Mit rosa Perücke und „Pädo-Bär“: Ein Maskenmann macht Kinder in der S-Bahn an Foto: pg

Ein bunt kostümierter Maskierter hat in einer S-Bahn drei Jungen in sexuelle Gespräche verwickelt, mit offenbar pädophilem Hintergrund. Fahrgäste schauen weg. Und ein Vater der Buben fühlt sich von der Polizei nicht ernst genommen.

Stuttgart - Der Mann trägt eine rosa Perücke, sein Gesicht ist mit einem schwarzen Tuch verdeckt, er trägt ein buntes Röckchen, hat sich zwei Nikolausmützen als Büstenhalter befestigt, die Brustwarzen als Bommel an einer Spiralfeder. Auf der Perücke hat der Fremde ein Schild befestigt, mit einer wirren Botschaft: „Für unser islamisch Abendland sind schwule Lehrer eine Schand! Denn sie schänden Kinder.“ In der Hand trägt er eine Puppe namens Pädo-Bär, sein Auftritt wirkt skurril und bedrohlich. In einer S-Bahn der Linie S 5 von Stuttgart nach Bietigheim hat er drei elfjährige Jungs ins Visier genommen. Für die Polizei ist das indes keine strafbare Handlung.

Der Maskenmann verwickelt die Jungen in ein Gespräch über Sexualität. In einer unangemessenen Sprache mit eindeutiger Zielrichtung. „Du bist ja frühsexualisiert, ganz verdorben“, sagt er. Das Spiel eines offenkundig pädophilen Menschen. „Der Pädo-Bär vergreift sich . . . – an was soll er sich vergreifen? An deinem Ohr!“ Die Buben finden das lustig. Wie Kasperletheater. Der Mann steckt die Bommel-Brustwarzen in den Mund.

Fahrgäste sind teilnahmslos

Der Vater eines der elfjährigen Buben findet das gar nicht witzig. Was er auf den Handy-Videos sieht, die von den Jungs bei der S-Bahn-Fahrt am vergangenen Freitag gegen 15.20 Uhr von Stuttgart nach Bietigheim mit ihren Smartphones gemacht wurden, entsetzt ihn. „Zumal der Kerl noch ein paar Sachen gesagt hat, als das Handy noch nicht filmte“, sagt er. Bemerkenswert außerdem: Der Film zeigt, wie Fahrgäste wortlos an dem seltsamen Mann vorbeigehen. Keiner weist ihn zurecht.

Die eigentliche Geschichte wird für den Vater aber erst später völlig unverständlich. Als der Besigheimer am Freitag gegen 18.30 Uhr beim Polizeirevier Bietigheim Anzeige erstattet, fühlt er sich nicht ernst genommen. „Die Beamten haben gesagt, man könne keine strafbare Handlung erkennen.“ Für den Vater ist das „ein Skandal“. So baue man Vertrauen in die Staatsorgane ab.

Die Polizei ermittelt dann doch: Am Montag stellt sich heraus, dass es sich um einen polizeibekannten Mann handelt, der schon seit Jahren provokante Auftritte dieser Art hinlegt. Ein vor Jahren suspendierter Pforzheimer Lehrer, belegt mit Platzverweisen und Hausverboten, zeitweise in einer Psychiatrie untergebracht, verwaltungsrechtlich um seine Rehabilitation kämpfend.

Polizei: Haben „nicht falsch gehandelt“

Er selbst bezeichnet sich dagegen als „Schülerschützer“. Alles habe nur pädagogische Gründe, er wolle nur aufklären. Für Ludwigsburgs Polizeisprecher Peter Widenhorn haben die Bietigheimer Beamten denn auch „nicht falsch gehandelt“. Von dem Mann gehe „keine Gefährdung“ aus.

Der Fall ist inzwischen an die Bundespolizei gegangen, die für den Tatort S-Bahn zuständig ist. „Dass so etwas zu großer Verunsicherung beiträgt, ist verständlich“, sagt Bundespolizei-Sprecher Jonas Große. Geprüft werde, ob womöglich der Tatbestand einer Beleidigung auf sexueller Basis vorliegt. Man nehme das ernst, auch eine angebliche Präventionsaktion sei keine Rechtfertigung für dieses Auftreten. „Auf alle Fälle wird er von uns Besuch bekommen, es wird eine Gefährderansprache geben“, sagt Große. „Wir haben kein Interesse, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: