Nah am Feuer gebaut: Laternen mit herkömmlicher Beleuchtung. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Kolumnist KNITZ ist Neuem gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. Nur manchmal braucht er halt eine Weile.

Am Alten Waisenhaus beim Charlottenplatz gibt es Verkehrsprobleme. Radfahrer fühlen sich gefährdet. Autofahrer auch. Von den Fußgängern ganz zu schweigen. KNITZ kennt die Stelle – und meidet sie. Weil sie ziemlich unübersichtlich ist.

 

Ginge es nach KNITZ, müsste man ein Verkehrszeichen erfinden, das besagt: „Obacht, Leute, hier geht es oft ziemlich eng zu. Deshalb tut langsam und gebt Acht aufeinander. Schließlich wollt ihr doch alle gut heim, in die Kneipe oder zur Fußzonenreflexmassage kommen.“

KNITZ sollte lieber scannen üben

Ist natürlich ein bissle viel Text für ein Verkehrsschild. Ob es ein Symbol gibt, das die Bitte zum Ausdruck bringt? Ein mahnender Zeigefinger? Zu oberlehrerhaft. Zwei bittende Hände? Könnte als religiöses Symbol missverstanden werden.

Bevor KNITZ sich jetzt über ein entsprechendes Schild das Hirn zermartert, sollte er lieber scannen üben. Sie wissen schon, Milchtüten, Gurkengläser und Freilandeierkartons mit dem Strichcode so über einen Scanner zu ziehen, bis es piep macht.

Die Fähigkeit könnte künftig vonnöten sein, wenn immer mehr Geschäfte aufs Selbstbezahlen umstellen. Noch, so scheint’s, muss die Kundschaft aber üben. KNITZ hat neulich beobachtet, wie eine Frau, mutmaßlich eine ehemalige Kassiererin, drei Selbst-Abkassierern gleichzeitig helfen sollte. Ein Spaß war das nicht. Und worin die Zeitersparnis liegen soll, ist KNITZ auch noch nicht klar.

Verstehen Sie KNITZ jetzt bitte nicht falsch, er ist kein Zukunftsverweigerer. Aber man muss ja nicht alles Neue auf Anhieb gut finden – also wenigstens nicht sofort.

Ein Handy, groß wie der Oberschenkel eines Dinosauriers

KNITZ erinnert sich noch gut daran, wie er zum ersten Mal einen Menschen mit einem Handy telefonieren sah. Was heißt Handy, das Ding war groß wie der Oberschenkel eines Dinosauriers. Der Kerl saß in einer Autobahnraststätte und brauchte eine gute halbe Minuten, bis er einen Tennistermin klargemacht hatte. KNITZ rätselt noch heute, ob der Typ ein Depp oder ein Wichtigtuer war. Oder womöglich beides.

So ein Ding, dachte KNITZ damals, braucht er nie. Heute meint er, nicht mehr ohne leben zu können.

Als KNITZ erstmals einen Mann in einem pinkfarbenen Hemd sah, war er irritiert. Als KNITZ schließlich selbst auf den Geschmack kam, waren pinkfarbene Hemden fast schon ein alter Hut (aber immerhin herabgesetzt). KNITZ hofft auf die Frühjahrsmode.

Neulich marschierten zwei junge Herren mit Laternen und ihren Vätern im Schlepp am Küchenfenster vorbei. In den Laternen brannten keine Kerzen, sondern LED-Lichter. Gar nicht dumm, dachte KNITZ und erinnerte sich daran, welche Ängste er bei seinen Kindern immer ausgestanden hatte, dass die sich nicht gegenseitig abfackeln. Auch wenn streng genommen keine Laternensaison ist, sang KNITZ vor sich hin: „Laterne, Laterne, so schön ist die Moderne.“

Man kann nicht jeder Gefahr im Leben aus dem Weg gehen. Vielleicht sollte KNITZ doch mal am Charlottenplatz vorbeischauen und sich heldenhaft ins Verkehrsgewühl begeben. Sicherheitshalber würde er eine Laterne mit LEDs vor sich hertragen.