Ob als Stadt- und Kreisrat, als Realschulrektor und Bildungspolitiker oder als Förderer des Berkheimer Altenzentrums – Richard Kramartschik hat sich auf vielfältige Weise um Esslingen und um seinen Stadtteil verdient gemacht. Zum 80. Geburtstag blickt er zurück.
Wer all das aufzählen möchte, wofür sich Richard Kramartschik in seinem Leben engagiert hat, braucht einen langen Atem. Der Berkheimer war stets für andere da – nicht nur als Realschullehrer und -rektor, sondern auch im Kreistag, im Esslinger Gemeinderat und in unterschiedlichsten Funktionen in seinem Stadtteil. Kein Anliegen war und ist ihm zu unbedeutend. Wer sich an ihn wendet, wird nicht mit wohlfeilen Worten abgespeist, sondern findet stets ein offenes Ohr – und meist auch konkrete Hilfe. Es gibt nicht viele, die sich wie er seit Jahrzehnten auf so vielfältige Weise für die Stadt und ihre Menschen einsetzen. An diesem Mittwoch feiert er seinen 80. Geburtstag.
Niemals weggeduckt
Was Richard Kramartschik tut, tut er aus Überzeugung. Wo andere ihren politischen Wertekompass gerne mal zur Seite legen und von „Realpolitik“ schwadronieren, folgt der Sozialdemokrat einer klaren Richtschnur. Dabei hat er das Idealbild einer demokratischen und gerechten Gesellschaft vor Augen. Bereits zu Schulzeiten hat er die Stimme erhoben, wenn andere sich lieber weggeduckt hatten. Ob als Klassen- und Schülersprecher am Schelztor-Gymnasium, ob als Autor der Jugendzeitschrift „Ja und Nein“ oder später an der Hochschule – „Ricci“ wusste, was er wollte, hat aber auch zugehört und andere Meinungen respektiert.
„Wenn ich den Eindruck hatte, dass ich gebraucht werde, habe ich mich gestellt“, sagt er. „Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn viele zum Gelingen beitragen und nicht nur an sich denken.“ Die Liste seiner Ämter und Funktionen ist lang. Er hat für seine SPD Wahlkämpfe bei Bundes-, Landtags-, Kommunal- und OB-Wahlen organisiert. Er gehörte dem Ortsvereins- und Kreisvorstand seiner Partei an. Er hat als beratendes Mitglied im Kulturausschuss des Gemeinderats kulturpolitisches Engagement verkörpert. Sein Credo: „Wir müssen Kultur ermöglichen und nicht verhindern.“ Er war Mitglied in Ortschaftsrat und Bürgerausschuss in Berkheim und von 1999 bis 2021 Stadtrat in Esslingen. Auch in der hitzigsten politischen Debatte ist er nie persönlich verletzend geworden, Verlässlichkeit ist ihm bis heute wichtig. In seiner Fraktion galt er als politische Allzweckwaffe: Als Esslingen vor Jahren unter einer Taubenplage stöhnte, wurde er augenzwinkernd sogar zum „taubenpolitischen Sprecher“ ernannt.
Pädagoge aus Passion
Mehr als 30 Jahre lang saß Kramartschik im Kreistag. Er war Schöffe bei Gericht, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Realschulrektoren im Land und Mitglied im Landesschulbeirat. Er war neben vielem anderen 30 Jahre lang Vorsitzender des Fördervereins Altenzentrum Berkheim. Und vor allem war er Pädagoge aus Passion – als Lehrer, Konrektor und Schulleiter an diversen Realschulen, zuletzt bis 2007 an der Zollberg-Realschule. So hat er viele Schüler-Generationen geprägt. „Wenn ich Ehemalige zufällig treffe, die mir sagen, wie gern sie an ihre Schulzeit denken, freue ich mich, manches richtig gemacht zu haben“, erzählt er.
Der heute 80-Jährige hat jede seiner Aufgaben sehr ernst genommen. Manche mussten ob „Riccis“ mitreißender Beharrlichkeit bisweilen schnaufen, doch er hat überzeugt, weil er selbst die Ärmel hochgekrempelt hat. Sein Engagement hat ihm viel Anerkennung eingebracht, selbst eine Orchidee wurde nach ihm benannt. Viele Freundschaften sind entstanden – allen voran zum Ehrenbürger Wolfgang Drexler und dessen Ehefrau Ella und zum langjährigen Fraktionsvorsitzenden Andreas Koch. Vor allem aber konnte sich Kramartschik auf seine Familie verlassen. Ehefrau Hanka hat ihm den Rücken freigehalten, auch wenn die Familie oft zurückstehen musste. Das politische Urteil seiner Frau war und ist ihm wichtig.
Klug reden und handeln
Petra Güntert, seine Nachfolgerin im Förderverein des Altenzentrums, überreicht ihm einen Strauß voll lobender Worte: „Richard Kramartschik zeichnet sein großes Interesse an der Meinung und den Bedürfnissen des Menschen aus, der ihm gegenüber steht. Er besitzt die Fähigkeit, zuhören zu können und seinem Gegenüber Wertschätzung zu zeigen. Er kann Meinungen stehen lassen, auch wenn sie nicht seine sind. Er redet nicht nur klug, sondern handelt auch so. Viele schätzen sein klares Bekenntnis und seinen großen Einsatz für Demokratie, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Freiheit – und seinen festen Glauben an das Gute im Menschen und daran, dass es für alle Probleme gemeinsam getragene Lösungen gibt.“
Die wünscht er sich auch für die Stadtbücherei, deren Erweiterung und Modernisierung ihm drei Jahrzehnte lang ein Herzensanliegen war und bis heute ist. Die starke Beteiligung am Bürgerentscheid hat Kramartschik als Zeichen einer lebendigen Demokratie verstanden. Das ist für ihn nun Verpflichtung: „Die Bürgerinnen und Bürger haben entschieden, dass sie im Pfleghof bleiben wollen. Wenn man nun glaubt, eine bessere Lösung gefunden zu haben, muss man die Bürgerschaft nochmals fragen.“
Einiges bewegt
Familie, Schule, die SPD und das Berkheimer Altenzentrum haben sein Leben lange Zeit geprägt. Nun genießt er etwas ruhigere Zeiten, die ihm Gelegenheit geben, vieles zu tun, wofür nie Zeit blieb. Vor allem mag er es, ganz viel Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen zu können. An seinem 80. Geburtstag blickt Richard Kramartschik dankbar zurück: „Ich habe tolle Menschen getroffen, viel Unterstützung erhalten und durfte manches bewegen. Etwas Schöneres kann man mit 80 Jahren kaum sagen.“
Die Krönung eines politischen Lebenswerks
Das Ziel
Zu den wichtigsten Anliegen in Richard Kramartschiks politischem Leben hat stets das Wohl der Seniorinnen und Senioren im Stadtteil Berkheim gehört. Für sie hat er sich bereits stark gemacht, als er selbst vom Seniorenalter noch weit entfernt war. Schon Ende der 80er-Jahre wurde in Berkheim der Wunsch nach wohnortnaher Versorgung im Alter laut. Eine Initiative wollte ein Altenwohn- und -pflegeheim vor Ort realisieren – nach so manchen Höhen und Tiefen wurde dann 2002 an der Badstraße ein Pflegeheim mit 70 Plätzen eröffnet.
Die Förderer
Maßgeblich am Gelingen beteiligt war die Bürgerinitiative, die rasch zum Förderverein wurde. Gründungsmitglied und seit 1993 Vorsitzender war Kramartschik. Heute zählt der Förderverein Altenzentrum Berkheim mit rund 300 Mitgliedern zu den großen Vereinen des Stadtteils. Die Förderer unterstützen das Projekt nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Mit einem stattlichen Betrag ermöglichten sie den Bau eines zusätzlichen Veranstaltungssaals, den der Verein seither auch regelmäßig mit Leben erfüllt – etwa mit Konzerten oder den Veranstaltungen der Sommerakademie.
Der Wechsel
Als sich Kramartschik 2023 von der Spitze des Fördervereins verabschiedet hat, konnte er im guten Gefühl gehen, viel erreicht und mit Petra Güntert eine starke Nachfolgerin gefunden zu haben.