Die Landeshauptstadt startet verschiedene Programme zur Personalgewinnung. Vor allem eine neue Prämie geht den Kirchen deutlich zu weit.
Die Landeshauptstadt bekommt starken Gegenwind für ihr neues Programm zur Personalgewinnung. Evangelische und katholische Kirche und der Caritasverband sprechen in einem Brief an OB Frank Nopper (CDU) und den Gemeinderat von einem „eklatanten Missbrauch allgemeiner Steuergelder“ und einem „auch juristisch zu prüfenden Verstoß gegen die sozialverfassungsrechtlichen Prinzipien der Subsidiarität, des Vorrangs der freien Träger und der Pluralität der Trägerschaft“.
1000 Euro pro Kopf
Die Stadtdekane Sören Schwesig und Christian Hermes sowie Caritasdirektor Uwe Hardt erzürnt nicht nur die Stuttgart-Zulage von 150 Euro, die die Stadt jedem Mitarbeitenden von Juli 2024 an zahlen will, sondern auch die 1000 Euro, die die Stadt als „Kopfprämie“ ausschütten will, wenn Beschäftigte neue Mitarbeiter einwerben können. Die Kopfprämie findet sich als einer von vielen Punkten in einer ausführlichen Vorlage zur Personalgewinnung und -erhaltung. Der Rat hat sie in der ersten Lesung des Haushalts befürwortet. Die Abwerbeprämie sei ein weiterer Schritt zulasten der freien Träger, die massiv unter Druck gerieten. Statt der von der Stadt eingeleiteten Kannibalisierung sei eine Allianz zur Fachkräftegewinnung nötig. Das offensive Vorgehen der Stadt sei ein Affront gegen die freien Träger. Die Stadt dürfe nicht versuchen, den Markt zu beherrschen, sie trage die politische Verantwortung für die Daseinsvorsorge und die Trägerlandschaft und letztlich für das Gemeinwohl. Hardt spricht von einem „Tritt ins Gesicht der Stuttgarter Träger der Wohlfahrtspflege“. Ohne deren Beitrag und fachliche Kompetenz könne die Stadt ihrer sozialen Verantwortung nicht ansatzweise gerecht werden.
Keine Reaktion aus dem Rathaus
Kirchen und Caritas hatten Nopper und die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates am 21. November angeschrieben und dem Verwaltungschef eine Antwortfrist bis zum 24. November gesetzt. Man habe bisher keine offizielle Reaktion aus dem Rathaus bekommen, auch auf direkte Nachfrage hin nicht, die verlangte Zusicherung, die Kopfprämie nicht zu zahlen, sei ausgeblieben.