Die Ermittler der Polizei landen weitere Treffer gegen mutmaßliche Mitglieder der schießwütigen Gruppierungen im Großraum Stuttgart. Im jüngsten Fall auf Umwegen.
Die beiden Gruppierungen schießwütiger Straßenkrieger aus der Region müssen mit weniger Mitgliedern auskommen: Wie Landeskriminalamt (LKA) und Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten, sitzen weitere Angehörige der rivalisierenden Cliquen in Untersuchungshaft. Die hatten zwar nicht geschossen – sollen aber mit Rauschgift gehandelt haben. Laut LKA hat es im Zusammenhang mit der Schüsse-Serie seit Sommer 2022 insgesamt 54 Festnahmen in den Reihen der multiethnischen Gruppierungen gegeben.
Nach Informationen unserer Zeitung sollen es zunächst Rauschgiftgeschäfte in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) gewesen sein, die auf die Spur dreier junger Männer im Alter von 19, 20 und 21 Jahren geführt haben. Alle drei sind im Alb-Donau-Kreis wohnhaft. Beim Blick auf die Namen der Verdächtigen klingelte es beim Landeskriminalamt – und zwar bei den beiden älteren Beschuldigten: „Die stehen auf unserer Liste der 550 mutmaßlichen Gruppenmitglieder “, sagt LKA-Sprecher David Fritsch.
Zwei der Verdächtigen stehen auf der LKA-Liste
Dabei handelt es sich um einen 20- und einen 21-Jährigen mit deutschem Pass. Die beiden sollen einer der beiden Gruppierungen mit Gangster-Rapper-Allüren angehören, die sich in der Region mit Waffengewalt auf offener Straße bekriegen. Die rivalisierenden Gruppen haben ihre Schwerpunkte in Zuffenhausen-Göppingen und in Esslingen-Plochingen. Der 19-jährige Deutsch-Pole als Dritter im Bunde war bisher nicht als Mitglied auffällig gewesen. Er zählt für das LKA daher auch nicht zu der Bilanz der 54 Festnahmen.
Die Drogen-Ermittlungen wurden zentral vom Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft Stuttgart übernommen, das Polizeipräsidium Ulm wurde für die Durchsuchung der Wohnungen bei den Festgenommenen im Alb-Donau-Kreis eingeschaltet. Die Ulmer gehören, nach Schüssen in Eislingen (Kreis Göppingen) im Februar 2023, ebenfalls zur Ermittlungskooperation – wie die Präsidien Stuttgart, Aalen, Ludwigsburg und Reutlingen. Bei den Durchsuchungen im angrenzenden Alb-Donau-Kreis fanden die Beamten zwei Schreckschusswaffen, scharfe Munition, mehrere Messer und Betäubungsmittel.
Welche Rolle spielt Schorndorf?
Wie die Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Dienstag außerdem mitteilte, wurde gegen die drei Verdächtigen wegen des Verdachts des bewaffneten gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln Haftbefehl beantragt. Ein Richter des Amtsgerichts Stuttgart schickte alle drei Beschuldigte in Untersuchungshaft – dies passierte übrigens bereits am vergangenen Mittwoch.
Bisher ist Schorndorf im Kampf der Straßenkrieger, deren Achse hauptsächlich entlang der Bundesstraße 10 verläuft, ein Nebenschauplatz. Allerdings gibt es offenbar auch dort Allianzen – und in der Vergangenheit hat es ebenfalls Schießereien gegeben. Schüsse auf das Schaufenster eines Tattoo-Studios im November 2022 waren noch als persönlicher Konflikt gewertet worden. Im Oktober 2023 aber lieferten sich die Insassen zweier Autos in Schorndorf-Weiler ein regelrechtes Feuergefecht. Bis auf einen 20-Jährigen aus dem Kreis Göppingen, der sich später stellte, sind die Beteiligten bis heute unbekannt. „Die Ermittlungen“, sagt LKA-Sprecher Fritsch, „dauern weiter an.“