Die Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes vor den Münzen. Einen Schatz von dieser Bedeutung bekommen sie vielleicht einmal in ihrem Berufsleben zu Gesicht. Foto: Ines Rudel

Rund 9000 mittelalterliche Silbermünzen haben zwei Raubgräber bei Ellwangen illegal aus dem Boden geholt. Später haben sie den Schatz dem Landesdenkmalamt übergeben. Am Dienstag wurde er erstmals öffentlich gezeigt.

Esslingen/Ellwangen - Ein unbekannter Ellwanger Bürger wusste, sein Vermögen war nicht mehr sicher. Im Jahr 1350 herrschten durch Fehden bürgerkriegsähnliche Zustände in der aufstrebenden Stadt. Also füllte er seine 9000 Heller in mehrere Leinensäcke, zog noch den silbernen Ring vom Finger, legte alles in einen Topf und eine Becherkachel. Neben einer Straße stadtauswärts vergrub er die zwei Tongefäße. Zurück kam der unbekannte Mann nicht mehr. Er muss während der Unruhen ums Leben gekommen sein.

Dies alles sei Spekulation, sagt Claus Wolf, der Präsident des Landesdenkmalamtes in Esslingen, aber die wahrscheinlichste. Die harten Fakten sind: Der Schatz von Ellwangen umfasst etwa 9000 Silbermünzen, die zwischen 1280 und 1350 geprägt wurden. Diese 9000 Münzen bilden den größten mittelalterlichen Schatz, der in diesem und im letzten Jahrhundert in Baden-Württemberg gehoben wurde, und er zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Schatzfunden in der Geschichte Deutschlands überhaupt. Am Dienstag wurde er im Landesdenkmalamt präsentiert, im Sommer will die Stadt Ellwangen den Schatz öffentlich ausstellen.

700 Jahre lag der Schatz unter der Erde

700 Jahre lag der Schatz unter der Erde, bis ihn Raubgräber mit Metallsonden im Sommer 2017 entdeckten. Die Münzen bewahrten sie anschließend ein halbes Jahr zuhause in einer Tupperschüssel auf. Den genauen Fundort hält das Denkmalamt geheim. Die Männer hatten mitten im Wald nach Militaria aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Obwohl das illegal ist, gibt es genügend Leute, oft auch aus der rechten Szene, die sich auf die Suche nach Patronen, Granaten, Stahlhelmen oder Seitengewehren machen. Aber egal, was sie finden, es drohen immer saftige Strafen. „Beim Besitz von Kriegswaffen jeglicher Art versteht die Staatsanwaltschaft keinen Spaß“, sagt Jonathan Scheschkewitz, der für Mittelalterarchäologie genauso wie für Raubgräberei zuständig ist, ganz zu schweigen von den Gefahren, die von Blindgängern ausgehen.

Auch wer archäologische Denkmaler findet und unterschlägt, begeht eine Straftat. Denn per Gesetz gehören solche Bodenfunde dem Land Baden-Württemberg, selbst wenn man sie im eigenen Vorgarten ausgraben würde.

Zumindest bei einem der Raubgräber haben die Vernunft und das Gewissen gesiegt. Denn ein Schatz dieser Größe ist auch in den einschlägigen Internetforen unverkäuflich, zumal die Behörden ein Auge draufhaben. Die 9000 Münzen einzeln zu verkaufen, wäre eine Lebensaufgabe. Der Raubgräber wandte sich an das Landesdenkmalamt.

Die wenigsten sind reumütige Raubgräber

„Etwa 20 Mitteilungen über Zufallsfunde erhalten wir pro Jahr“, berichtet Claus Wolf. Die wenigsten sind reumütige Raubgräber. Wer durch Zufall beim Gartenumgraben oder Pflügen etwas findet, der ist verpflichtet, den Fund innerhalb von vier Tagen dem Landesdenkmalamt zu melden. Eine Frist, die die Ellwanger Raubgräber verstreichen ließen. Allerdings versuchten sie, den Schaden, den sie anrichteten, einigermaßen wieder gut zu machen, und haben später vollumfänglich mit dem Landesdenkmalamt kooperiert.

Verurteilt wurden sie trotzdem. „Per Strafbefehl zu einer der Schuld angemessenen Geldstrafe“, berichtet Johannes Scheschkewitz. Durch die Raubgrabung sind etwa 50 Prozent der Informationen, die das Landesdenkmalamt aus dem Fund hätte ziehen können, zerstört. Bitter für die Wissenschaftler, bitter für die Wissenschaft.

Vorne ein Kreuz, hinten die Hand Gottes

Die grüne Patina der Heller ist tatsächlich aus Grünspan und rührt vom Kupfergehalt der Münzen her. Etwa fünf Minuten braucht die Restauratorin Nicole Ebinger-Rist bis sie eine Münze aufpoliert hat. Dann kann man die charakteristische Prägung der Heller erkennen: Vorne ein Kreuz, auf der Rückseite die Hand Gottes. Der Heller, benannt nach dem Prägeort Schwäbisch Hall, war eine der verbreitetsten Münzen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Erst 1873 wurde der Heller als kleinste Münze abgeschafft und der Pfennig eingeführt.

Auch wenn niemand für das illegale Treiben der Raubgräber Verständnis hat, die Faszination, die von der Archäologie ausgeht, verstehen die Denkmalschützer schon. Sie bieten jedem, der mit einer Metallsonde den Untergrund durchspüren will, eine legale Zusammenarbeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter an. Denn die Denkmalschützer sind froh um jede Mithilfe bei Notgrabungen. Andererseits bittet das Denkmalamt jeden Bürger, sofort die Polizei zu verständigen, wenn er einen Sondengänger auf den Feldern oder im Wald sieht.

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