Das Seniorenzentrum darf noch nicht abgerissen werden, die Umquartierung der Bewohner ist damit fürs Erste vom Tisch. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus im Gemeinderat bezweifelt, dass das Seniorenzentrum „Haus am Killesberg“ beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in den richtigen Händen ist. Die SPD spricht von „Nötigung“.

Stuttgart - Für die hochbetagten Bewohner des Hauses am Killesberg, die sich mit allen Kräften gegen den Umzug in ein DRK-Haus im Roser-Areal wehren, ist das eine gute Nachricht: „Der Zeitplan kann nicht eingehalten werden.“ Das Eingeständnis des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), dass Abriss und Neubau des Seniorenzentrums vorerst auf Eis gelegt werden müssen, bedeutet: Die Umquartierung der Bewohner zum kommenden August ist vom Tisch.

Bis auf Weiteres fort führt der DRK-Kreisverband den Betrieb im Haus am Killesberg, weil die Stadt noch kein Einverständnis zu den Neubauplänen gibt. Auch in der Pflegestation werden wieder Bewohner aufgenommen – wenn auch nur auf Grund der ungewissen Situation in der Kurzzeitpflege.

SPD: „Wir müssen die Bewohner schützen“

Also alles gut? Von wegen. „Das Schreiben des DRK an die Bewohner hat meine Fraktion und mich erschüttert“, stellt die SPD-Stadträtin Marita Gröger fest. Darin heißt es: Wer nicht zum August ins DRK-Haus im Roser-Areal umziehe, dem werde der Kreisverband „keine Ersatzwohnungen mehr im ‚Wohnen am Roser‘ anbieten können, da bis dahin dort alle Appartements vermietet sein werden“. Außerdem sehe man sich „gezwungen“, freiwillige Leistungen im Haus auf dem Killesberg „gegebenenfalls“ einzuschränken.

„Das macht Bewohnern und Angehörigen Angst“, sagt Gröger und stellt fest, dass sei „fast Nötigung“. Täglich erhält sie besorgte Anrufe von den Betroffenen. Ein Fall sei besonders krass: Eine Bewohnerin habe das DRK-Haus am Sommerrain besichtigt, sich aber Bedenkzeit in Sachen Umzug dorthin erbeten. „Trotzdem wurden ihre Möbel und Kleider für den Umzug zusammengepackt. Ein Verwandter hat die Sache dann abgeblasen“, so Gröger. Ihre Fraktion hat jetzt den Antrag gestellt, in der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsschusses am 13. März auch die Möglichkeit eines juristisch nicht einfachen Heimfalls des Hauses am Killesberg an die Stadt zu thematisieren. „Wir müssen die Bewohner schützen. Darauf haben sie ein Anrecht“, stellt Gröger fest und will auch wissen, mit welchem Investor sich das DRK für einen möglichen Neubau zusammen tun will.

Bürgermeister Wölfle: „Wir brauchen dringend Pflegeplätze“

Noch einen Schritt weiter geht der Antrag der SÖS/Linke-plus. Die Fraktionsgemeinschaft fordert, dass Maßnahmen ergriffen werden, damit das Haus nach Ablauf des Erbpachtvertrags an die Stadt fällt und nach einem anderen Trägern gesucht wird. Thomas Adler begründet den Antrag mit dem „beschämenden Verhalten“ des DRK gegenüber den „oft gesundheitlich angeschlagenen Bewohnern“ des Hauses.

Die CDU-Stadträtin Beate Bulle-Schmid kritisiert vor allem die ungute Informationspolitik des DRK. Die hält auch Sozialbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) für „suboptimal“. Er hätte außerdem erwartet, dass das DRK den jetzigen Bewohnern vom Haus am Killesberg dort eine Wohnzeit von ein bis zwei Jahren garantiert. Wölfle: „Schneller gibt es sowieso keine Abrissgenehmigung, falls sie überhaupt erteilt wird.“ Die richtige Entscheidung hingegen sei es, den Betrieb samt Pflege vorerst weiterzuführen. „Ein fast leeres Haus ist unwirtschaftlich, und die Pflegeplätze brauchen wir dringend.“

Der Kreisverband des DRK hält sein Vorgehen für korrekt. „Wir haben die Bewohner gut informiert. Und so lange wir nicht wissen, wie es weitergeht, können wir keine Zusagen geben“, sagt Kreisgeschäftsführer Frieder Frischling. Davon, dass eine Bewohnerin zum Auszug genötigt worden sei, könne keine Rede sein. Im Sommerrain sei ein Platz frei geworden und die Dame gefragt worden, ob sie umziehen will. Sie habe zugestimmt. Nachdem gepackt war, habe sie es sich anders überlegt. „Die Mitarbeiter haben ihr Zimmer sofort wieder eingeräumt“, versichert Frischling. ÖS/Linke-plus bezweifelt, dass das Seniorenheim in den richtigen Händen ist, die SPD spricht von „Nötigung“.

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