Spezialisten der Polizei sichern in der Tatnacht am 29. Mai in der Schillerstraße in Göppingen Spuren . Foto: SDMG/Woelfl

Nach der Schießerei in der Göppinger Nordstadt Ende Mai fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Ins Visier sind jetzt offenbar rivalisierende Gruppen geraten. Mehrere Gebäude wurden durchsucht.

Göppingen - Kann man sich in Göppingen noch sicher fühlen? Das fragen sich viele Menschen, nachdem am Abend des 29. Mai ein 23-jähriger Mann auf offener Straße durch eine Kugel getroffen und schwer verletzt worden war. Die Täter sind offenbar keine Bürger von nebenan. Nach Recherchen dieser Zeitung soll es sich um rivalisierende Banden handeln, die sich schon seit Jahren bekriegen. Die Spur führt offenbar ins Rauschgiftmilieu, die Verdächtigen sollen der Polizei bekannt sein. Sie tauchen immer wieder in den Akten der Kriminalbeamten auf.

Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger von der Staatsanwaltschaft Ulm wollte dies am Montag nicht bestätigen. Nur soviel: Die Ermittlungen zu den Tätern liefen derzeit auf Hochtouren, das Opfer befinde sich nicht in Lebensgefahr. „Ob und inwieweit Auseinandersetzungen von rivalisierenden Gruppierungen (mit-)ursächlich für die Tat waren, ist ebenfalls Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, sagte Bischofberger. Der Oberstaatsanwalt wollte auch keine Angaben dazu machen, woher die Täter kommen.

An jenem Samstagabend war auf den 23-Jährigen auf offener Straße geschossen worden. Mehrere Schüsse sollen aus einem Auto heraus von der Schillerstraße auf das Opfer abgefeuert worden sein. Ende vergangener Woche lagen den Ermittlern erste Erkenntnisse vor. Sie hofften aber weiter auf Hinweise von Zeugen. Aufgrund erster Aussagen nach der Tat konzentrierten sich die Ermittlungen laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft Ulm und Polizei auf einen weißen Kleinwagen, aus dem die Schüsse abgefeuert worden sein sollen. An dem Auto soll eine der Scheiben beschädigt sein, gaben Zeugen zu Protokoll.

Schwarzer Kleinwagen sichergestellt

Im Zuge der Fahndung fiel den Ermittlern ein schwarzer Mini auf, der auf einem Parkplatz bei Schwäbisch Gmünd stand. Erste Ermittlungen ergaben eine Verbindung zu Personen, die in den Fokus der bisherigen Untersuchungen geraten waren. Die Polizei stellte das Fahrzeug am 4. Juni sicher. Ein auffälliges Merkmal des schwarzen Kleinwagens ist das aufgeklebte Abbild einer Limette über dem Kotflügel. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse erließ das Amtsgericht mittlerweile Durchsuchungsbeschlüsse für Gebäude im Raum Göppingen und Mannheim, die dem 25-jährigen Nutzer des Fahrzeugs sowie möglichen Zeugen zuzurechnen sind. Bei diesen Durchsuchungen wurden mehrere Gegenstände sichergestellt, die noch ausgewertet werden müssen, hatten Staatsanwalt und Polizei in der vergangenen Woche mitgeteilt. Eine Schusswaffe wurde bis dato nicht gefunden. Auch wie die Täter in den Besitz des Autos gelangten, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt und ist Gegenstand der Ermittlungen.

Nach Informationen dieser Zeitung geht auch die Prügelattacke in Eislingen im Sommer 2019 auf das Konto der rivalisierenden Banden, die offenbar seit Jahren miteinander im Clinch liegen. Damals hatten die Angreifer, die mit einem Auto gekommen waren, beim Hotel „Eichenhof“ am Rewe-Parkplatz mit einem Baseballschläger unvermittelt auf einen BMW eingeschlagen und den Wagen beschädigt. Danach sollen die vermeintlichen Opfer geschlagen worden sein. Den Verletzten – drei Männern damals im Alter von 23, 27 und 28 Jahren – gelang mit dem demolierten Auto noch die Flucht ins Krankenhaus. Der 27-Jährige war bei der Attacke leicht, die beiden anderen Männer schwer verletzt worden.

Ermittler suchen weiter nach Zeugen

Die Polizei bittet in dem Fall weiterhin um Hinweise und fragt: Wer hat am Samstag, 29. Mai, oder am Sonntag, 30. Mai, das verdächtige Fahrzeug im Raum  Göppingen gesehen? Der schwarze Mini fällt durch einen neonfarbenen Schriftzug und eine aufgeklebte neonfarbene, aufgeschnittene Limette auf. Wer hat in der Zeit von Sonntag, 30. Mai, bis Freitag, 4. Juni, das Fahrzeug zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd gesehen? Wer hat in oder bei diesem Auto Personen gesehen oder kann Personen mit diesem Wagen in Verbindung bringen? Wer kann sonstige Hinweise geben? Hinweise an die Kriminalpolizei Ulm unter Telefon 07 31 / 188-0.

Eine Woche nach den Schüssen auf einen 23-Jährigen in Göppingen aus einem Auto heraus stellte die Polizei einen Mini Cooper bei Schwäbisch Gmünd sicher. Der Wagen war auf einem Parkplatz abgestellt.

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