Die Gerberin Ellen Kühfuß zeigt, wie die Haut zu Leder wird. Foto: Ines Rudel

Bei den Schäfertagen in Beuren zeigt sich am Wochenende die Vielseitigkeit eines Nutztiers, das immer seltener gehalten wird.

Beuren - Sie erzeugen Wolle und Felle, Milch und Fleisch. Außerdem sind sie echte Landschaftspfleger. Trotzdem wird der Anblick einer umherziehenden Schafherde immer seltener. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten lädt das Freilichtmuseum in Beuren zu den Schäfertagen ein, um über die Schafhaltung, den Nutzen und die Produkte der Tiere zu informieren.

Am vergangenen Wochenende kamen vor allem Familien mit kleinen Kindern nach Beuren. Besonders spannend war das Schauhüten. Dabei demonstrierten die Schäfer Uta Reichenbach und Andreas Walz, wie eine Herde mit Hunden gelenkt wird. Dicht gebückt und mit spitzen Ohren fixierte der Kelpie die Schafe. Auf das Kommando der Schäferin sprintete er los, um die Schafe zu lenken.

Der Hund beißt dem Schaf in die Nase

Allerdings sind die großen Merinoschafe dem relativ kleinen Hund körperlich überlegen. Ein alter Bock kann schon einmal eine Höhe von 90 Zentimetern haben und 140 Kilogramm auf die Waage bringen. Der Kelpie bringt es dagegen nur auf 16 bis 20 Kilogramm. Doch die Hunde sind clever, schnell und wendig.

Und wenn ein mutiges Schaf doch einmal zum Angriff übergeht, beißt ihm der Hund, in Notwehr sozusagen, in die Nase und das Schaf bricht seinen Angriff ab. „Der Hund lässt sich nicht von den Schafen provozieren“, berichtete der Schäfer Andreas Walz. „Und das Schaf weiß, solange es tut, was der Hund will, lässt er es in Ruhe.“

Wenige Meter weiter auf dem elf Hektar großen Museumsgelände im Alb-Dorf zeigte Ellen Kühfuß, wie die Häute der Schafe zu Taschen, Handschuhen und Fellen weiterverarbeitet werden. „Erst nach dem Gerben wird aus der Haut ein Leder“, erklärte sie dem Publikum. Zunächst werde die Haut mit Salz eingerieben, anschließend öffne ein Gerber mit Säure die Poren der Haut. Einst war es vor allem die Wolle der Tiere, die genutzt wurde. Im Freilichtmuseum wurde gezeigt, wie vom Kämmen über das Stricken, Weben und Filzen ein Kleidungsstück entsteht.

In fünf Minuten wird aus einem Fellknäuel ein nacktes Schaf

Neben den Fellen wird die Wolle der Tiere weiterverarbeitet. Hermann Voigt kennt sich aus mit der Schafschur. Seit 62 Jahren rasiert der Mann Schafe. Routiniert geht er dabei vor, wie das Publikum beim Schauscheren sah. Es dauerte kaum fünf Minuten, bis aus einem dicken Fellknäuel ein nacktes Schaf wurde. „Man muss sie scheren, sonst wird es den Tieren zu viel. Es geht darum, dass man die Tiere befreit“, erklärte Daniel Kondratiuk, der Verantwortliche beim Freilichtmuseum Beuren für die Schäfertage. Zwischen zwei und sieben, von Spitzenschafen auch bis zu zehn Kilogramm Wolle, könnten von einem Tier gewonnen werden. Die Wolle, deren einzelne Härchen 30 Mal feiner als ein Menschenhaar seien, sei wasserabweisend und schwer entflammbar. Dass die Schafe bei der Ganzkörperrasur immer wieder auch Verletzungen auf der Haut erlitten, sei nicht schlimm, beteuerte Kondratiuk. „Dem Tier macht das nix.“

Trotz der Vielseitigkeit der Schafe wird der Anblick eines umherziehenden Schäfers zwischen Alb und Neckar immer seltener. „Es ist ein schwieriger Job“, weiß Kondratiuk vom Freilichtmuseum. „Man verdient nicht viel Geld und hat jeden Tag Dienst.“ Gleichzeitig könnten hiesige Schäfer mit ihren 500 bis 800 Tieren nicht mit den Preisen australischer und neuseeländischer Schäfer, die Herden mit 10 000 Tieren hätten, konkurrieren. Der Großteil des Erlöses der württembergischen Schäfer stamme deshalb aus Zuschüssen.

Merino-Schafe sind echte Allrounder

Die Merinoschafe wurden im 18. Jahrhundert aus Spanien nach Württemberg geholt. Sie sind ideal, um zwischen der Alb und dem Neckartal umherzuziehen. „Sie sind super geeignet, Flächen abzugrasen“, sagt Kondratiuk. Der (Schaf-)Bock wird sozusagen zum Gärtner gemacht, und in diesem Fall ist das auch gut so. Die Tiere sind nämlich echte Allrounder. Sie grasen auch an Lagen, wo es mit dem Mäher schwierig wird. Durch ihr Fressverhalten und ihre Trittspuren pflegen sie Streuobstwiesen und Wachholderheiden.

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