Das SPD-Urgestein Erhard Eppler ist im Alter von 92 Jahren gestorben. (Archivbild) Foto: dpa/Stefan Puchner

Einst galt Erhard Eppler in seiner Partei als Unruhestifter. Doch manches von dem, was der Vordenker sagte, bewahrheitete sich später. Nun ist das Urgestein der SPD gestorben.

Stuttgart - Der SPD-Politiker Erhard Eppler ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall, wie die SPD Baden-Württemberg am Samstag mitteilte. Eppler galt als Urgestein der Sozialdemokraten und Vordenker aus den großen Zeiten der SPD.

„Wir sind Erhard Eppler unendlich dankbar für das, was er uns alles gegeben hat. Er war eine herausragende Persönlichkeit der Sozialdemokratie, im Bund und in Baden-Württemberg, dessen Wertefundament und Prinzipientreue für uns wegweisend bleiben werden“, sagte der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende in Baden-Württemberg, Andreas Stoch.

Auch auf Twitter finden Parteigenossen bewegende Worte für Eppler. Für manche hat niemand die Einheit aus einem Protestanten und Sozialdemokraten so gut verkörpert wie er, außerdem sei Eppler „ein Vorkämpfer der ökologischen und Friedensbewegung“ gewesen:

Ein Juso-Mitglied schreibt, dass die SPD ihn und seinen konstruktiven Rat schmerzlich vermissen werde:

Auch die SPD Sachsen-Anhalt spricht auf ihrem Twitter-Account davon, dass Erhard Eppler der SPD sehr fehlen werde:

Außerdem drücken viele Anhänger der Friedensbewegung ihre Wertschätzung für den Politiker aus. So wie dieser:

Ein anderer Twitter-Nutzer, bei dem eine Nähe zur SPD nicht ersichtlich ist, bringt ein Gefühl, das viele beschleicht, so auf den Punkt: „Langsam aber sicher sitzen im Politikerhimmel mehr verantwortungsvolle Demokraten mit intaktem moralischen Kompass als im Bundestag.“

Auch Otfried July, der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, hat sich zum Tod von Erhard Eppler zu Wort gemeldet. „Erhard Eppler war seiner Zeit weit voraus und hat aus seinem christlichen Glauben heraus Verantwortung übernommen - auch dann, wenn es unpopulär und seiner Parteikarriere nicht förderlich war“, sagte er am Samstag. Sein protestantischer Gewissensernst hab ihn ausgezeichnet und dazu gebracht, als richtig Erkanntes umsetzen zu wollen. „Mich hat beeindruckt, wie er sich immer als aktives Glied unserer Landeskirche verstanden hat. Es war folgerichtig, dass ich ihm 2009 die Brenz-Medaille in Silber als höchste Anerkennung unserer Landeskirche verleihen konnte“, sagte July.

Der promovierte Gymnasiallehrer Eppler, 1926 in Ulm geboren, kam 1956 zur SPD und übernahm dort im Laufe der Jahrzehnte eine Vielzahl an Ämtern und Funktionen. Er war Mitglied im Bundesvorstand und Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, saß im Bundestag und später im Stuttgarter Landtag. Unter Kanzler Willy Brandt (SPD) wurde er 1968 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Knapp sechs Jahre später legte er den Posten im Streit mit Brandts Nachfolger Helmut Schmidt (SPD) nieder.

Eppler war Vorsitzender der SPD-Grundwertekommission und zweimal auch Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Zweimal trat er zudem erfolglos als Spitzenkandidat der SPD im Südwesten an.

Vordenker auch beim Umweltschutz

Schon früh vertrat Eppler Positionen im Bereich Umweltschutz und Ökologisierung oder in der Friedensbewegung, die heute eher von den Grünen eingenommen werden - und stand damit nicht selten im Widerspruch zur Parteilinie. „Er war immer auf der Höhe der Zeit, wie es Willy Brandt von uns Sozialdemokraten so eindringlich eingefordert hat“, betonte der SPD-Landeschef Andreas Stoch. „Dabei hat er es anderen nicht immer leicht gemacht. Sich selbst aber auch nicht.“

Im Sommer 1991 verabschiedete sich Eppler aus allen politischen Funktionen, aber nicht aus der öffentlichen Debatte. Zu seinem 90. Geburtstag 2016 sagte die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, Eppler habe oft wie eine „Kassandra“ gewirkt. Kassandra sieht in der griechischen Mythologie das Unheil voraus, aber sie wird nicht gehört. „An ihm kann man sehen, dass man der Sache nach Recht behalten kann, auch wenn man keine Mehrheiten bekommen hat“, sagte Schwan damals.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: