Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder und Opernintendant Viktor Schoner beim Sommerempfang der IHK für die Kultur. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Kultur öffnet Horizonte und ist oft zum Träumen schön. Kultur ist aber auch wichtig für die Wirtschaft. „Kultur ist ein Standortfaktor“, betont Hausherr Johannes Schmalzl beim IHK-Sommerempfang. Aus der Krise helfe nur „impfen, impfen, impfen“.

 
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Stuttgart - Endlich zurück auf der Bühne! Frl. Wommy Wonder genoss beim Sommerempfang der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart den Blick runter aufs Publikum. „Alle tragen Maske“, bemerkte die Travestie-Lady, „das kenn’ ich sonst nur von Fetisch-Partys!“

Stuttgarts Kultur verfügt über eine enorme Bandbreite, wie sich am Donnerstagabend im IHK-Haus gezeigt hat. Von der hochgewachsenen Wommy bis zum Opernintendanten Viktor Schoner – unter den 50 Gästen, die vor Ort dabei sein durften (gleichzeitig hatten sich 240 IHK-Mitglieder für die virtuelle Live-Übertragung angemeldet), war die bunte Vielfalt der Stadt vertreten. Eine Vielfalt, die sich einig ist: Die Kultur, die lange pausieren musste, sollte umso stärker zurückkehren – und dafür komme es auf die Hilfe der Politik an.

Am Sonntag wird die IHK erneut zum Impfzentrum

Der Empfang war ein klares Bekenntnis der Stuttgarter Wirtschaft für die Kultur. „Ohne Kultur, die überzeugt, fällt es schwer, wichtige Stellen zu besetzen“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl. Kultur sei ein wichtiger Standortfaktor. Kultur ist für ihn nicht nur „menschenrelevant“, wie Opernintendant Schoner erklärte, sondern auch „systemrelevant“. Der Weg aus der Krise führe nur übers Impfen, sagte Schmalzl. Am Sonntag wird die IHK zum Impfzentrum für Kulturschaffende. Noch gibt es freie Impfplätze. Jetzt komme es darauf an, möglichst viele Menschen anzusprechen und davon zu überzeugen, dass nur ein Pieks für alle die Freiheiten zurückbringt. Das Impftempo dürfe nicht zurückgehen.

OB Nopper verweist auf städtische Hilfe für die Clubs

„Die vierte Welle wird im Herbst garantiert kommen“, sagte Filmproduzent Maximilian Höhnle (Ovidfilm) beim Kulturtalk, „diesmal sollte sich die Politik rechtzeitig darauf vorbereiten.“ Frl. Wommy Wonder rief dazu auf, „nach vorne zu blicken“. Die Travestiekünstlerin geht davon aus, dass auch in den nächsten Monaten kein wirtschaftliches Arbeiten als Solo-Selbstständige möglich sei. Die Theatersäle dürften ja nur zu 60 Prozent belegt werden. „Viele verstehen nicht, dass man im Theater Maske tragen muss, auch wenn man geimpft, genesen oder getesten ist“, sagt das Fräulein, „deshalb kommen Teile des Publikum noch nicht zurück ins Theater.“ Ohne finanzielle Förderung des Staates gehe es also nicht.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und Kultur-Staatssekretärin Petra Olschowski (Grüne)– ebenfalls Gäste beim Talk auf der Bühne – sagten finanzielle Hilfen zu, etwa in Form des Programms „Kultur nach Corona“. Damit betonten auch die beiden Politikerinnen den Zusammenhalt und das gemeinsame Engagement von Wirtschaft und Kultur.

OB Frank Nopper (CDU) verwies darauf, dass die Stadt besonders die Clubs unterstützt. Das Blechbläserensemble des Staatsorchesters und Sängerinnen und Sänger der Staatsoper um Sebastian Schäfer als Gott Bacchus begeisterte das maskentragende Publikum. Bacchus war völlig aus dem Häuschen: „Ich habe solange abstinent gelebt, dass ich die Schönheit nun kaum ertrage.“