Der schwäbische Digitalisierungsspezialist Teamviewer legt auch im zweiten Quartal bei Umsatz und Gewinn kräftig zu. Durch die Übernahme des Bremer Software-Unternehmens Ubimax will Teamviewer mehr große Kunden gewinnen.
Stuttgart - Obwohl die Konjunkturaussichten rund um den Globus eher düster sind, legt das schwäbische Softwareunternehmen Teamviewer weiter kräftig zu. „Wir sind gut positioniert, um von den Megatrends wie der Flexibilisierung der Arbeit und der weltweiten Digitalisierung zu profitieren“, sagte Vorstandschef Oliver Steil bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal. Das Göppinger Unternehmen bietet Software für die Fernwartung von Computern, zur Fernsteuerung von Maschinen und für Online-Konferenzen an. Die Ausbreitung der Corona-Pandemie hatte im ersten Quartal dieses Jahres bei Teamviewer einen Boom ausgelöst, weil schlagartig viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schickten und die meisten Geschäftsreisen gestrichen wurden.
Corona-Boom schwächt sich ab
Durch die Lockerung der Corona-Beschränkungen habe sich dieser Boom in den vergangenen Monaten allmählich abgeschwächt, sagte Steil. Die Nachfrage sei auf ein eher übliches Niveau zurückgegangen. Dennoch sei auch das zweite Quartal sehr erfolgreich gewesen. „Teamviewer wächst weiterhin stark bei gleichzeitig hoher Profitabilität“, sagte Steil. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 21 Prozent auf 114,7 Millionen Euro. Der fakturierte Umsatz (Billings) legte um 45 Prozent auf rund 106 Millionen Euro zu. Der fakturierte Umsatz umfasst die Nutzungsgebühren, die den Kunden in Rechnung gestellt werden.
Teamviewer bietet die Software als Abonnement an. Für Privatleute ist die Software kostenlos, Unternehmen müssen zahlen. In der ersten Hälfte des Jahres ist die Abonnentenzahl laut Zwischenbericht auf über 534 000 kräftig gestiegen. Insgesamt ist die Software seit der Gründung des Unternehmens 2005 den Angaben zufolge weltweit mehr als 2,3 Milliarden mal auf Geräten installiert worden.
Der Gewinn ist im zweiten Quartal stark gestiegen
Einen deutlichen Schub gab es im zweiten Quartal auch beim Gewinn. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf 57,3 Millionen Euro zu. Unter dem Strich wuchs der Gewinn um 58 Prozent auf 30,3 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll der Umsatz auf mindestens 450 Millionen Euro bei weiter hoher Profitabilität steigen. Die im Juli angekündigte Übernahme des Bremer Softwareherstellers Ubimax für 136,5 Millionen Euro ist darin noch nicht berücksichtigt. Ubimax ist der erste große Zukauf des Göppinger Unternehmens, das im vergangenen September an die Börse gegangen ist und rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt. Die Aktie wurde in den Index der mittelgroßen Unternehmen M-Dax aufgenommen. Nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts ging der Kurs zunächst um rund drei Prozent zurück. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen. Vorstandschef Steil knüpft große Erwartungen an die Übernahme von Ubimax, die im Laufe des dritten Quartals abgeschlossen werden soll. Ubimax hat rund 100 Mitarbeiter und bietet IT-Lösungen für sogenannte Wearables und Augmented Reality im Fertigungs-, Logistik- und Servicebereich an. Arbeiter am Montageband erhalten damit beispielsweise über eine Datenbrille oder ein Gerät am Handgelenk eine Anleitung, welche Fertigungsschritt sie mit welchen Teilen erledigen sollen, Servicearbeiter können papierlos Wartungsarbeiten ausführen.
Bei einer Cyber-Attacke sind 2016 Daten abgeflossen
Mit der Übernahme von Ubimax will Teamviewer das eigene Angebot bei der digitalen Vernetzung erweitern und auch neue Großkunden gewinnen. Vorstandschef Steil wies darauf, dass bekannte Unternehmen wie BMW, Siemens, Coca Cola und DHL zu den Kunden von Ubimax gehören. Nach diesem ersten großen Zukauf denkt Teamviewer an weitere Übernahmen. „Wir halten sehr aktiv Ausschau, welche Unternehmen zu uns passen könnten“, sagte Vorstandschef Steil. Im Blick habe man dabei sowohl kleinere Unternehmen, deren technische Kompetenzen eine gute Ergänzung wären sowie größere Unternehmen, die spannend sein könnten. Eine rasche Entscheidung ist laut Steil jedoch nicht zu erwarten. Dies auch deshalb, weil die Corona-Pandemie für eine große Unsicherheit sorge. „Wir brauchen erst mehr Klarheit“, sagte der Vorstandschef.
Bei der Vorlage des Zwischenberichts wurde zudem mitgeteilt, dass es bei einer Cyber-Attacke vor vier Jahren doch zu einem Schaden gekommen sein könnte. Das Unternehmen hatte zunächst mitgeteilt, dass der Angriff abgewehrt worden sei. Nun habe eine Behörde die Anwälte des Unternehmens darüber informiert, dass es Beweise für Datenverluste gebe, heißt es im Zwischenbericht. Details kenne man noch nicht, sagte Finanzvorstand Stefan Gaiser. Er betonte, dass Teamviewer nach der Cyber-Attacke viel Geld für einen besseren Schutz der Daten investiert habe.