Der Centermanager Edip Özerol hat in den Mercaden den Überblick. Foto: factum/Weise

Im Böblinger Einkaufszentrum soll Edip Özerol für frischen Wind sorgen. Der neue Centermanager verrät, welche Veränderungen er in den Mercaden plant, was er vom Branchenmix hält und wie er mit dem Thema Sicherheit im Center umgehen will.

Böblingen - Wenn es um die Mercaden geht, wollen die Böblinger mitreden – das hat der Mann, der in dem Shoppingscenter seit März das Sagen hat, innerhalb kürzester Zeit gelernt. Denn durch den zentralen Standort nahe der Autobahn und direkt neben dem Bahnhof konzentriert sich in Böblingen fast alles auf das Einkaufszentrum. Und Özerol hat vor, auf das zu hören, was die Kunden wollen. Als erste Amtshandlung will er eine Marktforschung starten, um herauszufinden, was das ist. „Anschließend können wir dann Veränderungen vornehmen“, sagt Özerol. Der 40-jährige Familienvater geht seine neue Aufgabe voller Tatendrang an. Auch wenn er selbst nicht gerne in Shoppingcentern einkauft, sondern lieber durch die Stuttgarter Innenstadt bummelt.

Seit 20 Jahren ist Özerol bereits im Einzelhandel tätig: Er hat in einem Schreibwarengeschäft gelernt und schließlich die Filialen in Schorndorf und Waiblingen geleitet. Als die Firma insolvent ging, wechselte er in die Modebranche. „Es ist schade, dass Fachgeschäfte nach und nach aussterben“, bedauert er den Wandel im Einzelhandel. Im Breuningerland Ludwigsburg leitete er die Filiale von Tommy Hilfiger, bis er nach acht Jahren zum Modelabel Scotch & Soda wechselte, dessen zwei Filialen in Stuttgart er weitere sechs Jahre lang leitete.

Unternehmer Herbert Krämer hatte die Mercaden gebaut

Dem Unternehmen fühlt er sich nach wie vor verbunden, wie seine Kaffeetasse mit dem Logo des Labels darauf verrät. „Es hat mir dort wirklich gut gefallen, aber dann kam das Angebot für das Centermanagement der Mercaden – und ich wusste, es ist der richtige Moment für etwas Neues“, sagt Özerol. Angeworben hat ihn die Immobiliengesellschaft Sonae Sierra, die das Management der Mercaden im Februar von dem Unternehmer Herbert Krämer übernommen hat.

Dieser hatte das Gelände des ehemaligen Busbahnhofs 2009 erworben, darauf die Mercaden gebaut und das Gebäude schließlich im Jahr 2015 an die Hanse Merkur Versicherung verkauft. Nun hat er auch das Management des Centers abgegeben. Die portugiesische Firma Sonae Sierra betreibt 44 Malls weltweit – eines der bekanntesten ist das Alexa in Berlin.

Einen Umbau plant der Centermanager nicht

„Themenbezogene Shoppingcenter sind typisch für Sonae Sierra. Zum Beispiel ist das Alexa ganz im Stil der 20er-Jahre gehalten“, schwärmt Özerol. Ob dem Centermanager eine solche Veränderung auch für die Mercaden vorschwebt? „In einem schon bestehenden Center ist das schwierig“, räumt er ein. Und dämpft sogleich die Erwartungen: „Ein Umbau ist nicht geplant.“

Doch beim Branchenmix sieht er noch Luft nach oben: „Wir sind schon im Gespräch mit möglichen neuen Mietern.“ Froh sei er jedoch über die Ankermieter Edeka, Media Markt, H&M, TK Maxx, Müller Markt und Decathlon – Läden, wie sie in vielen anderen Shoppingcentern zu finden sind, die jedoch zuverlässig für Kunden sorgen. Auch an dem großen Angebot von Fast-Food-Ständen will Özerol nichts ändern. „Dadurch ist das Center mittags immer gut gefüllt.“ Özerol zeigt sich mit dem Erfolg des Centers, das in den Anfangsjahren häufig mit Leerständen zu kämpfen hatte, zufrieden. Er spricht von acht Millionen Besuchern im vergangenen Jahr: „Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich.“

Sicherheitsvorkehrungen werden nicht verstärkt

Vor allem junge Besucher werden durch die Nähe zum Bahnhof und das kostenfreie W-Lan angelockt – was ein bisschen Fluch und Segen zugleich für die Mercaden ist. Denn über die sozialen Medien kommen Beschwerden von Kunden, die sich darüber beklagen, dass Jugendliche mitunter in großen Gruppen die Eingänge des Centers blockieren und auf den Boden spucken. Auch zeugen Polizeimeldungen davon, dass es immer mal wieder zu Rangeleien im Center oder Sachbeschädigungen im Parkhaus kommt. „Bei uns sorgen drei Mitarbeiter für Sicherheit“, sagt Özerol. Er sehe keine Notwendigkeit, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. „Ich will nicht hart gegen Jugendliche durchgreifen, sondern sie lieber einbeziehen. Sie sollen sich nicht ausgeschlossen fühlen“, erklärt er seinen Ansatz.

Um auch den jungen Kunden etwas neues bieten zu können, kann sich Özerol vorstellen, sogenannte Pop-Up-Stores – also temporäre Läden – in die Mercaden aufzunehmen. „Ich habe Lust, etwas zu verändern“, gibt er zu.

Einkaufszentren im Kreis Böblingen:

Stern-Center Sindelfingen : Das Stern-Center in Sindelfingen reiht sich mit 20 000 Quadratmetern unter die großen Einkaufstempel in der Region ein. Im vergangenen Jahr erteilte das Bundeskartellamt die Freigabe zum Verkauf des Centers. Inzwischen hat es einen Wechsel im Management gegeben. Die Immobilienmanagement-firma Prelios hat vom ursprünglichen Management Mec Metro-Ece übernommen. „Wir arbeiten an einem Konzept, können aber noch nichts dazu sagen“, sagt der neue Centermanager Thomas Sänger. Fest steht allerdings schon, dass mit der H&M-Filiale, die seit April geschlossen ist, ein wichtiger Ankermieter wegfällt. Die Filiale des schwedischen Modekonzerns gab es bereits seit der Eröffnung des Centers vor 20 Jahren. „Wir sind in Gesprächen mit einem möglichen neuen Mieter“, sagt Sänger.

Breuningerland Sindelfingen : Das Breuningerland in Sindelfingen und in Ludwigsburg gehört dem namensgebenden Unternehmen und wird von der Ece Projektmanagement-Gesellschaft geführt. Im November 2018 endete ein Streit vor dem Bundesverwaltungsgericht zugunsten des Breuningerlandes. Das Zentrum darf um 10 000 Quadratmeter wachsen. Zu den Plänen äußert sich das Centermanagement nicht.

City-Center und Kauf-Centrum:
Die beiden Einkaufszentren in Böblingen haben ihren früheren Glanz längst verloren. Momentan laufen die Planungen für den Abriss des City-Centers. Stattdessen sollen zwei Gebäude mit Einzelhandelsflächen sowie Läden und Büros entstehen. Die Mieter des Kauf-Centrums können noch bis Ende des Jahres 2021 bleiben. Dann soll das Gebäude ebenfalls abgerissen werden

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