Der Medienmogul Roger Ailes, dargestellt von Schauspieler Russell Crowe in „The loudest Voice“ Foto: Showtime

Ohne Roger Ailes und seinen antiliberalen Nachrichten-Sender Fox News säße heute jemand anderes im Weißen Haus. Die Sky-Serie „The loudest Voice“ mit Russell Crowe skizziert das bizarre Leben des Medienmoguls.

Stuttgart - Das Ende dieser Fernsehfiktion aus dem ganz realen Nachrichtenwesen der USA kommt bereits nach drei Sekunden – und bei aller Pietät, es sind für lange Zeit die ersten journalistisch soliden, also irgendwie guten News: Roger Ailes ist bereits tot, als die neue Sky-Serie über das legendäre Mastermind von Rupert Murdochs reaktionärem Fernseh-Sturmgeschütz Fox News gerade anfängt. Pillen am Boden, ein Fleischberg daneben, als Bluter verblutet, Gegner hoffen bis heute: elendig verreckt.

Zu Lebzeiten hat Roger Ailes, „The loudest Voice“ der USA, schließlich auch all jenen ein schmerzhaftes Ende gewünscht, die seinem Ideal einer Gesellschaft zum Wohle von Nation, Rasse, Kapital und Roger Ailes höchstpersönlich im Wege stehen. Er wisse daher, sagt der Verstorbene aus dem Jenseits, was die Leute nach seinem Tod über ihn sagen: rechts, paranoid, fett. „Ich werde nicht mit ihnen darüber streiten.“

Nur im Kampfmodus glücklich

Dieser Satz ist insofern bemerkenswert, als das berufliche Dasein des ehemaligen Nixon-Beraters aus Streit, Streit und nochmals Streit bestand. Das Alphatier, erfahren wir jetzt im furiosen Siebenteiler „The loudest Voice“ auf Sky, war nur im Kampfmodus glücklich, auf dem Schlachtfeld erhaben, unter Feinden befriedigt. Und um zu verstehen, wie es dazu wurde, zieht uns die Regisseurin Kari Skogland nach Gabriel Shermans Biografie ganz in den Bann eines Mannes im publizistischen Blutrausch, der vieles von dem erklärt, was die Welt seit Jahren an den Abgrund drängt.

Als Roger Ailes seine dreihundert Pfund Lebendgewicht 22 Jahre vor dem eingangs erwähnten Serientod erstmals über den Bildschirm wälzt, startet er nämlich gerade einen Krieg gegen die Demokratie. Zuvor aber ist er mit Methoden gegen den Journalismus zu Felde gezogen, die die Serie spürbar schaudernd bebildert. Im ersten Teil wird die sechsmonatige Gründungsphase seiner Erfindung Fox als aufrichtig rechter Gegenstrom im angeblich linken Medienmainstream wie auch als erfolgreichster Senderstart der Geschichte skizziert. Im zweiten folgt die Zuspitzung des antiliberalen Kreuzzugs auf einen Militärschlag, den ­Ailes nach den Anschlägen von 9/11 mit der Kraft seines Netzwerks im Irak herbeiführt. Der dritte zeigt den Frontalangriff auf Barack Obama, den Ailes beharrlich als „afrika­nischen Sozialisten“ beschimpft. Stets animiert er sein Team, Ethos durch Rendite zu ersetzen und Fakten durch Fake-News. Als die seriöse Starreporterin angesichts dieses dauernden Prinzipienbruchs mahnt, „das ist eine Nachrichtensendung, keine Sitcom“, antwortet Ailes süffisant: „Missy, das ist eine Meinungssendung.“

Rassismus, Sexismus, Radikalismus

Ein Satz, der Ailes’ Rassismus, Sexismus, Radikalismus auf den Punkt bringt. Ein Satz, dem aber auch jemand Nachdruck verleiht, von dem es nicht zu erwarten war: Russell Crowe. Der versierte Heldendarsteller spielt den virtuosen Spindoktor trotz Fatsuit mit einer Variationsbreite, die mindestens ebenso erschüttert wie sein Original.

Denn Ailes engagierte ja nicht nur deshalb Models statt Moderatorinnen, um schlichte Zuschauer zu blenden, sondern – Kernthema der letzten drei Folgen – um sie sexuell zu missbrauchen. Anspruchsvolle Zuschauer lernen also von der ersten bis zur letzten Minute der Serie: Ailes vereint alles, was an Männern mit Macht verachtenswert ist. Umso dankenswerter ist es, ihn nicht (nur) als Monster zu zeigen. Seine Trauer beim Abschied als Chef des Kaufkanals CNBC ist schließlich so echt wie die Wut über Obama, und beide verdeutlichen: Hier ist kein narzisstischer Opportunist wie Ailes’ Premiumprodukt Donald Trump am Werk, sondern ein Überzeugungstäter, dem der Niedergang seiner Heimatstadt so glaubhaft zu Herzen geht, dass er die liberale Lokalzeitung kauft und von seiner Ehefrau Beth (Sienna Miller) auf Kurs bringen lässt.

Ein weiterer Baustein in der reaktionären Mauer, die Amerikas Gesellschaft trennt. Und wie nah dessen Erbauer auch posthum der Vollendung kommt, zeigten Donald Trumps Twitter-Tiraden gegen etwas zaghafte Fox-Kritik an dem US-Präsidenten am Nachmittag. Im Reich des Königsmachers Roger Ailes eine Majestätsbeleidigung.

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