Von der baptistischen Martin Luther-Kirche ging es zur Neuapostolischen Gemeinde am Kelterplatz und dann weiter zur Islamischen Gemeinde. Schlusspunkt war die katholische Kirchengemeinde St. Antonius an der Markgröninger Straße. Foto: Susanne Müller-Baji

Ein „Spaziergang der Religionen“ führte in Stuttgart-Zuffenhausen zu den Glaubensgemeinschaften im Stadtbezirk.

Zuffenhausen - Fünf Stationen – über ganz Zuffenhausen verteilt – an einem Samstagnachmittag? Es war schon ein gewaltiges Programm, das sich die Organisatoren ausgedacht hatten: Von 13 Uhr an führte der Weg von der baptistischen Martin-Luther-King-Kirche an der Stammheimer Straße in die Neuapostolische Gemeinde am Kelterplatz und weiter in die Islamische Gemeinde und die katholische Kirchengemeinde St. Antonius an der Markgröninger Straße. Die etwas eigenwillige Route war der Tatsache geschuldet, dass St. Antonius wegen einer Trauung erst später zugänglich war. Der Ausklang fand um 17 Uhr nicht in der evangelischen Pauluskirche, sondern auf dem Emil-Schuler-Platz statt. Man habe den öffentlichen Ort gewählt, so Pfarrer Dieter Kümmel, um zu zeigen: „Wir gehören zur Stadt.“

Bei der Organisation habe sich überdies ausgezahlt, dass man bereits seit Jahren freundschaftlich mit der Islamischen Kirchengemeinde zusammenarbeite. Der Ablauf war nun an jeder Station derselbe: 15 Minuten hatten die Vertreter der Gemeinden Zeit, ihre Glaubensgemeinschaft vorzustellen; eine halbe Stunde durfte dann nachgefragt werden. Dass sich so viele Teilnehmer aufmachen würden, überraschte selbst die Organisatoren. Einige hatten sich mit extra bequemem Schuhwerk für den Nachmittag gewappnet und für alle Fälle auch Sonnenhut und Regenschirm mit im Gepäck.

Hohe Zahl an Teilnehmern

Ob sie die ganze Strecke mitgehen? „Vorgenommen habe ich es mir zumindest mal“, sagt eine Spaziergängerin und lacht. Große Erwartungen habe sie im Vorfeld nicht gehabt: „Ich halte da den Ball lieber flach.“ Sie sei nun, nach der ersten Station, angenehm überrascht, wie intensiv schon in der Martin-Luther-King-Kirche nachgefragt wurde. Und ein anderer Teilnehmer betont: „Es ist klasse, dass sich auch die Freikirchen beteiligen: Da werden bestimmt viele Vorurteile ausgeräumt.“

Das begrüßt auch Pfarrer Dieter Kümmel: Der Spaziergang lohne sich schon deshalb, weil so nun erstmals die Neuapostolische Gemeinde und die Islamische Gemeinde – zwischen denen es zuvor keine Anknüpfpunkte gab – miteinander ins Gespräch gekommen seien. Auch der Zuffenhäuser Alt-Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle und seine Frau Anna Wagner-Meyle zeigten sich angetan – und waren bis zum Schluss mit von der Partie, mit zahlreichen anderen Teilnehmern: „30 waren wir da bestimmt noch.“

Führung bei der Islamischen Gemeinde geplant

Das Ehepaar ist selbst in der Erwachsenenbildung aktiv, Anna Wagner-Meyle etwa für die örtliche Volkshochschule (Vhs): Sie verwies darauf, dass mit der Vhs am 5. Dezember ein erneuter Besuch mit Führung bei der Islamischen Gemeinde geplant sei; die Details erscheinen dieser Tage mit dem Programm für das zweite Halbjahr. Wolfgang Meyle ist auch katholischer Delegierter in der Zuffenhäuser Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK). Ihn freut, dass mit der Vorbereitung zum Spaziergang auch die Kommunikation der Kirchengemeinden untereinander stärker in Gang gekommen ist.

Anna Wagner-Meyle hat beim Rundgang überdies beeindruckt, wie viel Engagement die Mitglieder der Freikirchen zeigen – sei es finanzieller Art, weil ja die Kirchensteuereinnahmen fehlen, sei es der persönliche Einsatz bei der Gemeindearbeit. „Ich komme aus einem katholischen Elternhaus und habe mich immer als kirchennah gesehen. Im Vergleich dazu habe ich leider gemerkt, wie weit ich davon entfernt bin.“ Und das ist auch eine spannende Erkenntnis dieses Rundgangs: Dass man sich in der Reflexion des Fremden auch selbst besser kennenlernt.

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