2017 überraschend gestorben: Installations- und Bühnenkünstlerin Rosalie Foto: Daniel Mayer

Rosalies Schaffen lebt von der Verwandlung aller Materialien. Was bleibt von diesem Zauber? Eine Schau der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart will Antworten geben. Eröffnung ist am 12. April um 19.30 Uhr.

Stuttgart - Wie lässt sich ein Werk, das nur im un­gestümen Vorwärts denkbar ist, das Seitenwege und Sackgassen auf dem Weg zur nächsten fühl- und erlebbaren Spitze eher beiläufig registriert, lebendig halten, wenn die gestaltende, die formende, die fordernde, die verwerfende Hand fehlt?

Gefahr nachträglicher Glättung

Die Frage stellt sich nicht nur in der Kunst, aber hier doch in eigener Radikalität. Nur zu gerne wird ja der Anlauf zu den ­Höhen nachträglich geglättet, versperrt das Interesse an Teilaspekten eines Schaffens den Blick auf das Gesamtwerk.

Richtungsweisende Ausstellung für die weitere Rezeption von Rosalie

So hat – gewollt oder ungewollt – die Ausstellung „voll mit wilden Rosen“ mit Arbeiten der im Juni 2017 überraschend und viel zu früh gestorbenen Installations-, Bühnenkünstlerin und Malerin Rosalie in der ­Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart (Eröffnung an diesem Donnerstag, 12. April, um 19.30 Uhr) richtungsweisenden Charakter. Entfaltet sich der Zauber von Rosalies Lichtblütenwelt auch unabhängig von immer neuen ­Gesamtkunstprojekten? Das ist die Frage.

Im Zyklus „Tristan“ bündeln sich noch einmal die Kräfte des Frühwerks

„Das Licht ist auch eine Blume“ hieß 2016 ein längst als Bestandsaufnahme geltender Blick in die Werkstatt Rosalies in der Ruoff-Stiftung in Nürtingen. Und auch in der ­Galerie Schlichtenmaier konzentrieren sich die Kräfte, wenn die Tafeln des „Tristan“-Zyklus 2005 die überbordenden Kräfte des Frühwerks der 1953 in Gemmrigheim geborenen Rosalie noch einmal bündeln und in lustvoller Gleichzeitigkeit explodieren lassen.

Erinnerung an das „Barbiedrom“ von 1989

Und immerhin angedeutet ist umgekehrt die Abgründigkeit eines „Barbiedroms“, wenn die Schau mit den Objekten „ In spiritus cactus“ deutlich macht, dass ­Rosalie die Härten des gemeinhin mit Süße und Leichtigkeit verbundenen Werkstoffs Granulat in aller Klarheit benennt. Es ist ein Moment, der an ihren als Künstlerin vielleicht wichtigsten Moment erinnert – die Industrieplastik zum Blühen bringende Schau „.. komm, lieber Mai und mache ...“ 1989 in der damaligen Galerie der Stadt Stuttgart im Kunstgebäude am Schlossplatz.

Mit dem „Ring“ in Bayreuth werden Lichtleitfasern das zentrale Material

Nichts mehr war von da an für Rosalie ­undenkbar – und so nahm sie auch das Wort von der „Werkstatt Bayreuth“ als Leitlinie für ihre mit Alfred Kirchner (Regie) entwickelte und mit James Levine am Pult um­gesetzte Neuinterpretation von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ (1994 im Festspielhaus Bayreuth). Lichtleitfasern nutzt Rosalie in Bayreuth – es wird ihr Material, und sie entwickelt in der Folge und mit Rückendeckung von Peter Weibel, Präsident des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe, entscheidende Beiträge zum Thema Kunst mit Licht.

Die „Kristallpark“-Bilder lassen das Granulat blühen

Werden hier auch in den Formaten handhabbare Werke Bestand haben? Auf die „Lightscapes“ läuft die Schau zu – doch schiebt sich überraschend eine Reihe in den Mittelpunkt, die in der Ausstellung noch einmal die für Rosalie typische Leichtigkeit de Spiels transportiert: „Kristallpark – aus hängenden Gärten“. Deren knappe Botschaft: Das Licht bleibt eine Blume.

Rosalie in der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart (Kleiner Schlossplatz 11, Eröffnung an diesem Donnerstag um 19 Uhr, Di-Fr 11-19, Sa 11-17 Uhr. Mehr unter: www.schlichtenmaier.de
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