Der politisch unliebsame ungarische Regisseur László Bagossy hat ein Stück über sich und Edward Snowden geschrieben, indem sich der Whistleblower lautstark beschwert.
Stuttgart - Jetzt reicht es ihm endgültig. So dumm, schimpft Edward Snowden, seien er und seine Freundin nun wirklich nicht. Aber, aber, es ist doch alles nur ein Traum – oder besser ein Theaterstück, in dem Snowden dem Publikum erklären darf, dass er früher für die Regierung gearbeitet habe und jetzt „für das Gemeinwohl“ im Einsatz sei.
Wahrheit? Oder ist es doch nur eine Erfindung von László Bagossy, der für die Stuttgarter Tri-Bühne ein Stück geschrieben hat, das so irrwitzig wie eine Farce und doch bitterernst ist? „Snowden 3.3“ ist ein galliger Aufschrei, dass der Kampf gegen die „massenhafte Datenerfassung ganzer Regierungen“ längst verloren sei. Schlimmer noch: Wir alle seien es, die „Milliarden Daten für die zukünftigen Herren der Welt“ produzierten – mit dem Smartphone in der Hand.
Ein furioser Wechsel zwischen den Figuren
Dabei hat sich auch László Bagossy zunächst begeistert für die Digitalisierung und vertraute blind dem Navi, als er vor 15 Jahren zum ersten Mal nach Stuttgart fuhr. Inzwischen ist viel passiert, im vergangenen Jahr hat Bagossy aus Protest gegen den ungarischen Premier Viktor Orbán die Leitung der Theaterabteilung der bedeutendsten Film- und Theaterhochschule seines Landes abgegeben – und zieht in „Snowden 3.3“ Parallelen zwischen sich und Snowden. Hierzu spielen Silvia Passera und Manuel Krstanovic in einem köstlichen Wechsel der Rollen Snowden und dessen Freundin, den Regisseur und seine Frau – und zwischenrein gleich noch sich selbst.
Theater kann Wirklichkeit erfinden – oder Fake-News
Es ist ein ausgebufftes Spiel im Spiel, das Bagossy hier treibt, und auch lustig, wie das Theater immer wieder offenlegt, dass es kühn erfindet und Wirklichkeit erschaffen kann, oder besser: Fake-News. Selbst wenn man im Detail nicht alle Winkelzüge begreifen mag, ist Bagossy ein Theatermacher der alten Schule und beherrscht sein Handwerk trefflich, so dass der Wechsel zwischen den Figuren und Ebenen perfekt gelingt.
Vorstellungen am 23. und 26. November