Wie wird das Wasser im Becken künftig möglichst unabhängig vom Gas beheizt? Das ist eine Frage, die sich Betreiber stellen. Foto: F3-Bad

Ann-Christin von Kieter von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen spricht über die Lage der Schwimmbadbetreiber.

Energie sparen, Kosten senken, das ist in Bädern derzeit angesagt. Zwei Grad kühleres Wasser könnten für Hallenbäder bis zu 25 Prozent Energieeinsparung bringen, so Ann-Christin von Kieter von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB). Sie spricht über die Lage der Bäder im Herbst.

 

Erhalten Sie ein Feedback, wie hoch der Beratungsbedarf ist, wie Bäder auf steigende Energiekosten reagieren können?

Ein gewisser Beratungsbedarf ist da, die Anfragen halten sich aber in Grenzen – was vermutlich damit zu tun hat, dass wir schon früh, im April dieses Jahres, unseren Leitfaden „Schwimmbäder in der Energiekrise“ herausgegeben haben, in dem Maßnahmen beschrieben sind, mit denen sich eine Energieeinsparung bis zu 25 Prozent erreichen lässt. Als Vorbereitung auf unseren DGfdB-Kongress bei der Messe Interbad Ende Oktober in Stuttgart sind wir dabei, Befragungen unserer Mitglieder auszuwerten, um valide Daten zum Beispiel im Hinblick auf die tatsächliche Energieeinsparung zu erhalten. Wir merken, dass der Themenblock „Klimaschutz und die TGA“ besonders gefragt ist. Darin stellen unsere Experten moderne Lüftungskonzepte für den energiesparenden Bäderbetrieb vor, erläutern das Potenzial der Geothermie und zeigen, wie Fotovoltaik auf Dächern und Flächen von Hallen- und Freibädern eingesetzt werden kann.

Wie viele Bäder werden zum großen Teil mit erneuerbaren Energien beheizt?

Das sind momentan noch eher Einzelfälle. Das Neanderbad in Erkrath etwa gilt als CO2-neutrales Schwimmbad. Dort erzeugt ein Blockheizkraftwerk jährlich über drei Millionen kWh Strom und Wärme aus 100 Prozent Biogas. Hinzu kommen jedes Jahr rund 100 000 kWh Solarstrom aus einer Fotovoltaikanlage. Das ist ein interessanter Weg, den künftig sicherlich andere Bäder ebenfalls gehen werden. Auch Mitglieder unserer Arbeitskreise arbeiten in ihren Firmen derzeit an ähnlichen Projekten.

Auch in der Energiekrise sollen Bäder so lange wie möglich offen bleiben, sagen Sie. Welche Rolle spielen Bäder im sozialen und sportlichen Leben?

Baden und Schwimmen sind menschliche Grundbedürfnisse. Unsere Schwimmbäder haben als Bildungs-, Sport- und Kulturstätten deshalb eine hohe gesellschaftliche Bedeutung, vor allem für die Gesundheit. Schwimmen zu können, kann überlebenswichtig sein. Da sind wir auch schon bei einem ganz wichtigen Punkt: Eine weitere Schließung der Bäder würde eine Generation von Nichtschwimmern und Nichtschwimmerinnen endgültig manifestieren. In den Bädern ist man noch immer dabei, zahlreiche Schwimmkurse nachzuholen, die wegen der vergangenen Corona-Maßnahmen ausgefallen sind. Wenn die Bäder nicht geöffnet bleiben, lässt sich der Rückstand irgendwann gar nicht mehr aufholen.

Zählt Baden-Württemberg zu den Ländern mit besonders vielen Bädern?

Wer auf auf unseren Bäderatlas (www.baederatlas.com) schaut, erkennt eine hohe Schwimmbad-Dichte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. In Bayern konzentrieren sich die Bäder eher auf Großstädte, und es sind besonders viele Badestellen verzeichnet. Baden-Württemberg hat 620 Hallenbäder und 432 Freibäder (davon 50 Kombibäder), Bayern hat 452 Hallenbäder, 506 Freibäder (davon 69 Kombibäder), in Hessen gibt es 219 Hallenbäder und 286 Freibäder (davon 31 Kombibäder), und Nordrhein-Westfalen hat 825 Hallenbäder sowie 355 Freibäder (davon 94 Kombibäder).

Wie müssen Bäder aussehen, um sicher in die Zukunft zu gehen?

Das Bad der Zukunft ist definitiv CO2-neutral. Dazu verfolgen wir das Projekt „3000 Hallenbaddächer“. Das Ziel ist, allen rund 3000 Hallenbädern in Deutschland eine Fotovoltaikanlage auf das Dach zu setzen. In Kombination mit effizienten Wärmepumpen lässt sich so ein großer Teil des Energiebedarfs decken, schätzungsweise 40 Prozent. Der Rest muss grün dazugekauft werden.