Rektor Bruno Stegmüller vor seiner renovierten Schule Foto: Archiv Leonie Schüler

Die Schule ist im vergangenen Jahr für rund elf Millionen Euro saniert worden. Nun gibt’s Überraschungen im Positiven wie im Negativen: Die Frischluft wird knapp, und auf dem Dach steht eine Fotovoltaikanlage, von der kaum jemand weiß.

Weilimdorf - Rund elf Millionen Euro sind in die Sanierung des Solitude-Gymnasiums investiert worden, besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Energiebilanz des Gebäudes gelegt. So flossen im Rahmen des EU-Projekts „School of the future“ knapp 600 000 Euro Fördergelder mit dem Ziel, den Energie- und den Heizenergieverbrauch der Schule zu senken sowie die Innenraumqualität zu verbessern.

Doch genau daran hapert es ganz offensichtlich. „Wir haben Beschwerden von einzelnen Schülern und wir haben Kinder mit Kopfweh“, erzählt die Elternbeiratsvorsitzende Charlotte Keim-Pawlizki. Anfang Juli habe sie drei Schreiben von Eltern erhalten, doch das Problem existiere schon länger. Das bestätigt auch der Schulleiter Bruno Stegmüller: „Am Anfang des Schuljahrs gab’s ein paar Dinge, aber das hat sich nicht über die ganze Zeit durchgezogen.“ Bei der Hitze in den vergangenen Wochen habe es aber tatsächlich wieder einige Beschwerden gegeben, auch von Seiten der Lehrer.

Ein Belüftungssystem statt Frischluft durch die Fenster

Des Pudels Kern ist, dass im Zuge der Sanierung auch die Fenster erneuert wurden. „Das war bitter notwendig“, sagte Stegmüller jüngst, als der Weilimdorfer Bezirksbeirat die renovierten Schulräume besichtigte. Die neuen Fenster seien dreifach verglast, erklärte er den Lokalpolitikern: „Das ist natürlich eine hervorragende Wärmedämmung, dadurch sind die Fenster aber sehr schwer.“ Deshalb dürften die großen Fensterflügel nicht mehr geöffnet werden, die kleineren nur noch gekippt. Die Frischluftzufuhr laufe nun über eine Belüftungsanlage, die allerdings noch nicht optimal funktioniere, sagte Stegmüller.

Die gemessenen CO2-Werte sind viel zu hoch

Mittlerweile hat sich das Umweltamt der Sache angenommen. Nachdem er vor drei Wochen davon erfahren habe, habe er sich die CO2-Werte geben lassen, die im Rahmen des EU-Projekts erhoben werden, sagt Jürgen Görres, der Projektleiter beim Amt für Umweltschutz. „Ich war dermaßen überrascht, wie hoch die CO2-Konzentration war.“ Als erste Maßnahme wurden die Lüftungsgeräte, die bislang zeitgesteuert betrieben werden, in fünf Klassenräumen probeweise auf eine CO2-abhängige Regelung umgestellt. Zudem war für Montag, 13. Juli, ein Termin mit dem Hersteller der Lüftungsgeräte, dem Hochbau- und dem Schulverwaltungsamt angesetzt, um die Probleme möglichst rasch zu beheben.

Warum das Umweltamt erst so spät von den Problemen Kenntnis erhalten hat, ist unklar. „Ich habe das damals im September ans Schulverwaltungsamt weitergegeben“, sagt Bruno Stegmüller. Dort wollte man sich gegenüber der Nord-Rundschau nicht äußern und verwies auf das Umweltamt als zuständige Behörde. Mit im Boot war bei der Sanierung außerdem noch das Hochbauamt. Selbst für ihn seien da die Zuständigkeiten mitunter schwer zu durchschauen, sagt der Schulleiter.

Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach sorgt für Verwirrung

Das zeigt sich nicht nur bei der Belüftung des Schulhauses, sondern auch bei dessen Dach: Bei ihrem Rundgang erkundigten sich die Bezirksbeiräte auch nach der Möglichkeit, auf dem Schuldach eine Fotovoltaikanlage zu installieren, hatten sie doch erst zwei Wochen zuvor die Verwaltung aufgefordert, ein solches Vorhaben zu prüfen. Leider sei dies aus statischen Gründen nicht möglich, so der Rektor. Zu diesem Ergebnis war die Verwaltung schon im Juni 2013 gekommen: Statik, Oberlichter und Belüftungstechnik stünden diesem Vorhaben im Weg, heißt es in einer Beschlussvorlage des Gemeinderats.

Kurios: seit der Sanierung gibt es eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Solitude-Gymnasiums, sagen Hochbau- und Umweltamt. Bei genaueren Berechnungen habe sich ergeben, dass die Statik dies auf einem kleinen Teil des Dachs des Hauptgebäudes doch erlaube, erklärt Jürgen Görres. Auf knapp 50 Quadratmetern werde mit einer Maximalleistung von 7,65 Kilowattstunden Sonnenstrom erzeugt. „Der Strom wird so gut wie möglich in der Schule verbraucht“, sagt Görres, die überschüssige Energie werde ins Netz eingespeist. „Es ist ja recht, dass die Anlage da ist“, sagt Bruno Stegmüller. Er ärgert sich nur darüber, dass an der Schule niemand darüber informiert wurde, schließlich könne man tolle Projekte mit den Schülern dazu anbieten.

Vielleicht klappt es damit im nächsten Schuljahr. Zunächst steht für die Schüler aber noch eine Veranstaltung an, bei der sie etwas über das Projekt „School of the future“ lernen. Und auch darüber, wie sie selbst zum Energiesparen beitragen können: indem sie Stromverbraucher beim Verlassen der Räume ausschalten beispielsweise – und durch korrektes Lüften.

Kommentar von Martin Braun

Mehr Effizienz!

Das Solitude-Gymnasium wurde im vergangenen Jahr für rund elf Millionen Euro saniert. Ein Schwerpunkt dabei war, die Energiebilanz des Schulgebäudes zu verbessern. Dazu wurden unter anderem neue Fenster eingebaut: dreifach verglast, bestimmt top isoliert und absolut dicht – aber leider nicht mehr zu öffnen. Nur noch vereinzelt können die Fenster gekippt werden. Zwar ist der Energieverbrauch der Schule inzwischen deutlich gesunken, dafür aber der CO2-Gehalt in den Klassenräumen drastisch gestiegen. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wenn es um Energieeffizienz geht. Das hat nun auch das Umweltamt erkannt: Die Belüftungsanlage soll neu eingestellt werden. Höchste Zeit angesichts der Temperaturen der vergangenen Tage.

Höchste Zeit ist es auch für die Energiewende, sagen mittlerweile selbst die Christdemokraten. So hat die Weilimdorfer CDU-Fraktion bei der Sitzung des Bezirksbeirats im Mai beantragt, dass die Verwaltung die Machbarkeit von Fotovoltaikanlagen auf den Dächern des Solitude-Gymnasiums prüfen möge. Die Bezirksbeiräte haben diesem Antrag bei zwei Enthaltungen zugestimmt – zwei Wochen, bevor die Lokalpolitiker die Schule besichtigten. Bei ihrem Rundgang erfuhren sie dann von Rektor Bruno Stegmüller, dass die Statik des Schuldachs einer solchen Anlage nicht gewachsen sei. Diese Information hätten sie auch einer rund zwei Jahre alten Gemeinderatsdrucksache entnehmen und sich den Antrag sparen können. Hinfällig ist er nämlich auf jeden Fall: Auf dem Dach des Solitude-Gymnasiums wird längst Sonnenstrom erzeugt – auf dem kleinen Teil des Dachs, wo es möglich ist. Bleibt festzuhalten: Alle Beteiligten sollten versuchen, neben der Energieeffizienz auch ihre Kommunikationseffizienz zu verbessern.

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