Im Norden des Kreises sind die Notärzte noch zu oft zu lang unterwegs. Foto: Landratsamt

Im Kreis werden die vorgeschriebenen Hilfsfristen im Rettungsdienst noch immer nicht erreicht.

Rems-Murr-Kreis - Die Zahlen für das vergangene Jahr stehen noch nicht zur Verfügung. Aber der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel befürchtet, dass auch im Jahr 2017 die vorgeschriebenen Hilfsfristen bei Rettungseinsätzen nicht eingehalten werden konnten. Es liege noch einiges im Argen, „wir werden im Bereichsausschuss weiter auf Verbesserungen dringen“ sagt er. Vor allem im Norden des Kreises liegen die Werte teils deutlich unter der Marke von 95 Prozent. Diese Quote ist im Rettungsdienstgesetz für den Anteil der Fahrten vorgeschrieben, die spätestens nach 15 Minuten am Ort des Geschehens eintreffen. Gerade bei den Notarzteinsätzen sei dort die Quote unbefriedigend, meint der Landrat.

Für das Rettungswesen zuständig ist der Bereichsausschuss

Für das Rettungswesen zuständig ist der sogenannte Bereichsausschuss. In diesem sitzen die Kostenträger, also die Krankenkassen, sowie die Leistungserbringer, also die Rettungsorganisationen. Als Aufsichtsorgan ist dort auch der Landkreis vertreten – derzeit durch den Ersten Landesbeamten und Landratsstellvertreter Michael Kretschmar.

Insgesamt sind die aktuellen Durchschnittswerte des Jahres 2016 sowohl bei den Rettungswagen, als auch bei den Notarztfahrzeugen im Kreis mit 93,3 beziehungsweise 94,5 Prozent unter dem rettungsdienstgesetzlichen Soll geblieben. Im Jahr 2014 war die angestrebte Quote an Rems und Murr erstmals – wenn auch knapp – erreicht worden. Aber für die demnächst ausgewerteten Zahlen des Jahres 2017 zeichne sich ab, dass die Werte trotz der Bemühungen in den den vergangenen beiden Jahren maximal stagnierten, sagt der Landrat.

Dies trotz der zusätzlichen Rettungswache in Althütte oder der verkehrsgünstigeren Platzierung der Wache in Backnang. Wobei natürlich der Effekt durch die – mit vom Landkreis angestoßene – neue Wache in Sulzbach für die 2017er-Zahlen noch nicht durchschlägt. Zusätzlichen Handlungsbedarf sehen die Aufseher über das Rettungswesen im Osten des Kreises im Bereich Alfdorf. Dort müsse – auch zusammen mit der direkt benachbarten Rettungswache an der Klinik in Mutlangen – über Optimierungsmöglichkeiten nachgedacht werden.

In der Region erfüllen Stuttgart und der Kreis Göppingen die Quote

In der Region zeigt sich – wie insgesamt in den 34 Rettungsdienstbereichen im Land, dass die Probleme bei der Fristerreichung in den ländlichen Gebieten deutlich größer sind, als in städtisch geprägten Bereichen. Das liegt nicht zuletzt an den Entfernungen und Verkehrsbedingungen. In der Region weist bei den aktuellen Zahlen die Landeshauptstadt Stuttgart mit einer 15-Minuten-Erfolgsquote von 96,2 Prozent bei den Rettungswagen und 95,3 bei den Notärzten die besten Werte auf. Nur der Kreis Göppingen hat innerhalb der Region Stuttgart im Jahr 2016 ebenfalls die vorgeschrieben Quote erfüllt – mit 95,9 beziehungsweise 95 Prozent.

Der Rems-Murr-Kreis bildet zusammen mit den Rettungsdienstbereichen Esslingen und Ludwigsburg bei den Rettungswagen mit Werten zwischen 93,3 und 94,2 Prozent quasi das knapp unter dem Soll liegende Mittelfeld. Schlusslicht in der Region ist Böblingen mit lediglich 92,2 Prozent Erfolgsquote bei den Rettungswagen.

Landesweit haben sich die Werte im Rettungsdienst in den vergangenen Jahren eher verschlechtert. Als ein Grund wird unisono die massiv angestiegene Zahl der Einsätze genannt. Auch im Rems-Murr-Kreis gilt die hohe Zahl an Krankentransporten als Hemmnis für effektive Einsatzgestaltung im Rettungsdienst. Man sei dabei, Abhilfe zu schaffen, sagt Landrat Sigel. Im vergangenen Jahr seien zwei weitere Privatunternehmen für Krankenfahrten zugelassen worden, um den Rettungsdienst zu entlasten und Kapazitäten frei zu halten.

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