Zeitlos schön, aber technisch veraltet: Der Stuttgarter Landtag muss renoviert werden – eine Gelegenheit, die die Abgeordneten für weitere Neuerungen nutzen wollen. Foto: dpa

Mit ihrem Vorschlag, in der Nähe des Landtags ein oberirdisches Besucher- und Medienzentrum zu bauen, sind die Abgeordneten abgeblitzt. Nun denken sie an eine unterirdische Variante.

Stuttgart - Der Um- und Ausbau des Stuttgarter Landtagsgebäudes nimmt konkrete Formen an. Am 14. Oktober will eine Bewertungskommission darüber entscheiden, welcher der Vorschläge, die fünf Architekturbüros über den Sommer hinweg eingereicht ­haben, den Zuschlag erhält.

Dem Gremium gehören Abgeordnete, Bauexperten von Stadt und Land, Hochschulprofessoren sowie freie Architekten an – darunter der Präsident der Architektenkammer, Wolfgang Riehle. Die endgültige Entscheidung trifft das Landtagspräsidium am 23. Oktober.

Was die Büros im Einzelnen vorschlagen, um das markante Gebäude zu modernisieren und gleichzeitig Tageslicht in den bisher fensterlosen Plenarsaal zu bringen, ist derzeit noch geheim. Die Hochbauverwaltung des Landes sichtet gerade die Unterlagen. Der Zeitplan jedoch steht: Vorgesehen ist, mit den Arbeiten in der Sommerpause 2013 zu beginnen. Nach zweijähriger Bauzeit soll das 1961 eingeweihte und unter Denkmalschutz stehende Gebäude dann nicht nur sparsamer im Energieverbrauch, sondern auch feuersicherer sein. Der Neubezug ist für Herbst 2015 vorgesehen.

Oberirdisches Empfangsgebäude geplant

Geht es nach den Abgeordneten, kann zur gleichen Zeit auch ein neues Besucher- und Medienzentrum bezogen werden. Sie wünschen sich solche Räumlichkeiten, um die jährlich rund 40.000 Besucher aus dem ganzen Land besser betreuen zu können. Bisher gibt es dafür keinen eigenen Raum. Außerdem sind professionellere Arbeitsmöglichkeiten für Medienvertreter vorgesehen.

Nachdem der Landtag sich im vergangenen Frühjahr mit dem Plan eines oberirdischen Gebäudes vor der Stuttgarter Oper eine Abfuhr im Stuttgarter Gemeinderat geholt hatte, denken die Abgeordneten nun an eine unterirdische Variante: Das Besucher- und Medienzentrum könnte unter der Zufahrt von der Konrad-Adenauer-Straße zum Landtagsgelände entstehen.

Oberirdisch wäre davon aber lediglich ein kleineres Empfangsgebäude zu sehen, so die Vorstellung – ungefähr links von der jetzigen Zufahrt. Wie dieser Bau dann aussieht – ob wie ein kleineres Abbild des Plenargebäudes oder in der Form eines Ovals –, ist noch offen. Als Alternative zu diesem Standort ist der Parkplatz über der Tiefgarage im Gespräch. Diese Version hätte jedoch den Nachteil, dass ihr Stellplätze zum Opfer fallen.

Ein unterirdisches Besucherzentrum würde weitere zehn bis zwölf ­Millionen kosten

Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) und die vier Fraktionschefs sind derzeit im Gespräch mit ihren Parteikollegen in den Stuttgarter Gemeinderatsfraktionen. Die Angelegenheit ist heikel, denn eigentlich ist die Neigung der Ratsmitglieder, weitere Bauten an der Kulturmeile zuzulassen, nur gering ausgeprägt. Dennoch gilt eine Einigung als möglich, zumal der Vorschlag einer unterirdischen Lösung aus den Reihen des Gemeinderats gekommen war.

Die Kosten hängen davon ab, ob sich der Landtag für den Einbau von Fenstern in den Plenarsaal entscheidet oder nicht. Bei einer Öffnung des Saals rechnen die Bauexperten mit 40 bis 50 Millionen Euro Renovierungskosten. Ein unterirdisches Besucherzentrum würde mit weiteren zehn bis zwölf ­Millionen zu Buche schlagen.

Dass Parlamentsbesucher unterirdisch betreut werden, ist an sich nichts Ungewöhnliches. So liegt zum Beispiel das Besucherzentrum unter dem Capitol in Washington unter der Erde. Auch das Besucherzentrum des Deutschen Bundestags soll eingegraben werden. Kostenschätzung: 300 Millionen Euro.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: