Für Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind, gibt es zahlreiche Projekte und Wohnmöglichkeiten Foto: dapd

Der Gesprächskreis in der Brenzkirche hat sich am Dienstag mit dem Wohnen im Alter befasst.

S-Nord - Wenn er in hohem Alter noch in seinem Haus wohnen bleiben wolle, dann wären einige Umbauarbeiten notwendig, sagt Heiko Rutenkröger. Seine Haustür zum Beispiel sei nur über eine Treppe erreichbar. Diese führe um die Ecke und sei gefliest, auf der glatten Fläche könne man leicht ausrutschen. Heiko Rutenkröger arbeitet im Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Er pendelt zu seinem Arbeitsplatz, seit fünf Jahren wohnt er in der Friedrich-Ebert-Straße im Stuttgarter Norden. Beim Kuratorium Deutsche Altershilfe beschäftigt er sich mit der Weiterentwicklung von Forschungsprojekten im Bereich Pflege. Am Dienstagnachmittag hat er im Gemeindezentrum der Brenzkirche ganz konkrete Tipps zum Thema „Wohnen im Alter“ gegeben. In den Räumen am Killesberg trifft sich einmal im Monat ein Gesprächskreis, der von dem Pfarrer Karl-Eugen Fischer organisiert wird. Zuerst gibt es dort Kaffee, Brezeln und Kuchen, danach hält der jeweils eingeladene Referent seinen Vortrag.

Heiko Rutenkröger beginnt mit Statistik. 93 Prozent der über 65-Jährigen wohnen demnach noch in einer herkömmlichen Wohnung, lediglich vier Prozent in einem Alten- und Pflegeheim. „Eine überraschende Zahl“, sagt Rutenkröger. Wer lange im eigenen Zuhause bleiben wolle, sei auf viele Dinge angewiesen: eine gute Nahversorgung, breite Gehwege, Ruhemöglichkeiten, Naherholungsflächen mit Begegnungsmöglichkeiten und öffentliche Toiletten zählten dazu.

Im Stuttgarter Norden sei einiges davon gegeben, an anderem mangele es aber auch dort. „Die Ampel vor der Kunstakademie hat für Menschen, die schlecht zu Fuß sind, eine viel zu kurze Grünphase“, nennt Heiko Rutenkröger ein Beispiel. Die Gäste weisen auf das neue Quartier Killesberghöhe hin: „Es ist ein Segen, dass wir die neuen Einkaufsmöglichkeiten dort haben“, sagt eine Besucherin des Gesprächskreises. Das Augustinum, ergänzt Heiko Rutenkröger, sei vergleichbar mit einem Dorf allein für Senioren. Es gebe ein Restaurant, einen Friseur, einen Arzt und andere Geschäfte. „Nicht viele der Wohnungen, die auch nicht gerade preisgünstig sind, stehen leer“, sagt er. „Das Interesse an einem derartigen Modell ist also vorhanden.“

Integrierung der Demenzkranken

Heiko Rutenkröger zählt weitere geeignete Wohnformen für ältere und pflegebedürftige Menschen auf. Neben dem Alten- und Pflegeheim sei dies das Mehrgenerationenwohnen, Projekte also, bei denen junge Familien mit älteren Menschen zusammenleben. Dazu zählen auch Senioren-Wohngemeinschaften und barrierefreie Wohnungsneubauten. Rutenkröger warnt er vor Fallstricken im betreuten Wohnen, da der Begriff ungeschützt sei. „Rund um die Uhr kann bedeuten: nur zwölf Stunden. Auch der Begriff Krankenschwester ist heute nicht mehr geschützt.“

Nicht immer werden gute Ideen Realität: Monika Renninger, Pfarrerin in der Nordgemeinde, berichtet, wie ihre Gemeinde einmal alternative Wohnformen für Demenzkranke entwickeln wollte. „Es haben sich Träger gemeldet, die sich Projekte wie eine Pflegewohngruppe hätten vorstellen können“, sagte sie. „Allerdings haben sich keine Demenzkranken oder deren Angehörige gefunden.“

Heiko Rutenkröger sieht die Zukunft in altersgerechten Quartierskonzepten: „Demenzkranke sollen ins Quartier integriert werden.“ Neben den genannten Kriterien seien außerdem ein seniorentaugliches Umfeld und ein solides Netzwerk notwendig. Einige der Gäste sehen das im Stuttgarter Norden gegeben. „Man kennt und hilft sich im Stadtteil“, sagt eine Besucherin.

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