Kolumnist KNITZ über Toleranz beim Essen – und wo die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden.
Über die weltbesten Maultaschen müssen wir uns nicht unterhalten. Schon gar nicht in der Karwoche. Die macht die Mutter von KNITZ. An Gründonnerstag. Basta!
Aber Feinschmecker KNITZ ist im Lauf der Jahre nicht nur älter, sondern auch toleranter geworden, vor allem, was die Füllung der Teigtaschen betrifft. Wobei es Taschen eigentlich nicht so ganz trifft. KNITZ bevorzugt die gerollte Variante, mit einem hohen Nudelteiganteil. Pasta!
Liebe zum Essen geht nicht nur durch Magen
Von Haus aus legt er zudem Wert auf reichlich Grünzeug in der Maultasche – und auf Brät als Fleischdreingabe. Aber er hat es im Zuge seines Lernprozesses schon fertiggebracht, ohne zu murren Maultaschen mit Hackfleisch zu verdrücken oder welche mit Rauchfleischstückchen.
Selbst Lachsmaultaschen hat er ohne größeren Widerstand in sich reingeschaufelt, obwohl er die in einem Lokal aus freien Stücken eher nicht bestellen würde. Auch vegetarische verwies er nicht des Tellers, solang deren Innenleben nicht ins Sägmehlhafte abdriftete.
Die Liebe zum Essen geht nicht nur durch den Magen, manchmal kommt eben auch das Hirn ins Spiel. Also gelangte KNITZ zur Überzeugung: Man kann im Leben nicht ständig Vielfalt predigen – und bei Maultaschen nur eingefahrene Wege beschreiten.
Er muss allerdings zugeben, dass es ein mühsamer Prozess war, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Und wenn er ganz ehrlich ist: Toleranz geht manchmal auch mit dem Hunger einher.
Neulich war KNITZ mit einem Kollegen essen. Sie wollten ein schwäbisches Lokal ausprobieren, das zu Recht was auf sein Bier hält. Und was macht man, wenn man eine Küche testen will? Man bestellt sich was, das man selbst hinbekommt. Von dem man also weiß, wie’s geht, also Kässpätzle.
Auch bei Kässpätzle ist KNITZ die Toleranz in Person. Man kann sie in einer Auflaufform im Backofen zubereiten. Oder in der Pfanne braten, was sich in einer Wirtschaft anbietet. Handgeschabte Spätzle sind ein Traum, als Pressevertreter hat er Verständnis für die Spätzlespresse. Und wenn dabei Knöpfle herauskommen, auch gut.
Die „Bergkäsespätzle“ mit Beilagensalat kamen mit geschmälzten Portweinschalotten und zwei Spritzern Petersilienschaum auf den Tisch – ein dekorativer Fingerzeig wohl, der dem Gast signalisieren sollte, dass knapp 16 Euro für das sonst eher günstige Gericht keinesfalls zu hoch gegriffen sind.
Was dem Koch bei aller Kunstfertigkeit entgangen ist: Kässpätzle zeichnen sich dadurch aus, dass man sie mit Käse, vorzugsweise mit würzigem Bergkäse oder Emmentaler, zubereitet. Ein Hauch von Bergkäse stieg zwar vom Teller auf, aber das war’s dann auch. Die Spätzle lagen, ja schwammen in einer Art Sahne-Käse-Pampe. Der Käsefäden-zieh-Effekt blieb, wenn wundert’s, aus.
Dass die anderen Gäste das Zeug klaglos essen?!
Als der freundliche Ober beim Abtragen der Teller nicht minder freundlich auf den Umstand hingewiesen wurde, dass es sich bei dem Gericht keinesfalls um Kässpätzle gehandelt haben könne, erweckte er den Eindruck, als höre es das zum ersten Mal.
Dass die anderen Gäste das Zeug klaglos essen?! Das will KNITZ nicht schlucken.