Gemeinsam wollen sie ein Zeichen des Friedens setzen: der evangelische Pfarrer Dieter Kümmel (links) und Reinhold Hepp von der Neuapostolischen Gemeinde. Foto: Marta Popowska

Erstmals laden fünf Zuffenhäuser Kirchen- und Glaubensgemeinden zu einem Spaziergang der Religionen durch den Stadtbezirk ein. Sie wollen sich Fragen stellen und gemeinsam ein Zeichen für den Frieden setzen.

Zuffenhausen - Pfarrer Dieter Kümmel macht keinen Hehl aus der Vergangenheit: „Früher war die neuapostolische Gemeinde eine Sekte für uns.“ Doch das habe sich geändert. Dass dies nicht nur Worte sind und auch andere Kirchen- und Glaubensgemeinschaften auf Annäherung und Gemeinsamkeiten statt auf Abgrenzung setzen möchten, zeigt der erste „Zuffenhäuser Spaziergang der Religionen“, der am Samstag, 15. Juli, stattfindet. Unter den fünf Stationen sind die baptistische Martin-Luther-King-Kirche, die Neuapostolische Gemeinde, die Islamische Gemeinde, die katholische sowie die evangelische Kirchengemeinde.

„Die Begegnung ist das wirksamste Mittel, um Vorurteile abzubauen“, sagt der Vertreter der Neuapostolischen Gemeinde Zuffenhausen, Reinhold Hepp. Vor dem weltpolitischen Hintergrund sei es wichtig, auch im örtlichen Bereich ein Zeichen zu setzen – eben, weil es die Unterschiede in den Religionen gebe. „Wir können es uns heute nicht mehr leisten, keinen Kontakt zu wollen“, betont der evangelische Pfarrer Dieter Kümmel. Denn bei allen Unterschieden sei es doch der Glaube an den Gottesfrieden, der alle verbinde.

Der Versuch soll Schule machen

Der öffentliche Spaziergang beginnt um 13 Uhr an der baptistischen Martin-Luther-King-Kirche an der Stammheimer Straße 19. Danach führt er zur Neuapostolischen Gemeinde an die Hohenloher Straße, zur Islamischen Gemeinde an der Markgröninger Straße und weiter zur katholischen St. Antonius Kirche bevor Pfarrer Dieter Kümmel gegen 17 Uhr den Abschluss auf dem Emil-Schuler-Platz gestaltet. Geplant ist, dass sich die Gemeinden vorstellen und es ausreichend Zeit zum Fragenstellen gibt.

Von jeder Gemeinde wird ein Vertreter dabei sein. Neben Reinhold Hepp und Dieter Kümmel werden der Pastor Volker Schmidt von der Martin-Luther-King-Kirche, Mucip Geyik von der islamischen Gemeinde und Joy Alemazung von der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius den Spaziergang begleiten.

Der Impuls zu einem ersten Treffen sei laut Kümmel von der evangelischen und der islamischen Kirchengemeinde ausgegangen. Die zwei Gemeinden haben bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen miteinander gemacht und so kam man auf die Idee, alle Glaubensgemeinschaften in Zuffenhausen anzuschreiben. Zu einem runden Tisch hatten sich im Februar 2016 schließlich die fünf zusammengefunden.

„Ich bin froh, dass wir in der Zeit der Öffnung sind. Man muss sein Profil dadurch nicht verlieren“, betont Hepp. Ihr Versuch, so hoffen Hepp und Kümmel, soll Schule machen. Und vielleicht wird es auch einmal mehr als nur ein Spaziergang sein. So könnte man sich sogar ein gemeinsames Straßenfest vorstellen.

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