Seit Jahrzehnten ist das Eiscafé Fragola ein wichtiger Treffpunkt für die Anwohner am Bismarckplatz. Foto: Joe Bauer

Anwohner haben bei den Platzgesprächen im Westquartier zum Bismarckplatz heftig diskutiert. Sie wollen vor allem vor dem Eiscafé Fragola keinerlei Veränderungen. Besonders die Grünfläche dort soll in jedem Fall erhalten bleiben.

S-West - Seinen kurzen Vortrag beenden, konnte der Architekt Philipp Dechow nicht, weil Anwohner ihn ständig mit wütenden Zwischenrufen unterbrachen. Rainer Benz und Eckhard Ernst vom Forum Lebendiger Westen hatten zu der Reihe „Platzgespräche“ ins Westquartier eingeladen. Thema des Nachmittags war die Neugestaltung des Bismarckplatzes durch das Internationale Stadtbauatelier (Isa). Die Maßnahmen gehört zum Sanierungsgebiet Stuttgart 28. Konkret ging es bei dem Treffen um die Fläche vor dem Eiscafé Fragola. Dort hat Dechow geplant, die Bismarckstraße zu verlegen – und zwar näher an das Fragola. Damit würden wohl einige Bäume sowie Teile der Grünfläche vor dem Café wegfallen.

Für die Anwohner ist das Fragola nicht einfach irgendein Café, sondern „ihr“ Café

Nun ist das Fragola für die Anwohner nicht einfach irgendein Café. Das hatten Dechow und Martin Holch, der Leiter des Sachgebietes Stadterneuerung beim Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung (ASS), unterschätzt. „Es war uns nicht bewusst, dass das Thema Fragola so emotional besetzt ist“, räumte Dechow ein. „Im Fragola habe ich nie gesessen“, ergänzte er – was bei den rund 50 Teilnehmern wiederum für Aufschreie sorgte.

Der Stuttgarter Gestalter Johannes Milla bemühte sich daher um Aufklärung: „Es geht hier um das Fragola, das Herz des Stuttgarter Westens.“ Es sei nicht einfach nur ein Café wie all die neuen, die sich in den vergangenen Jahren dort angesiedelt hätten. Es sei mehr: „Das Stadtviertel-Herz, ein Multikultisozialer-Treffpunkt, ein kostengünstiges Café“, zählte Milla auf. Und das seit Jahrzehnten. Die neuen Sachen seine ja „ganz nett“. Aber: „Wenn es diesen Ort so nicht gäbe, müsste der Bezirksbeirat ihn erfinden.“

Ein Verkehrsversuch soll zeigen, ob die Straße entlang des Cafés überhaupt nötig ist

Ein deutliches Statement, das Milla viel Beifall brachte, die beiden Planer jedoch etwas irritiert zurückließ. So hatte es doch im Vorfeld ein sehr umfangreiches Bürgerbeteiligungsverfahren gegeben. Die Jury des Planungswettbewerbs hat unter anderem deshalb dem Internationalen Stadtbauatelier unter acht Bewerbern den Zuschlag gegeben, weil es ihnen gelungen war, all die unterschiedlichen Forderungen der Bürger und der Anwohner irgendwie zu vereinen.

In der Regel treffen bei solchen Bürgerbeteiligungsverfahren unterschiedliche Wünsche aufeinander. Die einen wollen einen „urbanen Platz“ mit Café und Spielplatz; die anderen wollen am liebsten viel Grün und ansonsten ihre Ruhe. Manche hätten gerne Flächen für Urban Gardening, andere welche, um Sport zu treiben. So in etwa war es auch am Bismarckplatz. Im Vordergrund stand aber, dass der Platz ein richtiger Platz werden sollte – und nicht wie bisher in einzelne Segmente unterteilt ist. Das ist nun auch das Ziel.

Wie die genaue Gestaltung am Fragola aussieht, ist aber noch nicht wirklich klar. Das Stadtplanungsamt will dort im Sommer erst einmal einen Verkehrsversuch durchführen. Was wäre, wenn die Bismarckstraße eine Einbahnstraße wäre oder vielleicht sogar überhaupt nicht mehr da wäre?

Manche halten die Pläne insgesamt für den größten Unsinn

Das will man testen, kündigte Martin Holch an. Sollte die Straße wegfallen, würde ja auch die Grünflüche bleiben, vielleicht sogar größer werden. Die wiederum ist den Anwohnern wichtig, weil dort Kinder im Sichtfeld der Eltern spielen können.

Die Straße wegzunehmen, halten wiederum andere für Irrsinn, weil es zu größeren Belastungen auf den anderen Straßen führen würde. Das glaubt zumindest der ehemalige Bezirksvorsteher des Westens und Altstadtrat Rudolf Bläser.

Eckhard Ernst glaubt das nicht. „Das Problem ist im Westen doch eher, dass man einen Parkplatz auf keinen Fall freiwillig aufgibt.“ Nach seinem Gefühl würden 90 Prozent der Autos im Westen aus diesem Grund überhaupt nicht bewegt „Innerhalb der Blocks ist wenig Verkehr.“ Er wäre deshalb dafür, die Straße am Fragola wegzunehmen. Damit gäbe es dort sogar überhaupt keine Autos. „Dann wäre die Situation vor dem Café perfekt“, sagte Ernst.

Einige würden das Café gerne an einen neuen Standort verlegen

Markus Bach, der stellvertretende Fraktionssprecher der CDU im Bezirksbeirat West, hatte noch eine andere Idee. Denn dort, wo auf der Grünfläche am Bismarckplatz unterhalb der Schwabstraße bisher ein Toilettenhäuschen ist, soll ohnehin laut den Planungen ein Café hin. „Man könnte dem Fragola dort einen neuen Standort geben“, sagte er. Die Betreiber hätten dann nur ein paar Meter weiter wesentlich bessere Bedingungen. „Das Lokal hat für die, die hier wohnen, einen Wert. Da müssen wir uns doch nicht vernageln.“ Rainer Benz unterstützte diese Idee: „Für mein Dafürhalten muss da das Fragola hin.“

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