Freibergs Ruben Reisig (re., gegen Kassels Nael Najjer): Zweikampfstärke ist einer der Trümpfe des früheren Kickers-Spielers. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Ruben Reisig wechselte von Oberligist Stuttgarter Kickers zum Aufsteiger SGV Freiberg und gehört in der Regionalliga zu den auffälligsten Spielern. Wie fällt sein Zwischenfazit aus? Auf was kommt es eine Etage höher an? Und kann er sich eine Rückkehr zu den Blauen vorstellen?

Er bringt viel körperliche Präsenz und Durchsetzungsvermögen mit, er ist zweikampf- und kopfballstark: Mittelfeldspieler Ruben Reisig vom SGV Freiberg sticht in der Fußball-Regionalliga hervor. Auch bei seinem Ex-Verein Stuttgarter Kickers genießt der 26-Jährige weiterhin eine hohe Wertschätzung. Ist eine Rückkehr denkbar?

 

Herr Reisig, wie fällt Ihr Zwischenfazit seit Ihrem Wechsel vergangenen Sommer von den Stuttgarter Kickers zum SGV Freiberg aus?

Also für mich persönlich war es der richtige Schritt. Ich hätte schon noch ein Jahr bei den Kickers bleiben können, doch das Risiko war mir zu groß, ob sie tatsächlich auch aufsteigen. Man weiß das im Fußball nie.

Jetzt sieht es bei zehn Punkten Vorsprung aber ganz danach aus, dass die Blauen in dieser Saison in die Regionalliga hochgehen. Bereuen Sie Ihren Wechsel?

Nein, es ist ja nicht so, dass ich den Kickers den Schritt nicht zugetraut hätte. Dass sie es dieses Jahr packen, war schon wahrscheinlich. Durch den Wechsel nach Freiberg hatte ich aber die Garantie, auf jeden Fall schon in dieser Saison in der Regionalliga zu spielen.

Der Saisonstart des SGV verlief nicht so prickelnd. Durfte man aufgrund der vielen guten Einzelspieler nicht deutlich mehr erwarten?

Aller Anfang ist schwer. Die Gegner in der Regionalliga sind keine Dullis, die können alle ganz gut kicken. Und die guten Einzelspieler machen noch lange keine gute Mannschaft. Wir haben etwas gebraucht, bis wir zu einem eingeschworenen Haufen geworden sind.

Worin liegt der größte Unterschied zur Oberliga?

Ich finde, es sind nur minimale Unterschiede. Es geht robuster zur Sache, und vor allem ist mehr Tempo im Spiel. Zudem gewinnen Spitzenteams wie der SSV Ulm 1846 – dank ihrer stabilen Defensive – ziemlich oft ihre Spiele mit einem dreckigem 1:0.

„Straffere Zügel“

Was hat sich beim SGV durch den Trainerwechsel im Winter von Ramon Gehrmann zu Roland Seitz verändert?

Disziplin hatten wir auch schon vorher, Roland Seitz hat die Zügel noch etwas straffer gezogen. Das tut uns gut. Wir sind ganz passabel aus der Winterpause gekommen.

Mit einem 1:0 gegen den KSV Hessen Kassel und Ihnen als Siegtorschützen.

Wurde ja auch Zeit, dass ich mal wieder treffe (lacht). Es war erst mein zweites Saisontor. Leider konnten wir dann bei unserem 1:2 in Offenbach nicht nachlegen, dabei wäre ein Punkt durchaus drin gewesen.

Am vergangenen Samstag schauten Sie beim Heimspiel Ihres Ex-Clubs Stuttgarter Kickers gegen den 1. CfR Pforzheim zu. 4140 Zuschauer sahen den 3:0-Sieg im Gazi-Stadion. Blutet Ihnen nicht das Herz, wenn Sie diese Atmosphäre miterleben?

Ich hatte am Abend vorher auf dem Bieberer Berg sogar vor knapp 6000 Zuschauern gespielt, doch so etwas blende ich immer schnell aus.

Der Schnitt bei Freibergs Heimspielen liegt aber nur bei knapp über 500.

Ja, das ist etwas schade. Aber diese Unterschiede in der Fan-Kultur kennt jeder. Auch ich habe das gewusst, als ich mich für den Wechsel entschieden habe. Wobei ich schon sagen muss, dass die Fan-Unterstützung im Gazi-Stadion für die Oberliga schon einzigartig ist. Der Verein ist national einfach eine Hausnummer.

„So hoch wie möglich spielen“

Die Wertschätzung für Ihre Person im Trainerteam der Stuttgarter Kickers ist bekanntermaßen sehr hoch. Könnten Sie sich – trotz ihres noch bis 2024 laufenden Vertrags in Freiberg – eine Rückkehr nach Degerloch schon in diesem Sommer vorstellen?

Da bitte ich um Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußern möchte. Darüber kann man am Ende der Saison reden.

Sie sind mit 26 Jahren im besten Fußballalter. Was möchten Sie noch erreichen?

Ich möchte so hoch wie möglich spielen. Zumindest die dritte Liga sollte es schon sein. Da komme ich her, da hatte ich zu meiner Zeit beim VfR Aalen zumindest einige Kurzeinsätze.

Am 25. März spielen Sie mit dem SGV beim VfB Stuttgart II. Ist das etwas Besonderes für Sie?

Ich habe ja keine VfB-Vergangenheit. Für mich ist diese Spiel daher nichts Besonderes. Ohnehin gehe ich in jedes Spiel mit dem Gedanken rein, mein Bestes zu geben und das Team so gut wie möglich zu unterstützen.