Die Schwabstraße soll auf Höhe des Bismarckplatzes verengt werden. Foto: Amadeus Banerjee

Martin Holch informiert bei den Platzgesprächen über die städtischen Verkehrspläne am Bismarckplatz.

S-West - Der Bismarckplatz im Stuttgarter Westenwird nicht immer als Platz wahrgenommen. Das Problem: Die Schwabstraße durchtrennt den Platz in der Mitte. Vier Spuren bilden an dieser Stelle eine Schneise, doch genau die soll es bald nicht mehr geben.

Bei den letzten Platzgesprächen im Westquartier sprach Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Starterneuerung vor Anwohnern über den Siegerentwurf zur Umgestaltung des Bismarckplatzes.

Nach sechs Monaten Testphase wird final entschieden

Dieser soll in einem zeitlich begrenzten Versuch in die Realität umgesetzt werden. „Sechs Monate würden wir den Platz mit einfachen Mitteln so umgestalten, wie er am Ende final auch werden soll“, beschreibt Holch die Pläne. Am Ende dieser temporären Verkehrsberuhigung stehe dann, so der Plan, hoffentlich eine Erkenntnis. „Ich persönlich bin mir sicher, dass die Umbaupläne funktionieren, aber jeder Anwohner soll sich in dieser Testphase sein eigenes Bild machen können.“

Aus der am Bismarckplatz bislang vierspurigen Schwabstraße soll am Ende eine nur noch zweispurige Straße werden. Dadurch würde der Platz automatisch vergrößert. Zudem soll sich die Straße optisch mehr in den Platz einfügen. Die zwei Ampeln, die es bislang braucht, um den Platz zu queren, sollen nach dem Entwurf entfallen; stattdessen könnten die Leute in Zukunft an jeder Stelle des Platzes über die Straße gehen. Haltebuchten für die Linienbusse soll es ebenfalls nicht mehr geben. Die Busse sollen stattdessen auf der Fahrbahn anhalten, während die Fahrgäste ein- und aussteigen.

Rund vier Millionen kostet die ganze Maßnahme

Die Umsetzung all dieser Maßnahmen bedeutet Kosten in Höhe von rund vier Millionen Euro. Bevor es zu den konkreten Umbauten kommt, sollen die provisorischen Baumaßnahmen den finalen Plan simulieren. Kommt es zu Beeinträchtigungen des Verkehrs? Steigt die Lebensqualität für die Anwohner tatsächlich? Antworten auf diese Fragen soll eben jener temporäre Versuch liefern.

„Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Ganze mit Computerprogrammen zu simulieren“, erklärt der Städteplaner. Doch eine virtuelle Computersimulation sei immer leichter angreifbar als ein Versuch unter Realbedingungen. „Außerdem ist eine Simulation sehr abstrakt und nicht greifbar für den Bürger.“

In einer ersten Stufe soll die auf sechs Monate begrenzte Verkehrsberuhigung geplant und unter anderem vom Bezirksbeirat abgesegnet werden. Anschließend würden die provisorischen Baumaßnahmen erfolgen. „Wir würden den Versuch gerne noch in diesem Jahr durchführen, um 2019 mit der Endplanung beginnen zu können“, sagt Holch. 2020 könnte dann mit der finalen Umsetzung begonnen werden.

Eltern fordern sicherere Schulwege

Die Rückmeldungen bei den Platzgesprächen fielen verschieden aus. Unterstützung gab es beispielsweise vom Vorsitzenden des Elternbeirates der Schwabschule. „Jede Veränderung der momentanen Situation ist für uns Eltern eine Verbesserung“, sagt Martin Schick. Die Verkehrsberuhigung gebe den Schülern mehr Sicherheit auf dem Schulweg.

Doch auch Zweifel und Unsicherheiten waren zu erkennen. „Ich würde mich nicht trauen, einfach so über die Schwabstraße zu laufen“, sagte eine Anwohnerin. Irgendwie müsse auf jeden Fall für Autofahrer ersichtlich sein, dass auf Höhe des Bismarckplatzes Fußgänger die Fahrbahn kreuzen könnten. Auch die wegfallende Haltebucht für Busse wurde nicht von allen positiv aufgenommen. So würde es mit Sicherheit zu Staus kommen, wenn der Bus einfach auf der Fahrbahn halte.

Martin Holch schien die Bedenken und Zweifel der Anwohner zu verstehen. Schlussendlich sei dieser temporäre Versuch genau dazu gedacht, all diese Fragen zu klären und am Ende zu einer Erkenntnis zu kommen.

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