Der Schwertransport des Rotorflügels ist in Schorndorf auf riesiges Interesse gestoßen. Foto: Gottfried Stoppel

Der erste Rotortransport hat die Strecke zum Windpark Goldboden problemlos gemeistert. Viele Schaulustige haben die außergewöhliche Fahrt beobachtet. Acht weitere Schwertransporte werden folgen.

Schorndorf - Wo sonst Auto an Auto steht, ist es am Dienstagmorgen ungewohnt leer. Die Gmünder Straße in Schorndorf ist von 8.45 Uhr an für den rollenden Verkehr gesperrt. Dafür ist der Gehweg um einiges belebter als sonst: unzählige Schaulustige sind gekommen, um den ersten Rotortransport zum Windpark Goldboden zu beobachten.

Kurz vor dem Ortseingang stellt sich der Tross auf: Den Anfang macht die Polizei, die den Transport zusammen mit der Spezialfirma Wörmann absichert. „Für uns ist das auch ein Probelauf“, sagt Volker Nied vom Polizeipräsidium Aalen. Acht Beamte sind im Einsatz, an neuralgischen Punkten positioniert, um dem Transporter eine ungehinderte Fahrt zu ermöglichen.

Der tonnenschwere Flügel ist schwenkbar

Dabei handelt es sich um einen so genannten Selbstfahrer, der mit einer Fernbedienung gesteuert wird. Das Rotorblatt ist über einen Adapter auf dem Fahrzeug befestigt. Was das für Vorteile hat, zeigen die Mitarbeiter der Transportfirma Hofmann bereits auf dem ersten Teilstück. Beim Start um kurz vor neun Uhr liegt der Rotor noch flach auf dem achtachsigen Gefährt und wird so unter den Ampeln durchmanövriert.

Um am ersten Kreisverkehr vorbei zu kommen, wird der knapp 13 Tonnen schwere Flügel langsam schräg gestellt. Eine Neigung bis zu 60 Grad ist möglich – solange nicht zu viel Wind weht. Um die aktuellen Geschwindigkeiten überprüfen zu können, ist ein kleiner Windmesser an der Spitze des Flügels angebracht.

„Der Selbstfahrer kommt auch durch engere Kurven, deswegen benötigen wir kaum Umbauten“, sagt Tobias Borde, der Projektleiter bei der EnBW. Deshalb habe man sich für diese Variante entschieden, „auch wenn es ein bisschen mehr kostet und das Fahrzeug langsamer unterwegs ist.“ Tatsächlich ist der Strecke nur bei genauerem Hinsehen anzumerken, dass sie von riesigen Bauteile passiert wird: An den Zebrastreifen sind einzelne Schildhalterungen zur Seite geklappt, manche Verkehrszeichen werden kurzzeitig abmontiert und hinter dem Transport gleich wieder hineingesteckt. Nur an einer Ecke liegen Platten am Straßenrand, um den Grünstreifen bei der Überfahrt zu schützen.

Für Laien ist der Transport faszinierend – für die Profis eine einfache Strecke

Das hochgestellte Flügelblatt schwebt über den Häuserdächern und schiebt sich in die Feuerseestraße hinein. Der Selbstfahrer nimmt den Innenradius des Kreisverkehrs – fährt also gegen die Fahrtrichtung und kommt ohne Probleme um die Insel in der Mitte herum. Auch der zweite Kreisverkehr wird auf diese Weise und mit dem hochgestellten Flügel bewältigt, der wie die Finne eines überdimensionalen Schwertwals über dem Gefährt ragt.

„Das ist Wahnsinn“, entfährt es einem Zuschauer am Straßenrand. An vielen Fenstern sind Bewohner zu sehen, auch eine Kindergartengruppe ist gekommen. Für den Laien mag das faszinierend sein, für die Mitarbeiter der Transportunternehmen ist es Alltag. „Die Strecke ist eigentlich nicht besonders schwierig“, sagt Sven Wolter. Er läuft vor dem Selbstfahrer und ist per Funkgerät mit seinem Kollegen verbunden, der ein Schaltpult umgeschnallt hat und das Auto bedient. „Ein bisschen rechts“, dirigiert Sven Wolter seinen Kollegen, dann geht es weiter, am Schulzentrum Grauhalde vorbei.

Der Schwertransport zum Goldboden geht viel schneller als erwartet

Auch die Abzweigung in die Schlichtener Straße nimmt das wendige Fahrzeug in einem Zug. Knapp eine Stunde nach dem Start ist bereits das Ortsschild Schorndorf erreicht. Dahinter muss der Selbstfahrer dann doch einmal rangieren: Weil das Gefährt gespannte Seile passiert, an denen normalerweise Werbebanner hängen, kann der Flügel vor der Kurve nicht hochgestellt werden. Zweimal geht es vor und zurück, dann ist auch diese Stelle geschafft. Eigentlich sind für die etwa 13 Kilometer lange Strecke um die vier Stunden kalkuliert. Tatsächlich erreicht das erste Rotorblatt bereits gute drei Stunden nach Start die Baustelle am Goldboden.

Trotzdem kann an diesem Tag nur ein Flügelblatt angeliefert werden. Zum einen soll die Strecke bis zum Berufsverkehr am Nachmittag wieder frei sein. „Außerdem ist unser Kran noch nicht aufgebaut“, erläutert Tobias Borde. Erst wenn dieser steht, gibt es an der Baustelle wieder genug Platz für die nächsten Bauteile. Insgesamt werden noch acht weitere Rotorblätter nach Winterbach gebracht. Trotzdem soll es nicht mehr lange dauern, bis das erste Windrad Strom liefert: „Wir möchten die erste Anlage Anfang Dezember in Betrieb nehmen“, sagt Tobias Borde.

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