Sandy“ Franke, Eric Bergmann von Jigger & Spoon mit eigener Theke oder DJane Alegra Cole, die mit ihrer Musik wunderbar Party macht – alle, ja wirklich alle, die in dieser langen Nacht arbeiten und den etwa 280 Gästen eine Freude bereiten, tun es ohne einen Cent Gage. Sie feiern und ehren damit einen bescheiden wirkenden Mann – einen, der sich irgendwann gesagt hat, es reicht nicht, immer nur zu klagen, wie unfair die Welt ist. Einer, der beschlossen hat, anzupacken.

Serkan Eren gab seine Arbeit als Lehrer auf und kümmert sich jetzt um seine internationalen Hilfsprojekte. Mit der Balkanroute fing es an, jetzt heißt sein Verein Stelp, Stuttgart helps. Worum es ihm geht, beschreibt er so: „Kinder sollen nicht frieren und abends satt ins Bett gehen.“ Mit dem Gala-Erlös wird er ein Jahr lang helfen können. Unglaubliche 103 400  Euro kommen in einer Nacht zusammen, über die man in Stuttgart noch sehr lange begeistert reden wird.

Veganes Menü wird zum Statement

Als der Berliner Comedian Passun Azhand Witze über Flixbusse macht, schaut er sich das Publikum noch mal genauer an. „Ihr seht aus, als fahrt ihr nicht Flixbus, höchstens mit eurem eigenen zum Privat-Jet“, sagt er, „ihr seht aus, als gehört euch der Flixbus.“ Der Eintritt kostet stolze 250 Euro. Im Kursaal sitzen Menschen, denen es gut geht, sich aber noch besser fühlen, wenn sie einen Teil ihres Reichtums an Menschen abgeben, die nicht so viel Glück hatten, was aus ihren Talenten zu machen. Ja, dafür liebt Max Herre seine „1ste Liebe“ gleich noch viel mehr! Es gefällt ihm, wenn Spenden mit so viel Spaß verbunden ist.

Und doch fehlen etliche stadtbekannte Gesichter, die man bei VIP-Partys sonst sieht. „Heute hätten sie selbst zahlen müssen“, lästert einer der Gäste, „heute wird keiner eingeladen.“ Der frühere VfB-Star und Gala-Mitorganisator Timo Hildebrand erklärt, warum er alle mit einem rein veganen Fünf-Gänge-Menü überrascht. Das Essen des kreativen Münchner Kochs Sebastian Copien sei ein Statement. Die Botschaft: Veganes Essen kann super schmecken. Es geht auch ohne Fleisch, den Klimakiller und ohne Massentierhaltung.

Wolfgang Joop meldet sich am Telefon aus Ibiza

Unter den Gästen: Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Rennfahrer Bernd Mayländer, Ex-Fußballer Cacau, Miss Germany Anahita Rehbein, Mister Germany Dominik Bruntner, Kunststar Tim Bengel, Kunsthändler Frank Zimmermann, Michael Fritz von Vivaconaqua, Schönheitschirurg Christian Fitz, Oldtimer-Restaurator Klaus Kienle. Bei der Auktion hat John Heer von der Be-Ver GmbH einen Rennfahreranzug von Mayländer für 8000 Euro ersteigert. Einer fehlt: Designer Wolfgang Joop, der kommen wollte, um ein Bild zu versteigern, hat sich krank gemeldet. Telefonisch entschuldigt er sich aus Ibiza und wird auf die Bühne geschaltet.

Wie schön, dass Max Herre wieder da war! Sein Kurz-Konzert (er singt auch noch mit Philipp Poisel) krönt eine Gala, von der sich viele wünschen, dass sie wiederholt wird. Menschen braucht die Welt, denen es nicht egal ist, wenn sie vor die Hunde geht.

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