Die Busunternehmen wollen an der Haltestelle Goldäcker in Steinenbronn auch in Zukunft auf der Straße halten – um Zeit zu sparen. Foto: Ralf Recklies

Die Steinenbronner Kommunalpolitiker wünschen sich, dass die Haltestelle Goldäcker an der Landesstraße 1208 eine Haltebucht erhält. Busunternehmen und der Kreis Böblingen lehnen dies bislang aber ab.

Steinenbronn - Die Steinenbronner Kommunalpolitiker sind sich seit langem einig: Die Bushaltestelle Goldäcker an der Landesstraße 1208 am nördlichen Ortseingang der Gemeinde soll um eine Haltebucht ergänzt werden. Zu oft blockieren die dort auf der Straße haltenden Busse den aus Leinfelden-Echterdingen kommenden Verkehr und sorgen für zusätzliche Staus – insbesondere im Feierabendverkehr. Die Hoffnung, das Problem schnell lösen zu können, war Mitte 2019 recht groß, nachdem Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart sich die Situation angesehen und die Bereitschaft des Landes signalisiert hatten, die Kosten für die Bauarbeiten zu übernehmen.

Inzwischen überwiegt bei den Mitgliedern des Gemeinderats aber der Frust. Bei einer Verkehrsschau am 4. Dezember 2019 wurde nämlich keine Lösung der Kommune mit dem ÖPNV-Amt der Böblinger Kreisverwaltung und Vertretern von Verkehrsunternehmen, darunter auch der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS), gefunden. Der Landkreis habe „den gewünschten Bau einer Bushaltebucht abgelehnt“, verkündete Lukas Lang, Chef des Steinenbronner Ordnungsamts, bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

VVS: In Bushaltebuchten geht Zeit verloren

Voraussetzung für einen Umbau ist, wie das RP auf Anfrage mitteilt, dass eine gemeinsame Lösung von Kreis und Gemeinde gefunden wird. Der VVS, so teilt dessen Sprecherin Ulrike Weißinger mit, hält aber „Bushaltebuchten grundsätzlich für überholt, weil sie nur dem Individualverkehr nützen. Ein Halt – wie bis jetzt – bevorzugt den ÖPNV, was unserer Meinung auch wünschenswert ist.“

Insbesondere durch das Ausfahren aus einer Haltebucht würden 30 bis 40 Sekunden verloren gehen. „Wir haben den täglich 2000 Busfahrgästen aus Steinenbronn gegenüber eine Verpflichtung hinsichtlich der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Anschlüsse. Dazu kommen noch einmal 2800 Fahrgäste aus Waldenbuch.“ Würde die Bushaltebucht zudem – wie vorgesehen – um 60 Meter in Richtung Kindergarten verlegt, werde dies „ein Erschließungsdefizit im Norden Steinenbronns nach sich ziehen“, begründete der VVS seine Haltung, die auch das ÖPNV-Amt des Kreises Böblingen so sieht. Die Anschlüsse an die Schönbuchbahn, den Flughafen und in Tübingen könnten bei Nutzung einer Bushaltebucht möglicherweise nicht rechtzeitig erreicht werden.

„Es sollte jetzt innerörtlich noch einmal nach Alternativen gesucht werden“, sagt ein Sprecher des Kreises Böblingen. Dazu gehört auch, ob Busse über die Ludwig- und Goldäckerstraße fahren könnten.

Räte kritisieren die Verkehrsschau

Für Dieter Menzel, den SPD-Fraktionsvorsitzenden, war nicht die Entscheidung eine Frechheit, die Verkehrsschau bezeichnete er zudem als „eine Farce-Veranstaltung“, die vor allem „von der Arroganz der beteiligten Vertreter der Busunternehmen“ geprägt gewesen sei. Wolfgang Miller (CDU) wurde noch deutlicher: „Ich halte das für eine Sauerei.“ Mit „das“ meinte der CDU-Gemeinderat, dass die Beteiligten der Verkehrsunternehmen sich nicht einmal die Mühe gemacht hätten, die Haltestelle anzuschauen. „Das Ergebnis ist daher abzulehnen“, sagte er und übte auch Kritik an der Fachbehörde im Böblinger Landratsamt: „Da wird nicht sachgerecht geprüft und entschieden.“ Für Roland Kißling von den Freien Wählern gab es nur eines: „Wir müssen im Landratsamt mal richtig auf den Tisch hauen.“ Und für die Fraktionschefin der Freien Wähler, Gitta Obst, stand fest: „Wir dürfen uns damit nicht zufrieden geben.“

Dass die Ausfahrt aus der Haltebucht so viel Zeit wie angeführt kostet, glaubte kein Steinenbronner Ratsmitglied. „Ich kenne keinen Busfahrer, der wartet. Die setzen den Blinker und fahren los“, wetterte Dieter Menzel. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Schweizer betonte indes: „Für uns gibt es keine bessere Lösung als die Bushaltebucht.“ Es gehe primär um die Sicherheit der Fahrgäste. Die alternativ vorgebrachte Idee, Busse über die Ludwig- und Goldäckerstraße zu führen, kann nicht nur er nicht nachvollziehen. „Das funktioniert nicht“, sagte Stefan Hauser (Grüne), „nicht einmal dann, wenn da keine Autos parken“.

Rathauschef soll Brief an den Landrat schreiben

„Wir müssen uns jetzt an die nächste Instanz wenden“, sagte Obst und hatte mit dieser Forderung das Gremium hinter sich. Einstimmig beauftragten die Ratsmitglieder Bürgermeister Johann Singer, in einem Brief an Landrat Roland Bernhard die Steinenbronner Position noch einmal unmissverständlich darzulegen.

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