Die Klagen über Schienenlärm in Vaihingen und Möhringen gibt es seit Jahren. Jetzt zwingen drei Fraktionen im Rathaus die Verwaltung und die SSB, zu zeigen, wie man Abhilfe schaffen kann.
Vaihingen/Möhringen - Der ÖPNV-Ausbau ist richtig, aber wir müssen auch etwas gegen den Stadtbahnlärm tun“, sagen die Gemeinderatsfraktionen von CDU, Grünen und SPD. Mit einem gemeinsamen Antrag wollen sie die Stadt und die Stuttgarter Straßenbahnen dazu bringen, Maßnahmen gegen den Schienenlärm zu ergreifen. Am 30. April soll das Thema im Ausschuss für Klima und Umwelt behandelt werden. „Der Antrag ist vom für Vaihingen zuständigen Betreuungsstadtrat Jürgen Sauer von der CDU und mir auf den Weg gebracht worden, angestoßen hat ihn die Bürgerinitiative gegen den Schienenlärm“, sagt der SPD-Fraktionsführer im Gemeinderat Martin Körner.
Umfangreicher Fragenkatalog an Verwaltung und SSB
Des Problemdrucks wegen ist der Gemeinschaftsantrag der drei Fraktionen sehr umfangreich. Dabei geht es auch um Themen, die für die Filderebene von Bedeutung sind. So soll die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) über die Möglichkeit informieren, oberirdische Strecken unter die Straße zu verlagern wie dies in Vaihingen bereits untersucht werde. Zudem wollen die Stadträte erfahren, welche zusätzlichen Ausgaben beim Bau der Übereckverbindung Pflugmühle bei einer lärmmindernden Begrünung der Gleisflächen entstehen würden und welche Auswirkungen der bisher vorgesehene Bau im Schotteroberbau auf die Förderfähigkeit durch das Land hat. Die SSB soll berichten, ob an dieser Stelle im Zuge des Neubaus Versuche mit neuen Schmierstoffen durchgeführt werden könnten, mit denen Lärmemissionen beim Kurvenfahren reduziert werden könnten.
Dass im Gemeinderat Bewegung ins Spiel kommt, freut die Mitglieder und Unterstützer der Bürgerinitiative gegen den Stadtbahnlärm, die in den Stadtbezirken Vaihingen und Möhringen unter dem Krach leiden. „Wir sind sehr dankbar. Der fraktionsübergreifende Antrag hat Gewicht und er zeigt uns, dass das Problem in der Politik angekommen ist“, sagt der Vaihinger Jürgen Häberle, der Sprecher der Bürgerinitiative. Man sei nicht gegen die Stadtbahn und deren Ausbau, denn die Mitglieder nutzten das öffentliche Verkehrsmittel selbst. Man wolle lediglich, das etwas gegen den Lärm getan werde.
Bürgerinitiative fordert vorerst Baustopp der Pflugmühlenkurve
Sehr wichtig, sagt Häberle, sei der Bürgerinitiative das Thema Pflugmühlenkurve, für die nun Baurecht bestehe und über die die U 17 durch den Synergiepark nach Dürrlewang geführt werden soll: „Die Anwohner dort verstehen nicht, dass man beim Bau nicht von Anfang an auf ein lärmdämmendes, begrüntes Gleisbett setzt. Das würde nicht nur dem Lärmschutz nützen, sondern auch der Umwelt.“ Außerdem habe er gelesen, dass möglicherweise eine weitere Stadtbahnverbindung von Leinfelden aus über die Pflugmühlenkurve geführt werde, obwohl im Planfeststellungsverfahren lediglich von einer Linie, nämlich der U 17, die Rede gewesen sei. „Wenn jetzt der Lärm einer weiteren Linie berücksichtigt würde, dann könnten einige Anwohner Schallschutzfenster bekommen“, sagt Häberle. Bis zur Klärung der Sachverhalte fordere die Bürgerinitiative erst einmal Baustopp für die Pflugmühlenkurve.
Politiker und Initiative pflegen konstruktiven Dialog
Wie dem auch sei: Auf die SSB lässt Jürgen Häberle nichts kommen, weil man sich dort ebenfalls der Problematik bewusst sei: „Ich sehe dort keinen Schuldigen. Man braucht jetzt politische Entscheidungen für Finanzmittel, damit man Lärmschutz umsetzen kann.“ Von dieser differenzierten Sicht der Dinge zeigt sich auch Martin Körner sehr angetan: „Wir nehmen die Bürgerinitiative als sehr konstruktiv wahr. Es ist jetzt wichtig, dass das Thema Schienenlärm, über den im gesamten Stadtgebiet immer mehr Klagen kommen, systematisch angegangen wird.“