Bis eine Plastikflasche verrottet, dauert es Jahrhunderte. Foto: dpa

Im Supermarkt, in Kosmetikprodukten, beim Arzt: Plastik ist überall. Ein Leben ohne Kunststoff erscheint quasi unmöglich – aber was kann man tun?

Waiblingen - Die sechste Woche Klimafasten hat es in sich: Es geht um ein plastikfreies Leben. Wobei es derzeit eine Utopie sein dürfte, gänzlich ohne Plastik auszukommen. Denn womit sollte beispielsweise ein Arzt Blut abnehmen, wenn nicht mit einer Einweg-Plastikspritze?

Doch man muss nicht zum Arzt gehen, um an Grenzen zu stoßen: Ein Gang in den nächsten Supermarkt reicht. Plastikfrei/-arm einkaufen ist eine der Anregungen aus der Fastenbroschüre für diese Woche. Schon in der Obst- und Gemüseabteilung fängt das Problem an, und zwar mit den dünnen Plastiktüten, in die man die Ware einpacken soll, damit sie gewogen und der Preis an der Kasse schnell gescannt werden kann. Immerhin bieten viele Supermärkte inzwischen Beutel an, die sich mehrfach benutzen lassen. Kaufe ich beim Obst- und Gemüsehändler um die Ecke, wiegt er meinen Einkauf selbst an der Kasse ab und ich kann die Waren danach direkt in eine mitgebrachte Stofftüte packen.

Unverpackt-Laden am anderen Ende der Stadt

Doch zurück in den Supermarkt: Egal ob Butter, Schokolade, Müsli oder Nüsse – alles ist in Plastik verpackt. Selbst die Nudelpackungen aus Pappe haben an einer Stelle ein Sichtfeld mit Plastikfolie. Andere Produkte wie Milch, Gewürze oder passierte Tomaten etwa, kann man in Gläsern kaufen, doch den Supermarkt ganz ohne Plastik zu verlassen, ist unmöglich. Am anderen Ende der Stadt gibt es einen Unverpackt-Laden, in dem man Lebensmittel verpackungsfrei kaufen kann. Um dort hin zu gelangen, brauche ich ungefähr eine halbe Stunde. Alltagstauglich ist das nicht.

Dabei ist Plastikmüll inzwischen ein ernstzunehmendes Problem: Laut der Fastenbroschüre fielen weltweit bis zum Jahr 2015 6,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll an, von denen nur neun Prozent wieder verwertet wurden. Zwölf Prozent wurden verbrannt, 79 Prozent landeten auf Deponien oder in der Umwelt – häufig im Meer. Bis beispielsweise eine Plastikflasche dort zerfällt, dauert es nach Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rund 450 Jahre. Meerestiere und -vögel verwechseln Kunststoffteile mit Nahrung, viele sterben daran. Und: „Über die Nahrungskette besteht die Gefahr, dass die Kunststoffpartikel wieder als Muschel oder Fisch auf unserem Teller landen“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Paraffin in der Haarseife

Plastik wo es geht vermeiden, lautet also die Devise: Statt Plastikstrohhalmen verwenden wir solche aus Glas. Das klappt wunderbar, man kann sie sogar in die Spülmaschine tun. Seit einigen Monaten haben wir zuhause keine Plastikflaschen mehr, sondern sprudeln unser Leitungswasser. Und da die Kapsel-Kaffeemaschine nach mehreren Jahren in Benutzung langsam den Geist aufgibt, werden wir bald Espressokocher, Kaffeemühle und Milchaufschäumer anschaffen.

Doch die Anregung „teste ich Stückseife für die Haarpflege“ überzeugt weniger: Morgens mit der Seife gewaschen, sehen meine Haare an einem regnerischen Tag aus, als hätte ich in eine Steckdose gefasst. Laut der Codecheck-App, mit der man Produkte auf Mikroplastik und andere bedenkliche Inhaltsstoffe testen kann, enthält die Haarseife Paraffin – gewonnen aus Erdöl. Was soll man dazu sagen? „Wie mr’s macht isch’s nix.“ Oder besser: Umweltschutz ist oft die Wahl des kleineren Übels.

Aktion
: Die Kirchen rufen von Aschermittwoch bis Ostersonntag zum Klimafasten auf. Unsere Redakteurin Kathrin Zinser macht mit und berichtet regelmäßig über ihre Erfahrungen.

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