Die räumlichen Kapazitäten der Realschule in Feuerbach sind beschränkt. Mehr als maximal zwei Eingangsklassen sind dort nicht möglich. Foto: Achim Zweygarth

Die Realschulen im Stuttgarter Norden sind stark gefragt und teilweise randvoll. Fünftklässler aus Feuerbach und Weilimdorf konnten zuletzt auf die Realschule in Gerlingen ausweichen. Doch im kommenden Schuljahr könnte sich die Situation verschärfen.

Stuttgarter Norden - Eiko Schwalbe steckt in einem Dilemma. Als Pädagoge würde er gerne alle Kinder annehmen, die von September an seine Gerlinger Realschule besuchen wollen. Als verantwortungsbewusster Rektor hat er aber jetzt eine Warnung ausgesprochen: Die Schule kann vermutlich nicht alle Zehnjährigen aufnehmen, die sich anmelden – vor allem nicht diejenigen aus den Stuttgarter Stadtbezirken Weilimdorf und Feuerbach. Die Sanierung der Schule in den kommenden beiden Jahren spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Druck auf die Schulen im Stuttgarter Norden

Am heutigen Freitag wird Eiko Schwalbe die Eltern und Kinder begrüßen, die sich über die Schule informieren wollen. Dabei wird er eines sagen: „Wir können nur so viele Fünftklässler aufnehmen, wie es zu verantworten ist.“ Das könne bedeuten, dass nicht die volle Kapazität für 90 neue Fünftklässler in drei Parallelklassen zur Verfügung stehe. Das sei mit dem Staatlichen Schulamt so besprochen. In diesem Schuljahr hat die Schule drei fünfte Klassen mit 89 Kindern – davon 37 aus Stuttgart.

Dieser hohe Anteil von Auswärtigen ist eine Folge des Drucks auf die Schulen im Norden der Landeshauptstadt: Die Realschule in Feuerbach sei „schon immer randvoll“, sagt Schwalbe. Das hat der 40-Jährige zehn Jahre lang als Konrektor dort miterlebt. Gerlingen ist als Ausweichschule beliebt – denn die Kinder sind von Feuerbach aus in kurzer Zeit mit der Stadtbahn U 6 in der Nachbarstadt. „Der Druck aus Stuttgart ist ungebrochen“, hat Schwalbe seit seinem Amtsantritt 2017 in Gerlingen erlebt.

Die Situation ist angespannt

Das weiß auch sein Kollege Herwig Rust aus Feuerbach: „Der Engpass wird jetzt wohl noch drastischer werden“, vermutet der Rektor der Feuerbacher Realschule. Die Problematik ist bekannt: Neben Fünftklässlern aus Feuerbach seien zuletzt auch Schüler aus Weilimdorfer Gebieten wie Wolfbusch, Giebel und Hausen nach Gerlingen abgewandert. Auch die Realschulen in Korntal-Münchingen und Ditzingen hätten zuletzt Zehnjährige aus Stuttgart aufgenommen. Rust bestätigt, was Schwalbe sagt: „Meine Klassen sind proppenvoll.“ 60 neue Fünftklässler kann Rust auch kommendes Schuljahr aufnehmen. Mehr als zwei Züge pro Stufe sind dort nicht möglich.

Insgesamt sei der Andrang auf die Stuttgarter Realschulen gewachsen, sagt Philipp Forstner, stellvertretender Leiter beim Schulverwaltungsamt: „Ähnlich wie bereits seit einigen Jahren an den Gymnasien ist zwischenzeitlich auch im Bereich der Sekundarstufe I, insbesondere an den Realschulen, die Situation deutlich angespannt.“ Ein Ausbau der Kapazitäten im Stuttgarter Norden klappt aber frühestens mittelfristig. Verschiedene Planungen gibt es dazu bereits: „Hierzu zählen neben den derzeitigen Überlegungen zur Bildung eines Schulverbundes in Feuerbach auch der bereits beschlossene dreizügige Ausbau der Park-Realschule in Stammheim im Rahmen der dort anstehenden Baumaßnahmen“, sagt Forstner.

Überlegungen über möglichen Schulverbund in Feuerbach

Die Stuttgarter Schulverwaltung spielt schon länger mit dem Gedanken, die Realschule Feuerbach an der Hohewartstraße 95 und die Werkrealschule an der Wiener Straße 76 zu einem Schulverbund zusammenzulegen. Hintergrund ist die Idee, in der Bismarckschule eventuelle räumliche Ressourcen für die Realschule erschließen zu können. Vergangene Woche waren Rektor Rust und sein Schulleiterkollege Gerald Mandl von der Bismarckschule deshalb im Stuttgarter Rathaus. Sie erörterten dort mit Schulbürgermeisterin Isabel Fezer die Lage. Beide Schulleiter machten dort deutlich, dass sie nichts davon halten, die zwei Schulstandorte, die 1,2 Kilometer auseinanderliegen, zusammenzuführen. Fezer sei an ihrer Meinung sehr interessiert gewesen: „Es war ein offenes Gespräch“, sagt Mandl. Fürs kommende Schuljahr sei das Thema Schulverbund in Feuerbach erst einmal vom Tisch, meint Rust.

Die Verwaltung will nun im Laufe der ersten Jahreshälfte in einer Gemeinderatsdrucksache den Stadträten mehrere mögliche Schulverbünde in ganz Stuttgart vorschlagen. Doch an der aktuell angespannten Situation verbessert dies nichts: Die Möglichkeiten auf dem Schulgelände der Realschule Feuerbach einen dritten Zug bei den Fünfern anzubieten, sieht Rust nicht. Im Übrigen habe er vor Jahren die Stadt auf das Problem hingewiesen. Doch passiert sei leider nichts: „Wir hätten baulich wie schulkonzeptionell auf unserem Gelände alles bis 2015 realisieren können, genau zu dem Zeitpunkt, zu dem man es gebraucht hätte“, sagt er.

Gemeinschaftsschule könnte vier fünfte Klassen bilden

In Weilimdorf gibt es durch die dortige Gemeinschaftsschule zumindest einen weiteren Schulstandort, der den mittleren Bildungsabschluss anbietet. Dort wäre „die Beschulung von vier Eingangsklassen“ möglich, sagt Forstner. Claus Schneider, Leiter der Gemeinschaftsschule an der Engelbergstraße 81, bestätigt dies: Er könne im kommenden Schuljahr vier fünfte Klassen bilden, wenn die Nachfrage vorhanden sei, sagt er. Momentan besuchen 498 Schüler die Gemeinschaftsschule. Die jetzige fünfte Klassenstufe ist vierzügig und umfasst 94 Schüler. Dort gehen im Schnitt 23 bis 24 Schüler in eine Klasse. Gewisse Kapazitäten wären noch vorhanden: „Unser Klassenteiler liegt bei 28“, sagt Schneider. An Samstag, 23. Februar, können sich Eltern und potentielle neue Schüler selbst ein Bild von der Gemeinschaftsschule machen: „Wir bieten am Tag der offenen Tür von 9.30 bis 12.30 Uhr unter anderem verschiedene Mitmachstationen an“, sagt er. Zudem stellen Schüler, Eltern, Lehrer und die pädagogischen Mitarbeiter das Schulleben vor.

Darüber hinaus sieht Forstner vom Schulverwaltungsamt derzeit nur in den umliegenden Stadtbezirken weitere Kapazitäten: Hierzu zählt er die Realschulen und die Gemeinschaftsschule im Bereich der Innenstadtbezirke und die Gemeinschaftsschule in Mühlhausen-Freiberg. Dort stünden voraussichtlich noch freie Plätze zur Verfügung.

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