Der gebeutelte DRK-Kreisverband Ludwigsburg schien auf dem Weg der Besserung. Gibt es jetzt einen Rückschlag? Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Der gebeutelte DRK-Kreisverband Ludwigsburg schien auf dem Weg der Besserung. Nun gibt es scheinbar neue Querelen. Es hakt bei den Gehältern. Der Geschäftsführer verspricht Aufklärung.

Ludwigsburg - Eigentlich sollte doch alles besser werden beim Ludwigsburger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Danach sah es zuletzt auch aus: Mit Wolfgang Breidbach hat der Verband einen neuen Geschäftsführer gefunden. Die Streitigkeiten zwischen den Rettern und Ex-Pressesprecher Arnim Bauer, der 2018 vom damaligen Chef Manfred Hormann fristlos entlassen worden war, weil er im DRK-Amtsblatt Kritik an dessen Arbeit geäußert hatte, wurden beigelegt. Die Mitglieder sind ohnehin zufrieden. Also alles gut? Vermutlich nicht ganz.

In einem Punkt hat das DRK es wohl schleifen lassen. Und das ausgerechnet bei einem Thema, bei dem Mitarbeiter normalerweise überhaupt keinen Spaß verstehen. Die Vorwürfe, die in einem Schreiben an unsere Zeitung erhoben werden: Im Kreis Ludwigsburg gebe es Rettungs- und Sanitätshelfer, die seit über drei Monaten auf ihren Lohn warten.

Azubis im falschen Tarifvertrag?

Ein Mitarbeiter des DRK, der Einblick hat, aber nicht namentlich genannt werden möchte, bestätigt die Geschichte in Teilen. „Solche Fälle gibt es immer wieder“, sagt er. Die Gehaltszahlungen beim Verband seien ein grundsätzliches Problem. Um wie viele Fälle es konkret geht, kann der DRK-Mitarbeiter nicht sagen, auch nicht, wie lange die Kollegen schon auf das Geld warten, oder ob sie bereits rechtliche Schritte eingeleitet haben. „Das wäre aber durchaus verständlich.“

Bevor Manfred Hormann im Herbst 2015 den damals maroden Verband übernommen hatte und ihn zu sanieren begann, sei eigentlich alles in Ordnung gewesen, sagt der DRKler. Hormann stellte den Verband zwar wieder auf eine solide finanzielle Basis, seine Amtszeit, die Mitte 2019 endete, war aber auch geprägt von vielen Auseinandersetzungen. Beim Kreisverband herrschte zu dieser Zeit ein scharfer Umgangston, es gab keinen Raum für Kritik, missliebige Mitarbeiter – neben Arnim Bauer auch weitere – wurden gekündigt. Mit dem Betriebsrat verstrickte sich Hormann in einen Kleinkrieg. Um die Gehälter seiner Mitarbeiter wiederum kümmerte er sich offenbar nicht – zumindest nicht in dem Maße, wie es sein sollte.

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Vereinzelt sei gar kein Lohn gezahlt worden oder es seien falsche Stundensätze abgerechnet worden, sagt der DRK-Mitarbeiter. Und auch an anderer Stelle nahm es das Rote Kreuz wohl nicht so genau: Bei den Feiertagszuschlägen etwa oder bei der Einstufung der Mitarbeiter in eine höhere Gehaltsgruppe. Zu guter Letzt seien Auszubildende in einen falschen Tarifvertrag eingeordnet worden. „Einigen Azubis ist dadurch ein finanzieller Schaden bis zu einer vierstelligen Summe entstanden“, sagt der Mitarbeiter.

Die Verwaltung sei zwar bemüht, „was aber gar nicht klappt, ist die Kommunikation“. Wenn Geld nachgezahlt werde, sei vielen Beschäftigten überhaupt nicht klar, wie der Betrag zustande komme und warum er ausgezahlt werde. Wolfgang Breidbach, der den Kreisverband seit vergangenem Oktober leitet, räumt zwar ein, dass Fehler immer passieren können, dass ganze Gehälter nicht gezahlt worden sind, schließt er aber aus.

„Seitdem ich hier bin, haben wir die Löhne immer ausgezahlt“, sagt der Geschäftsführer. Allerdings räumt Breidbach auch ein, dass es bei den Gehaltsabrechnungen an der ein oder anderen Stelle hake. Im Rechenzentrum des Dienstleisters, der nach Informationen unserer Zeitung in Karlsruhe sitzt, komme es immer mal wieder zu Problemen. „Damit sind wir selbst nicht zufrieden“, sagt Breidbach. Deshalb hat er auch schon einen Termin vereinbart, um das anzusprechen. Ein eigenes Rechenzentrum lohne sich bei einem Unternehmen der Größe des Kreisverbands nicht.

Stift und Zettel statt Stempeluhr

Offenbar hängen die Probleme teilweise auch mit den veralteten Abläufen im DRK zusammen. Arbeitszeiten werden immer noch händisch erfasst. Die Daten bekommt ein Dienstleister, der auf dieser Basis die Gehälter für jeden einzelnen Mitarbeiter berechnet. Geben sie die Zettel, auf denen sie ihre Arbeitszeiten eintragen, zu spät ab, fehlt in der Endabrechnung am Monatsende Geld. Das komme schon mal vor, so Breidbach. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, sollen die Arbeitsstunden der Mitarbeiter bald digital erfasst werden.

Die Situation könne allein schon deshalb nicht so schlimm sein, weil es zuletzt keine Schichtausfälle gegeben habe, argumentiert Breidbach. Soll heißen: Wer nicht bezahlt wird, kommt mit größerer Wahrscheinlichkeit auch nicht zur Arbeit. Zu den angeprangerten Fällen sagt der DRK-Chef: „Wenn es Aushilfen betrifft, sollen die sich bei mir melden.“

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