Es gibt Probleme an Realschulen in Stuttgart (Symbolbild). Foto: dpa

Die Realschulen in Stuttgart sind stark gefragt und platzen aus allen Nähten. Von der Anmeldung auf ihrer Wunschschule konnten etliche Schüler nur träumen. Das gilt auch für einige Gymnasien.

Stuttgart - Trotz eines leichten Rückgangs bei den Anmeldungen für die fünften Klassen der städtischen Gymnasien sind diese immer noch die beliebteste Schulart. Steigerungsraten verzeichnen in der Landeshauptstadt die Realschulen, die ohnehin schon aus allen Nähten platzen. Sowohl bei den Gymnasien als auch bei den Realschulen war der Andrang auf einzelne Standorte so groß, dass diese Schüler abweisen mussten. Die sieben Werkrealschulen können ihre Anmeldezahlen zwar erstmals wieder stabilisieren – allerdings auf niedrigem Niveau. Im Schulamt denkt man bereits über Schulverbünde mit den Realschulen nach. Leichten Aufwind erfahren die Gemeinschaftsschulen. Damit liegt Stuttgart bei allen Schularten im Landestrend. Die Zahlen im Einzelnen:

Fünf Gymnasien müssen aus Platzmangel Schüler abweisen

Den vorläufigen Anmeldezahlen zufolge werden laut Regierungspräsidium im neuen Schuljahr 2319 Fünftklässler in die städtischen Gymnasien gehen – 45 weniger als im Vorjahr. Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung sieht Holger zur Hausen, der geschäftsführende Leiter der Stuttgarter Gymnasien und Leiter des Zeppelin-Gymnasiums im Stuttgarter Osten, in der Grundschulempfehlung, die neuerdings wieder vorgelegt werden muss. Oft habe man daraufhin die Eltern erneut beraten. „Diese Gespräche wurden sehr gut angenommen, die Eltern haben sehr offen gesprochen“, berichtet zur Hausen. „Das war sehr zeitintensiv, wirkt aber schon“, meint er. Nach 22 Gesprächen, die er selbst geführt habe, habe die Hälfte der Familien beschlossen, die Anmeldung aufrecht zu erhalten, die andere Hälfte aber nicht. „Wir haben den Eltern gesagt, dass G9 nicht leichter ist als G8.“ Fünf Gymnasien mussten, weil sie voll sind, Schüler „umlenken“: Friedrich-Eugens-, Dillmann-, Solitude-, Leibniz- und Johannes-Kepler-Gymnasium. Eine Entspannung gab es bei den drei G9-Gymnasien: Dem Zeppelin-Gymnasium gelang mit 84 Anmeldungen auf drei Klassen eine Punktlandung. Im Wilhelms-Gymnasium wollten 70 Kinder ins G9 und 17 ins G8, das könne durch eine interne Umlenkung geregelt werden. Das Leibniz-Gymnasium musste gut ein Dutzend Bewerber abweisen.

Spitzenreiter bei den Anmeldungen ist das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sillenbuch: 143 Kinder werden die fünf Eingangsklassen füllen. „Der Stadtbezirk hat einfach viele Kinder“, sagt Schulleiterin Irmgard Brendgen – einige wenige Schüler stammen aus Kemnat und den Neckarvororten. „Wir werden wieder die Fachräume der Werkrealschule Heumaden nutzen“, so Brendgen. Und: wie bereits andere Gymnasien wird man die Raumnot wieder durch Wanderklassen kompensieren – in Sillenbuch allerdings nur in der Kursstufe. Auch die Hochbegabtenzüge füllen sich wieder: Das Karlsgymnasium verzeichnet unter seinen 90 Anmeldungen 22 Hochbegabte und darf ausnahmsweise vier Eingangsklassen bilden. Beim Königin-Katharina-Stift sind unter den 70 Anmeldungen 18 Hochbegabte.

Immer mehr Schüler in immer weniger Realschulen

Hier steigen die Anmeldezahlen weiter. 1067 Schüler drängen in die fünften Klassen – 87 mehr als im Vorjahr. Das ist insofern beachtlich, als die Zahl der Realschulen zurückgegangen ist: Vor zehn Jahren waren es noch 19, jetzt sind es nur noch 15 – vier wurden zu Gemeinschaftsschulen. „Die geringe Zahl der Realschulen macht uns zunehmend Probleme – die sind ja nicht beliebig erweiterbar“, sagt Manfred Rittershofer vom Staatlichen Schulamt. Drei Realschulen hatten so viele Anmeldungen, dass sie Schüler abweisen mussten: Robert-Koch-Realschule in Vaihingen, Realschule Feuerbach und Fritz-Leonhardt-Realschule in Degerloch. Die Schlossrealschule im Westen wird einige Klassen in das Gebäude der ehemaligen Friedensschule auslagern. So könnten Wanderklassen vermieden werden. Gesamtstädtisch gebe es noch einige Realschulen mit freien Kapazitäten, so Philipp Forstner, Vizechef des Schulverwaltungsamts – etwa die Birken-Realschule in Sillenbuch, die Realschule Ostheim oder die Raichberg-Realschule im Osten. Diesen Puffer wird diese Schulart auch deshalb brauchen, weil sie viele Wechsler aus dem Gymnasium aufnehmen muss. Und weil sie längst auch zur Schulart für Hauptschüler geworden ist.

Schulamt denkt über Verbünde von Werkreal- und Realschulen nach

Von den ursprünglich 35 Standorten sind nur noch sieben übrig. Die Anmeldezahlen haben sich erstmals stabilisiert – auf derzeit 182 Fünftklässler. Und die Zahlen schwanken je nach Standort zwischen zwölf und 35 Anmeldungen. Viele dieser Schüler kämen aus den Vorbereitungsklassen, so Rittershofer. Wie viele Inklusionskinder noch dazukommen, steht derzeit noch nicht fest. Im Schulamt denke man mittelfristig über Schulverbünde zwischen Werkrealschulen und Realschulen nach, wo diese bereits benachbart sind: etwa in Ostheim, Vaihingen, Zuffenhausen/Rot und Gablenberg. Somit könnte jeweils ein Leitungsposten eingespart werden. Bei der Stadt gibt es diesbezüglich noch keine konkreten Pläne.

Gemeinschaftsschulen stabilisieren sich wieder

Nach deutlich rückläufigen Anmeldezahlen vor einem Jahr hat sich die junge Schulart zahlenmäßig wieder gefangen; es gibt 366 Anmeldungen. Von den acht Standorten haben drei unter 40 Bewerber, vier sind stabil zweizügig und einer ist mindestens dreizügig. „Mit acht Standorten liegen wir in Stuttgart genau richtig“, meint Rittershofer. Positiv wertet er auch die Perspektive auf Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an einem oder zwei Standorten. Dies strebt auch Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) an.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: